Swoopo, Penny-Auctions, Live-Shopping, Entertainment-Shopping

Nach Groupon CityDeal, das auch gerade einen nicht unbeträchtlichen Teil seiner Mitarbeiter entlassen hat, machten gestern auch Artikel über Swoopo (www.swoopo.de) die Runde. Das Unternehmen aus München bietet eine besondere Form des Live-Shoppings und glaubt man den von Deutsche Startups zitierten Gerüchten, mussten 25 Prozent der Mitarbeiter des Unternehmens gehen, darunter auch viele Führungskräfte.

Swoopo bietet ein so genanntes Entertainment-Auktionsverfahren: Durch jedes abgegebene Gebot steigt der Preis des Produktes um einen Betrag, der niedriger liegt, als der Preis für das Gebot und die Auktionszeit verlängert sich automatisch um bis zu 20 Sekunden. Der letztbietende Teilnehmer erhält den Zuschlag. Im Gegensatz zum immens schnell gewachsenen Groupon CityDeal dürften die Gründe für die Swoopo-Entlassungsaktion anders gelagert sein. Exciting Commerce mahnt an, dass bereits zwei Geschäftsführer ihren Hut nehmen mussten und nun auch die langjährige Finanzchefin Iris Ostermaier zu 1-2-3.tv abgewandert ist. Und als wäre der personelle Abbau nicht schon Indiz für eine kleine Krise, hat Swoopo sich kürzlich wieder aus Südkorea zurückgezogen.

Zeitgleich zieht es mit MadBid.com (www.madbid.com) einen starken ausländischen Player auf den deutschen Markt. Das vor zwei Jahren von Juha Koski gegründete Unternehmen erhielt gerade von Atomico Ventures imposante vier Millionen Pfund und wird nun auch aktiv den deutschen Markt angehen. Harte Zeiten stehen also für Swoopo an, bei dem es augenscheinlich schon jetzt nicht rund läuft. Grund genug, dass Gründerszene einmal die fünf wesentlichen Probleme von Swoopo betrachtet.

Image-Problem: Swoopo gilt als Abzocke und Glücksspiel

Schon seit Beginn seiner Tätigkeit hat Swoopo hart mit dem Vorwurf der Abzocke von Nutzern zu kämpfen. Das Netz ist voll von negativen Usermeinungen und stets fallen Begriffe wie “Abzocke”, “Betrug” oder “Glücksspiel”. Einem Swoopo-Artikel bei Coding Horror schließen sich insgesamt zirka 60 DIN A4-Seiten Kommentare an. Gründerszene bereitete diese Thematik in einem separaten Artikel zum Geschäftsmodell von Swoopo auf und auch hier häuften sich kritische Kommentare.

Auch wenn die Swoopo-Führungsriege stets betont, dass es sich beim Swoopo-Prinzip ja nicht um Glücksspiel handele, weil kein Zufall im Spiel sei, sondern die User es selbst in der Hand hätten, wer eine Auktion gewinnt, kommt diese Botschaft nicht so recht bei den Nutzern an. Immer wieder spekulieren frustrierte Kunden, ob Swoopo Bots oder Mitarbeiter bei seinen Auktionen mitbieten lässt, so dass Artikel nicht unter dem Einkaufspreis den Besitzer wechseln. Swoopo würde ungemerkt amerikanische und britische Bieter gegeneinander antreten lassen, um ein Rund-um-die-Uhr-Bieten anzuregen, moserten Andere. Der frühere Geschäftsführer Gunnar Piening negierte solche und andere Vorwürfe stets deutlich: „Angebote künstlich in die Höhe zu treiben ist Betrug und kriminelle Machenschaften zählen definitiv nicht zu unseren Geschäftspraktiken“, versicherte Piening im letzten August. Dass man amerikanische und britische Bieter “gegeneinander antreten” lässt, galt damals hingegen als korrekt.

Reagiert wurde auf diese Vorwürfe mit der Einführung eines Sofortkaufs: Jene Nutzer, die nicht zu den Letztbietenden gehören, können mit dem Sofortkauf das von ihnen eingesetzte Geld nutzen, um das Produkt zu einem Festpreis dennoch zu erstehen. Sie zahlen einen vordefinierten Preis abzüglich der Summe, die sie bei der Auktion in Geboten bereits eingesetzt haben. Geholfen hat dies anscheinend nur bedingt.

Geringe Nutzertreue: User kehren selten zu Swoopo zurück

Ein zentrales Problem von Swoopo und anderen Penny-Auctions-Seiten ist der Umstand, dass die Nutzer solcher Geschäftsmodelle nur selten zurückkehren. Die Kundenbindung gelingt häufig nur in überschaubarem Maße und als Swoopo-Klon DealStreet Insolvenz anmelden musste, galt dies auch als einer der zentralen Gründe für das Scheitern von DealStreet. Mit Tagesangeboten, Facebook-Anbindung und prominenten Angeboten versucht Swoopo, die eigene Seite Nutzern schmackhaft zu machen und dennoch scheint es nicht nachhaltig zu gelingen, Nutzer zu einer Wiederkehr zu bewegen.

Illegale Konkurrenz: Ausländische Swoopo-Klone biegen das Gesetz

Problematisch sind für Swoopo vor allem ausländische Anbieter, die das Penny-Auctions-Modell kopieren, dabei aber an andere Gesetzgebungen gebunden sind oder sich sogar der deutschen Rechtsprechung aktiv wiedersetzen. Neben der geringen Rückkehrquote war es vor allem diese “schmutzige Konkurrenz”, die auch DealStreet in die Knie gezwungen hat. Wird auf einem begrenzten Markt mit Nutzern, die keine hohe Kundentreue aufweisen, gegen diese Art von Konkurrenz gearbeitet, ist es schwer zu überleben. Auch Swoopo dürfte vor diesen Problemen stehen.

Desinteresse: Investoren mögen Swoopo lieber als die Nutzer

Insbesondere Investoren schätzen Swoopo für sein zugegebenermaßen innovatives Geschäftsmodell, mit dem das Unternehmen aus München als Auslöser des weltweiten Penny-Auction-Booms gilt. Doch im Gegensatz zu den Investoren wird Swoopos Geschäftsmodell von den Nutzern aufgrund der genannten Probleme weniger euphorisch aufgenommen. Durch seine hohen Lagerkosten hat Swoopo jedoch einen nicht unerheblichen Kapitalaufwand und wird viele Aktionen auch vorfinanzieren müssen, weshalb man auf Investoren angewiesen ist. Bleibt jedoch die Traction bei den Nutzern aus, ist auch der wohlwollensten Investor schnell angefressen.

Verdrehte Kaufpsychologie: Sollte Swoopo auf fallende Preise setzen?

Jochen Krisch von Exciting Commerce merkt an, dass die Psychologie hinter Swoopo zum Teil auch dem menschlichen Naturell, Schnäppchen zu favorisieren, zuwider läuft. Anstelle von Preisen, die ansteigen, reagieren viele Nutzer besser auf sinkende Preise, da diese die Illusion eines Schnäppchens eher kommunizieren und so besser mit den Kaufwünschen der Onlinenutzer zusammenlaufen. Das Modell sinkender Preise kommt jedoch bei Investoren häufig weniger gut an, sodass sich Swoopo im Kräftefeld von Nutzer- und Investorenbedürfnissen befindet.