Die Entwicklung der Besucherzahlen

Das erste Schülernetzwerk kam mit dem SchülerRG Anfang Dezember 2006 auf den Markt. Zu diesem Zeitpunkt war der Erfolg des StudiVZ bereits seit ca. 7-8 Monaten sichtbar. (Bei unterstellten 2 Monaten Vorlaufzeit kann man sich daher fragen warum es so lange gedauert hat, bis das Konzept adaptiert wurde…) Die anderen Netzwerke folgten dann Schlag auf Schlag innerhalb von gut 2 Monaten. Man kann daher davon ausgehen, dass die meisten Teams Ihre „Idee“ unabhängig voneinander entwickelt haben.

Chart 1: Die Entwicklung der Reichweite in den letzten 6 Monaten (Alexa)

1. SchuelerVZ.net (blau)

2. Schuelerprofile.de (türkis)

3. Schueler.cc (schwarz)

4. Spickmich.de (hellbraun)

5. SchuelerRG.de (dunkelbraun)

Der Schub zum Launch des SchuelerVZ wurde m.E. vor allem durch die „Einladung der Geschwister“ und durch neugierige Studenten verursacht. Die beiden Spitzen beim Studi-VZ im April sind auf die umstrittenen Guerilla-Aktionen zurückzuführen. Die Spitzen bei Spickmich.de (Ende März) fallen zeitlich mit einer starken Medienberichterstattung überein. Insgesamt läßt sich erkennen, dass das SchuelerVZ seine Wettbewerber im Zeitablauf bei der Reichweite immer stärker abhängt.

Chart 2: Die Entwicklung der Page Views in den letzten 6 Monaten (Alexa)

Bei den Page Views fällt auf, dass das SchuelerVZ seine Wettbewerber noch stärker dominiert. Es ist also davon auszugehen, dass die SchuelerVZ-User aktiver sind als die Nutzer der anderen Plattformen. Es läßt sich auch leicht eine Erklärung finden: Das größte Netzwerk stiftet den meisten Nutzen, was wiederum einen positiven Einfluß auf die Anzahl der Seitenaufrufe hat.

Unkommentiert, da von mir nicht überprüfbar, möchte ich auch noch die Eigen-Angaben der Netzwerke bezüglich Ihrer aktuellen User-Zahlen und dem täglichen Wachstum nennen:

SchuelerVZ.net : 450000 User /+ 7000 pro Tag

Schuelerprofile.de : 200000 User / keine Angabe zum Wachstum

Spickmich.de : 70000 User / ~ + 1000 pro Tag

Schueler.cc: 70000 User / keine Angaben zum Wachstum

SchuelerRG.de : 30000 User / „geringes Wachstum“

Ableitung der Erfolgsfaktoren

Warum dominiert das SchuelerVZ den Markt, während beispielsweise „Earlybird“ SchuelerRG lediglich lokale Bedeutung erlangt hat?

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit lassen sich einige offensichtliche Erfolgsfaktoren ausmachen, die das SchuelerVZ auf sich vereinen kann:

1. Bester Marktzugang

Entscheidend ist nicht, wer als Erster auf dem Markt ist, sondern wer als Erster eine kritische Masse erreicht. Das SchuelerVZ hat hier einen extrem wertvollen Wettbewerbsvorteil: Die riesige User-Basis des StudiVZ sowie die Bekanntheit der Marke „VZ“. Das Cross-Marketing zu Beginn hat das SchuelerVZ innerhalb weniger Tage zur Nummer 1 gemacht. Dieser Vorteil beim Marktzugang ist meiner Meinung nach der mit Abstand wichtigste Erfolgsfaktor für das SchuelerVZ.

2. Größte Erfahrung

Die Erfahrung mit dem StudiVZ hilft dem SchuelerVZ in sämtlichen Bereichen. Marketing, Usability, Technik (Skalierbarkeit!) und bereits vorhandene (Presse)-kontakte sind besonders hervorzuheben. Letztlich mußte die Plattform nur für die Zielgruppe „Schüler“ angepaßt werden. Hierfür hat man darauf gesetzt Zielgruppenkenner und Multiplikatoren einzubinden. Mit Christian Beilhorn und Oliver Skopec wurden 2 Vertreter der Jugendpresse ins Boot geholt, die auch von anderen Plattformen heiß umworben wurden, wie z.B. bei Karsten nachzulesen ist.

3. Größtes Budget (in monetärer und zeitlicher Hinsicht)

Das SchuelerRG, Schueler.CC und Spickmich.de wurden von Studenten gegründet. Neben einer geringen Kapitalausstattung konnten bzw. wollten die Gründerteams zum Teil auch nicht Ihre gesamte Zeit in die Community stecken, wie ich in einigen Telefon-Interviews erfahren habe. Nicht zuletzt aufgrund des Markteintritts des SchuelerVZ wollte man sich hier anscheinend nicht völlig an den Erfolg der Plattform binden und das Studium dafür pausieren lassen. SchuelerVZ und Schuelerprofile, die beiden reichweitenstärksten Seiten, gehören hingegen zu Firmen mit deutlich besserer Kapitalausstattung und hauptberuflich agierendem „Management“. Das dies sich letztlich sowohl in mehr Marketing-Möglichkeiten als auch mehr Kapazitäten zur Produktoptimierung niederschlägt ist klar. Hieraus sollte jedoch meiner Meinung nach nicht verallgemeinert werden, dass sich immer das größte Budget durchsetzt…

Ausblick und Verallgemeinerung

Es scheint als hätte das SchuelerVZ den Markt der Social Networks für Schüler bereits jetzt entscheidend für sich gewonnen. Allerdings bleibt abzuwarten ob es einigen Netzwerken durch Differenzierung nicht doch gelingt dauerhaft bestehen zu bleiben. Zudem wäre es aufgrund der geringen überregionalen Vernetzung der Schüler durchaus denkbar, dass sich einige „Local Player“ herausbilden. Die Entwicklung der Schüler-Netzwerke bleibt daher spannend, zumal einige der gewonnen Erkenntnisse auch auf anderen Märkten Bestand haben.

Welche Erfahrungen lassen sich also von den Schüler-Netzwerken abstrahieren und möglicherweise für eigene Gründungspläne verwenden?

1. Konkurrenz antizipieren! (Sollte eigentlich selbstverständlich sein)

Der (gedankliche) Weg vom Studenten-Netzwerk zum Schüler-Netzwerk ist nicht allzu weit. Hinzukommt, dass der Aufbau einer derartigen Plattform relativ günstig ist und wenig spezifisches Wissen vorraussetzt.
Mit zahlreichen anderen Markteintritten muß in solchen Fällen immer gerechnet werden.
Ein eigener Markteintritt lohnt sich dann nur wenn das eigene Team:

a) deutlich! früher auf dem Markt als die Wettbewerber ist
b) kompetenter ist (Vorsicht, das behaupten meistens alle von sich ;-) )
c) Ressourcen hat die anderen fehlen (z.B. die 2 Millionen Nutzer des StudiVZ)
2. Die Konkurrenz um die heißen Copycats im Internet wird größer

Ein interessanter Aspekt, der in einem anderen Zusammenhang auch im Interview von Oliver Jung betont wurde: Während das StudiVZ noch mit 2 Wettbewerbern (studylounge.de und unister.de) zu kämpfen hatte, sind es bei den Schülern bereits mehr als 6. Das Geschäftsmodell von Twitter wurde fast gleichzeitig von mindestens 7 Copycats imitiert wie beispielsweise Andreas erheitert berichtet…

Langfristig könnten eigenständigere Ideen daher wieder chancenreicher werden, als Adaptionen bei denen nur sehr wenige und naheliegende Faktoren (Studenten –> Schüler/ bzw. USA –> Deutschland) variiert werden.

Welche Erfolgsfaktoren und Erfahrungen lassen sich sonst noch aus der Entwicklung der Schüler-Netzwerke ableiten? Ich bin gespannt und freue mich auf Kommentare…