Seriengründer Klaus Harisch mit seinen Söhnen Pablo (links) und Lion (rechts)

Es ist keine alltägliche Konstellation, wenn ein Vater mit seinen Söhnen ein Unternehmen gründet. Gewagt hat es Klaus Harisch (52). Jetzt geht sein Familien-Startup Yoummday live, ein Marktplatz für Callcenter-Dienste. Denn Telefon-Erfahrung hat Harisch: Er gründete bereits die Auskunft 11880 – „Da werden sie geholfen“.

Yoummday steht für „You made my day“ und vermittelt freiberufliche Telefon-Agenten an Kunden, die schnell ihren Telefonie-Service aufstocken wollen. Das können klassische Callcenter-Mitarbeiter für Befragungen sein, aber auch Therapeuten, Übersetzer oder Rechtsberater, die sich auf Kunden-Aufträge bewerben. Durch die Online-Vermittlung und einen großen Pool an Freiberuflern soll die sonst monatelange Suche nach Telefon-Agenten entfallen und der Agent selbst aus der Anonymität verschwinden.

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Das Startup von Familie Harisch bekommt dann Geld, wenn ein Agent einen Anruf für einen Kunden entgegennimmt, anteilig an den Gesamtkosten. Mit an Bord von Yoummday sind Klaus Harischs Söhne: Pablo (25) studierte erst Wirtschaftsrecht und jetzt Informatik. Lion (23) studiert Politikwissenschaften. Beide legen für das Unternehmen gerade ein Urlaubssemester ein. Ab Juli will das Dreier-Team auf Investorensuche gehen. Bisher hätten sie Angebote von Geldgebern noch ausgeschlagen und mit dem Geld des Vaters gewirtschaftet.

Klaus Harisch im Gespräch über die Familien-Gründung und seine langjährige Gründerhistorie.

Klaus, Du hast innerhalb der Familie gegründet. Wie ist die Atmosphäre zuhause?

Es fühlt sich wie in einem Start-up an. Meine Frau sagt schon, ich solle mir wieder die Sprache von damals angewöhnen (lacht). Es ist natürlich anstrengend, man arbeitet von morgens bis abends. Aber die Atmosphäre ist trotzdem entspannt. Meine Söhne wissen, dass 90 Prozent der Start-ups scheitern. Aber das spornt sie an, noch mehr zu leisten.

Du bist erfolgreicher Mehrfachgründer. Wie fing Dein Unternehmerleben an?

Vor 20 Jahren habe ich mein allererstes Unternehmen, Europe Online, gegründet. Das war ein Internetanbieter wie AOL. Das war allerdings nicht erfolgreich.

Danach hast Du die Telefonauskunft Telegate gegründet. Bereits nach drei Jahren ging es an die Börse. Was war das Erfolgsgeheimnis?

Die Nummer des damaligen Monopolisten war 01188. Also haben wir eine Nummer gewählt, bei der sich der Verbraucher nicht stark umstellen musste: die 11880. Das war das Erfolgsgeheimnis.

2006 kam das nächste Unternehmen, GoYellow, das unfreiwillig an die Gelben Seiten verkauft wurde.

GoYellow war damals das erste Online-Branchenbuch. Wir haben es auf einen Millionen-Umsatz gebracht, waren vertrieblich aber von den Gelbe-Seiten-Verlagen abhängig. Und als sie merkten, was wir für ein lukratives Geschäft haben, wollten sie es lieber selber machen – und haben uns nicht ganz freiwillig zum Verkauf gebracht.

Vor einem Jahr hast Du dann gemeinsam mit Deinen Söhnen einen Marktplatz für Sprachdienste gegründet. Wie funktioniert der?

Ich erzähle zuerst, wie es bisher lief: Wenn ich als Kunde mit einem Callcenter arbeiten wollte, dauerte es meist drei Monate, bis ein Projekt aufgesetzt wurde. Und der Kunde wusste in der Regel nicht, welche Agenten für ihn arbeiten.

Und bei Euch?

Wenn jemand etwa ein Unternehmen gründet und dafür zehn Telefon-Agenten braucht, die Anrufe tätigen oder entgegen nehmen, dann geht er auf Yoummday.com und sucht geeignete Agenten aus. Um den Rest, wie die minutengenaue Abrechnung, die Qualitätssicherung und Inkasso, kümmern wir uns.

Was muss beispielsweise ein Experte für Router tun, um seine Expertise telefonisch bei Euch anzubieten?

Er muss sich online bei uns registrieren. Und wenn es von Kunden Nachfragen nach Router-Themen gibt, kann er sich darauf bewerben. Danach leitet der Kunde seine Anfragen an das Telefon des Experten. Jedes Gespräch, das ein Yoummday-Agent für einen Kunden führt, läuft über uns. Egal, welches Telefon der Agent oder Kunde benutzt, alles läuft über unser Backend und wird online für beide Seiten angezeigt.

Online-Marktplätze stehen häufig aufgrund der unklaren Anstellungsverhältnisse in der Kritik. Wie ist das bei Euch?

Wir entwickeln deshalb gerade einen Steuerleitfaden für die Agenten. Aber über uns arbeiten Freiberufler, die als Experten in einem Gebiet für verschiedene Unternehmen arbeiten können.

Es herrscht also kein direktes Anstellungsverhältnis?

Nein, das Arbeitsverhältnis wird immer direkt zwischen Auftragnehmer und Auftraggeber geschlossen.

Und Ihr verdient über eine Provision mit?

Ja, es sind derzeit immer 19 Prozent. Später könnte das aber variabel werden, dass man bei hohen Umsätzen die Provision nach unten und bei geringeren nach oben schraubt. Das haben wir uns von Uber und Airbnb abgeschaut.

Bild: Yoummday