33 schmutzige Fakten über Startups

Die Eigenarten der Hauptstadtgründer

Berlin als Startup-Stadt boomt und hat eine breite Aufmerksamkeit durch Investoren, Politiker und Medien erfahren. Zu verdanken ist dies unterschiedlichen Standortfaktoren wie etwa den günstigen Unterhaltungskosten, der Anbindung zahlreicher Universitäten, der Verfügbarkeit von Kapital oder einer günstigen Zeitzone.

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Doch Berlin, dessen Gründerszene von Außenstehenden gerne scherzhaft als „Berliner Mafia“ bezeichnet wird, hat auch seine dunklen Geheimnisse, schrägen Eigenarten und schmutzigen Fakten. Wer sich einmal durch den Dschungel der Hauptstadt bewegt hat, lernt schnell seine Eigenheiten kennen und erkennt vielleicht einige der folgenden 30 schmutzigen Fakten über Berliner Startups wieder.

Von Anglizismen, E-Mail-Wahn und Jobtiteln

All jene, die etwa mit dem Gedanken an eine Anstellung oder Tätigkeit in der Startupszene mit all ihrer Flexibilität und Kreativität – wofür wir sie ja letztlich alle so schätzen – nachdenken, täten also gut daran, auch diese Punkte mit zu berücksichtigen. Von bereits begeisterten Anhängern ist eine gewisse Portion Selbstironie dabei nicht nur erlaubt, sondern unbedingt erwünscht :-).

Berliner Startups…

  1. …speaken gerne in fancy Anglizismen, weil sie zu lazy zum Nachdenken sind und ihre Language als sozialen Code nutzen. Sie haben kein Büro, sondern ein Office, machen keine Anrufe, sondern Calls und sammeln auch kein Geld ein, sondern betreiben Fundraising. Darüber hinaus zählen diese Begriffe zu ihrem Standard-Repertoire und das zu den verbalen Eigenarten.
  1. …bemessen ihr Gegenüber stets daran, wie viel Umsatz es macht, wer sein Investor ist und wie viele Mitarbeiter es hat. Das ist ja auch alles was zählt.
  1. …verbringen zirka 40 bis 60 Prozent ihrer Zeit auf Events und in Clubs. Andere nennen es Party machen, Berliner Startups sagen „Netzwerken“ dazu.
  1. …verwenden noch mal zirka 30 Prozent ihrer Zeit dafür, mit „Geschäftspartnern“ in Mitte „lunchen“ zu gehen. Der Rest der Zeit wird dann sogar gearbeitet.
  1. …organisieren sich gerne in Cliquen und wer einem Lager angehört, verscherzt es sich schnell mit anderen.
  1. …verkaufen eine Finanzierungsrunde über 150.000 Euro schnell mal als „hoch sechsstellig“.
  1. …hängen entweder im Beta-Haus, dem Sankt Oberholtz oder dem Soho House ab, um eine Mate trinken zu können und dazu zu gehören.
  1. …kennen oft den Unterschied zwischen einer Geschäftsidee und einem Geschäftsmodell nicht – und ja, es gibt einen.
  1. …brauchen aber auch kein Geschäftsmodell, weil sie erstmal viral werden und dann herausfinden, wie ihr Startup funktioniert – wie in dem Facebook-Film.
  1. …machen sich erst über ihre Pressearbeit Gedanken, dann über’s Geldverdienen (schließlich wollen sie ja viral werden).
  1. …pitchen vor einem Investor stets mit den Worten „Unsere Idee ist wie…“, zum Beispiel „Unsere Mobile App ist wie SoundCloud – nur ohne die Musik. Und ohne das Cloud, dafür aber mit einem Gamification-Ansatz wie bei Wooga. Ach, und wir werden viral gehen.“
  1. …wollen unbedingt von TechCrunch Europe gefeatured werden, weil sie sich so die Aufmerksamkeit von US-Investoren erhoffen. Oder zur Not von Ashton Kutcher. Der ist Schauspieler. Und hat Geld. Und ist so cool.
  1. …operieren zu Beginn gerne im „Stealth-Mode“, weil das die eigene Gründung mysteriöser erscheinen lässt und die panische Angst vorm Kopiertwerden senkt. Obwohl eigentlich alle wissen, dass es einfach nur albern ist.
  1. …wurden mit großer Wahrscheinlichkeit schon mindestens einmal in ihrem Leben von Oliver Samwer angeschrien.
  1. …hatten – wenn sie in den 2000er Jahren gegründet wurden – entweder Lukasz Gadowski, die Samwers oder Holtzbrinck Ventures als Investor – ja, ja, Berlin ist ein Dorf. Zumindest früher.
  1. …machen entweder eine coole App (weil das Ashton gefallen könnte) oder ein Copycat (weil dieser aggressive Typ mit dem Blitzkrieg dadurch schon voll viel Geld verdient hat).
  1. …bezahlen ihren Mitarbeitern gerne wenig Geld, weil sie es sich durch den ausgeprägten Wettbewerb erlauben können.
  1. …übertragen Praktikanten mehr Verantwortung als ihrer Führungsebene und lassen sie ihr Praktikantenzeugnis selbst schreiben.
  1. …sind entweder wirtschaftlich erfolgreich oder überall in der Presse. Beides zusammen eigentlich nie.
  1. …arbeiten gerne viel und lange, weil man das in Berlin machen muss, um dazu zu gehören. Wer um 18.00 Uhr gehen will, wird gefragt, ob er gerade Mittagspause macht. Burnout ist kein Must-have, kann aber helfen.
  1. …verteilen Job-Titel, als wären es Bonbons.
  1. …würden sich für eine Empfehlung beim Soho House prostituieren – warum auch nicht. Ashton würde das bestimmt auch machen, wenn er nicht schon reich und ein Star wäre.
  1. …lästern gerne anonym in den Kommentarbereichen der einschlägigen Blogs ab, weil sie das nach dem Netzwerken und Viralwerden am besten können.
  1. …sehen es als verpönt an, keinen Investor zu haben. Kein Investor? Wie uncool ist das denn bitte?
  1. …sind der Inbegriff von Improvisation: Prozesse sind ein Fremdwort, Vorlagen existieren entweder gar nicht oder gleich mehrfach (weil auch die interne Kommunikation improvisiert ist) und das einzige bisschen Ordnung, das vorherrscht, wird von den Praktikanten geschaffen.
  1. …geraten nach einer durchzechten Nacht im Cookies, Watergate oder Berghain (Remember? Networken!) regelmäßig in Diskussionen mit den Mitte-Dirnen über den Zusammenhang von Cashflow und Profitabilität. Und ratet mal, wer am Ende recht behält?
  1. …haben ihr Büro je nach Finanzierungsgrad, Hippness-Faktor und Ausgaben-Mentalität entweder in Mitte oder Kreuzberg – dazwischen gibt es wenig, man hat ja einen Ruf zu verlieren. Dafür pferchen sie stets mehr Mitarbeiter in einen Raum, als für alle Beteiligten gesund ist.
  1. …greifen für jeden Unsinn zur E-Mail und schreiben ihr Anliegen gerne nur in die Betreffzeile, während sie auf Grußformeln meist völlig verzichten.
  1. …haben den meisten Management-Aufwand mit ihren externen Dienstleistern, nicht mit ihrem eigenen Team: PR, Online-Marketing und IT wollen gemanagt werden (in exakt der Reihenfolge).
  1. …peitschen ihre Sales-Mitarbeiter und pampern ihre Entwickler. Auch wenn erstere das Geld reinholen und zweitere eher verschlingen, sind Techies einfach schwerer zu bekommen.

Ihr kennt noch mehr schmutzige Fakten über die Berliner Startup-Szene? Teilt sie in den Kommentaren!

 

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