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Die Entwicklung der Schüler-Netzwerke – Teil 2

20. Mai 2007 von 12Kommentare

Die Entwicklung der Besucherzahlen

Das erste Schülernetzwerk kam mit dem SchülerRG Anfang Dezember 2006 auf den Markt. Zu diesem Zeitpunkt war der Erfolg des StudiVZ bereits seit ca. 7-8 Monaten sichtbar. (Bei unterstellten 2 Monaten Vorlaufzeit kann man sich daher fragen warum es so lange gedauert hat, bis das Konzept adaptiert wurde…) Die anderen Netzwerke folgten dann Schlag auf Schlag innerhalb von gut 2 Monaten. Man kann daher davon ausgehen, dass die meisten Teams Ihre “Idee” unabhängig voneinander entwickelt haben.

Chart 1: Die Entwicklung der Reichweite in den letzten 6 Monaten (Alexa)

1. SchuelerVZ.net (blau)

2. Schuelerprofile.de (türkis)

3. Schueler.cc (schwarz)

4. Spickmich.de (hellbraun)

5. SchuelerRG.de (dunkelbraun)

Der Schub zum Launch des SchuelerVZ wurde m.E. vor allem durch die “Einladung der Geschwister” und durch neugierige Studenten verursacht. Die beiden Spitzen beim Studi-VZ im April sind auf die umstrittenen Guerilla-Aktionen zurückzuführen. Die Spitzen bei Spickmich.de (Ende März) fallen zeitlich mit einer starken Medienberichterstattung überein. Insgesamt läßt sich erkennen, dass das SchuelerVZ seine Wettbewerber im Zeitablauf bei der Reichweite immer stärker abhängt.

Chart 2: Die Entwicklung der Page Views in den letzten 6 Monaten (Alexa)

Bei den Page Views fällt auf, dass das SchuelerVZ seine Wettbewerber noch stärker dominiert. Es ist also davon auszugehen, dass die SchuelerVZ-User aktiver sind als die Nutzer der anderen Plattformen. Es läßt sich auch leicht eine Erklärung finden: Das größte Netzwerk stiftet den meisten Nutzen, was wiederum einen positiven Einfluß auf die Anzahl der Seitenaufrufe hat.

Unkommentiert, da von mir nicht überprüfbar, möchte ich auch noch die Eigen-Angaben der Netzwerke bezüglich Ihrer aktuellen User-Zahlen und dem täglichen Wachstum nennen:

SchuelerVZ.net : 450000 User /+ 7000 pro Tag

Schuelerprofile.de : 200000 User / keine Angabe zum Wachstum

Spickmich.de : 70000 User / ~ + 1000 pro Tag

Schueler.cc: 70000 User / keine Angaben zum Wachstum

SchuelerRG.de : 30000 User / “geringes Wachstum”

Ableitung der Erfolgsfaktoren

Warum dominiert das SchuelerVZ den Markt, während beispielsweise “Earlybird” SchuelerRG lediglich lokale Bedeutung erlangt hat?

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit lassen sich einige offensichtliche Erfolgsfaktoren ausmachen, die das SchuelerVZ auf sich vereinen kann:

1. Bester Marktzugang

Entscheidend ist nicht, wer als Erster auf dem Markt ist, sondern wer als Erster eine kritische Masse erreicht. Das SchuelerVZ hat hier einen extrem wertvollen Wettbewerbsvorteil: Die riesige User-Basis des StudiVZ sowie die Bekanntheit der Marke “VZ”. Das Cross-Marketing zu Beginn hat das SchuelerVZ innerhalb weniger Tage zur Nummer 1 gemacht. Dieser Vorteil beim Marktzugang ist meiner Meinung nach der mit Abstand wichtigste Erfolgsfaktor für das SchuelerVZ.

2. Größte Erfahrung

Die Erfahrung mit dem StudiVZ hilft dem SchuelerVZ in sämtlichen Bereichen. Marketing, Usability, Technik (Skalierbarkeit!) und bereits vorhandene (Presse)-kontakte sind besonders hervorzuheben. Letztlich mußte die Plattform nur für die Zielgruppe “Schüler” angepaßt werden. Hierfür hat man darauf gesetzt Zielgruppenkenner und Multiplikatoren einzubinden. Mit Christian Beilhorn und Oliver Skopec wurden 2 Vertreter der Jugendpresse ins Boot geholt, die auch von anderen Plattformen heiß umworben wurden, wie z.B. bei Karsten nachzulesen ist.

3. Größtes Budget (in monetärer und zeitlicher Hinsicht)

Das SchuelerRG, Schueler.CC und Spickmich.de wurden von Studenten gegründet. Neben einer geringen Kapitalausstattung konnten bzw. wollten die Gründerteams zum Teil auch nicht Ihre gesamte Zeit in die Community stecken, wie ich in einigen Telefon-Interviews erfahren habe. Nicht zuletzt aufgrund des Markteintritts des SchuelerVZ wollte man sich hier anscheinend nicht völlig an den Erfolg der Plattform binden und das Studium dafür pausieren lassen. SchuelerVZ und Schuelerprofile, die beiden reichweitenstärksten Seiten, gehören hingegen zu Firmen mit deutlich besserer Kapitalausstattung und hauptberuflich agierendem “Management”. Das dies sich letztlich sowohl in mehr Marketing-Möglichkeiten als auch mehr Kapazitäten zur Produktoptimierung niederschlägt ist klar. Hieraus sollte jedoch meiner Meinung nach nicht verallgemeinert werden, dass sich immer das größte Budget durchsetzt…

Ausblick und Verallgemeinerung

Es scheint als hätte das SchuelerVZ den Markt der Social Networks für Schüler bereits jetzt entscheidend für sich gewonnen. Allerdings bleibt abzuwarten ob es einigen Netzwerken durch Differenzierung nicht doch gelingt dauerhaft bestehen zu bleiben. Zudem wäre es aufgrund der geringen überregionalen Vernetzung der Schüler durchaus denkbar, dass sich einige “Local Player” herausbilden. Die Entwicklung der Schüler-Netzwerke bleibt daher spannend, zumal einige der gewonnen Erkenntnisse auch auf anderen Märkten Bestand haben.

Welche Erfahrungen lassen sich also von den Schüler-Netzwerken abstrahieren und möglicherweise für eigene Gründungspläne verwenden?

1. Konkurrenz antizipieren! (Sollte eigentlich selbstverständlich sein)

Der (gedankliche) Weg vom Studenten-Netzwerk zum Schüler-Netzwerk ist nicht allzu weit. Hinzukommt, dass der Aufbau einer derartigen Plattform relativ günstig ist und wenig spezifisches Wissen vorraussetzt.
Mit zahlreichen anderen Markteintritten muß in solchen Fällen immer gerechnet werden.
Ein eigener Markteintritt lohnt sich dann nur wenn das eigene Team:

a) deutlich! früher auf dem Markt als die Wettbewerber ist
b) kompetenter ist (Vorsicht, das behaupten meistens alle von sich ;-) )
c) Ressourcen hat die anderen fehlen (z.B. die 2 Millionen Nutzer des StudiVZ)
2. Die Konkurrenz um die heißen Copycats im Internet wird größer

Ein interessanter Aspekt, der in einem anderen Zusammenhang auch im Interview von Oliver Jung betont wurde: Während das StudiVZ noch mit 2 Wettbewerbern (studylounge.de und unister.de) zu kämpfen hatte, sind es bei den Schülern bereits mehr als 6. Das Geschäftsmodell von Twitter wurde fast gleichzeitig von mindestens 7 Copycats imitiert wie beispielsweise Andreas erheitert berichtet…

Langfristig könnten eigenständigere Ideen daher wieder chancenreicher werden, als Adaptionen bei denen nur sehr wenige und naheliegende Faktoren (Studenten –> Schüler/ bzw. USA –> Deutschland) variiert werden.

Welche Erfolgsfaktoren und Erfahrungen lassen sich sonst noch aus der Entwicklung der Schüler-Netzwerke ableiten? Ich bin gespannt und freue mich auf Kommentare…

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12 Kommentare »

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  • upingel

    Zuerst einmal kann man exemplarisch an der Entwicklung der Schülernetzwerke für alle Social Networks sehen, dass es mehr bedarf als einer reinen adaption von facebook (studiVZ) auf diverse andere Segmente der Gesellschaft.

    Interessant ist auch, daß monetäre Anreize für neue Mitglieder (Kopfgelder, IPods) wie es schuelerprofile (unister) praktiziert hatte und hat? anscheinend nicht wirklich erfolgreich waren.
    Obwohl ich bei schuelerprofile schon eine engere Zielgruppe als bei schuelerVZ sehe. Die Profile bei schuelerprofile sprechen da eine eindeutige Sprache, hier scheint sich das RTL2 Publikum zu versammeln und die scheinen schon alle einen IPod zu haben :-)

    Unister oder auch Unddu.de scheinen es trotz “professioneller” Strukturen nicht zu schaffen sich auf Ihrem Markt durchzusetzen. Die Produkte und die Teams erzählen keine “gute Geschichte” und werden daher von Multiplikatoren wie z.b. Bloggern nicht weitergetragen.

    Der Markt der Schueler ist viel größer als der der Studenten, daher sehe ich erstmal noch reichlich Platz zum wachsen . Meiner Meinung nach wird schueler.cc noch eine größere Rolle spielen, mir gefällt einfach der Style und die Qualität der Profile scheint auch sehr gut zu sein. In diesem Sinne, mögen die Kämpfe in die nächste Runde gehen.

  • Chris

    Sehr guter Artikel, nur leider stimmen die Zahlen absolut nicht…

    SchuelerVZ hat sämtliche Clones gnadenlos abgehängt. Dies war von Anfang an absolut klar und dementsprechend war es ziemlich unsinnig, noch was zu starten.

    Zu den Zahlen, die gerade von den kleineren wirklich wahnsinnig übertrieben wurden:

    SchuelerVZ.net : 450000 User /+ 7000 pro Tag

    Ich hörte aus erster Hand, es wären 350k und 5000 Anmeldungen am Tag, kann es aber nicht überprüfen.

    Schuelerprofile.de : 200000 User / keine Angabe zum Wachstum

    200k stimmt, Aktivität ist leider schwindend gering.

    Spickmich.de : 70000 User / ~ + 1000 pro Tag

    Glatt gelogen, man ist bei 30k. Jeder, der mit PHP umgehen kann, wird dies nach kurzer Betrachtung der Seite merken… Stichwort IDs. Zu den Wachstumszahlen: Tagträume nennt man das. Aktivität ist ebenfalls äußerst gering, da (vom Rating der Lehrer abgesehen) keinerlei Vorteil gegenüber dem SchuelerVZ. Da SchuelerVZ das größere Netzwerk bzw. mehr User hat, ist es dort deutlich attraktiver und die Aktivität spielt sich da ab. Spickmich ist nett gestartet, aber hat nicht weit genug gedacht. Kandidat für den Death-Pool.

    Schueler.cc: 70000 User / keine Angaben zum Wachstum

    Gleiches Problem. Aktivität schwindend gering, da SchuelerVZ attraktiver bzw. mehr User. Die 70k sind ebenfalls Traumzahlen, da die Anmeldungen im sehr niedrigen 3-stelligen Bereich liegen. Wie man da 70k User geschafft haben soll, entbehrt jeglicher Logik.

    SchuelerRG.de : 30000 User / “geringes Wachstum”

    Gründer irgendwie cool. Haben es leider, trotz “guter” Chance nicht geschafft, das Produkt deutschlandweit zu vertreiben und entwickeln jetzt, wie ich hörte, schon etwas neues.

    Man kann also sagen: Keine dieser Communities wird Erfolg haben, da sie sich entweder gar nicht oder nur viel zu gering vom SchuelerVZ unterscheiden. Da SchuelerVZ schon einen Großteil der Leute eingesammelt hat, warum soll ich als User woanders hingehen, wo weniger los ist aber das gleiche geboten wird?

    Ich bin kein Sympathisant vom SchuelerVZ, ganz im Gegenteil, aber man muss halt einfach der Wahrheit mal ins Gesicht schauen :-) Und da helfen die Traumzahlen bzw. gefälschten Statistiken der kleineren Mitbewerber auch nichts.

  • Andreas Dittes

    interessant, eine solche gegenüberstellung mit alexa-daten zu social networks für schüler wollte ich auch mal machen. du du dies schon gemacht hast, kann ich mich wieder voll den twitterklonen widmen… :D

    aber zum thema: interessant fand ich auch, dass es im gegensatz zu den anderen portalen im schülervz wohl den höchsten anteil an studenten gibt. dies kommt eben durch die werbung im studivz.

    ich denke auch, dass das jetzt weitgehend gelaufen ist, da das schülervz eine masse erreicht hat, die es der konkurrenz schwer macht, am ball zu bleiben. bedenken muss man hier auch, dass das schülervz noch invite-only ist während die anderen netzwerke offen sind.

  • jan

    @ Chris: Danke für Deine Sicht der Zahlen. Bei den Eigen-Angaben sind sicherlich immer Zweifel angebracht. Deshalb habe ich die ja auch nur unkommentiert ergänzend zur Verfügung gestellt und mich bei der Analyse auf Alexa konzentriert, wo zumindest die Tendenz stimmen sollte…

    P.S. Wäre schön wenn Du auch nicht PHPlern noch näher erläutern könntest, wie Du auf Deine Zahlen gekommen bist.

  • Chris

    Hi Jan,

    sei mir nicht böse, ich möchte nicht die Schwachstellen der Netzwerke hier aufdecken. Die Lücken könnten andere Leute auch für andere Dinge ausnutzen, also möchte ich es nicht veröffentlichen.

    Das die selbst veröffentlichten Zahlen gefälscht sind, ist wahrscheinlich sowieso jedem klar gewesen.

    Das große Problem, was alle diese Communities haben, ist die Aktivität. Sie bieten das Gleiche wie SchuelerVZ, nur ist das SchuelerVZ unvergleichbar größer. Und eigentlich sollte das jedem Gründer klar sein: Was soll ich als User bei euch? Was gebt ihr mir, was ich bei SchuelerVZ nicht habe? Keiner wird eine vernünftige Antwort geben können außer Spickmich mit dem Lehrer Rating, was aber nach einem Login auch langweilig ist.

    Das Thema klassische Schüler Plattform in Deutschland ist gegessen. SchuelerVZ hat den Pokal geholt und wird nicht mehr aufhaltbar sein. Anders sieht es bei Plattformen wie JoinR oder Bloomstreet aus. Ist zwar die gleiche Zielgruppe aber ein anderes Konzept und ich bin der Meinung, dass die Kiddies bei 2 Netzwerken aktiv sein werden. SchuelerVZ zum Nachrichten schreiben und Kontakt mit Schulfreunden. JoinR/Bloomstreet zum neue Leute kennenlernen und selbst präsentieren.

  • nils

    @Chris:

    schuelerVZ hat 490k Nutzer. Wachstum ist immer schwierig, weil man nie weiß was x Nutzer pro Tag bedeutet. Ist es das Maximum einer Woche? Ein beliebiger Wert aus der letzten Woche? Durchschnittswert der letzten sieben Tage? Aber zwischen 6000 und 8000 sind realistisch. Spielt am Ende auch keine Rolle ob 4000 oder 8000.

  • Luis

    Interessante Analyse nur leider zweifel ich sehr stark an den Alexa Zahlen.
    Wir haben in einem kleinen Experiment mit weniger als 10 Leuten mal die Alexa Zahlen durch Nutzen der Alexa Toolbar extrem beeinflußen können. Dementsprechend sind solche Zahlen immer mit Vorsicht zu genießen.

  • Sebastian

    Ich bin einer der Mitentwickler von meetschool.eu, noch eines Schüler Netzwerkes. Wir fingen im Januar an zu entwickeln und brachten Mitte April eine erste Version online.

    Zur Zeit bieten wir in etwa die gleichen Funktionen an wie schülerVZ und andere. Aber wir haben bereits Kontakte mit einer englischen Firma geknüpft, um eine Funktion anbieten zu können, die es so in noch keinem anderen Netzwerk gibt – kostenlose und legale Musik.

    Wir sind derzeit noch dabei, unsere Plattform weiter zu entwickeln und es gibt fast wöchentlich Updates. Interessierte können sich ja mal bei uns registrieren und sich umschauen ;)

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