joel-kaczmarek

Als Magazin im Bereich der Internet-StartUps bin ich natürlich des öfteren mit jungen Gründern, bekannten Köpfen der Szene oder allgemein mit Konferenzpublikum in Berührung. Und häufig werden mir die gleichen Fragen in Bezug auf unser Magazin gestellt. Ich muss dann meistens schmunzeln und gebe geduldig dieselbe Antwort, die ich in diesen Fällen immer gebe. Aber weil einige Themen scheinbar einen Großteil der Nutzerschaft interessieren, habe ich mir einmal die Zeit genommen und diese Fragen hier in Kürze beantwortet. Wer sie mir dann demnächst dennoch mal wieder stellt, wird vielleicht mit einem kalten Getränk zur Kasse gebeten oder so ;-).

Ist „Deutsche Startups“ eure Konkurrenz? Mögt ihr euch nicht?

Deutsche StartupsDoch wir mögen uns auf jeden Fall und unterstützen uns auch gegenseitig. Alexander Hüsing und ich sind uns eigentlich einig darin, dass wir Wettbewerber und keine Konkurrenten sind. Er hilft mir ab und an mit Tipps und Ratschlägen aus und auch ich lasse ihm Hilfestellungen angedeihen, wenn es mir möglich ist. Wir haben das Glück, dass wir ein Produkt anbieten, das es ermöglicht, dass zwei Anbieter parallel existieren und sich dennoch nicht die Nutzer streitig machen. Die meisten Leser lesen uns beide und überhaupt sehe ich den Fokus unserer Magazine zum Teil anders, sodass wir uns gut ergänzen. Dass man trotzdem unter Druck gerät, wenn der andere plötzlich nur noch Top-Artikel hat, versteht sich von selbst ;-).

Wodurch monetarisiert ihr euch?

monetarisierungSponsoring. Schlicht und einfach. Unsere Sponsoren können sich für eine bestimmte Zielgruppe branden und erhalten Klicks. Natürlich entwickeln wir auch stetig neue Inhalte, die sich monetarisieren lassen und nicht nur unsere Arbeit finanzieren, sondern gleichzeitig den Lesern einen attraktiven Service ermöglichen. Das Gründerszene Education Programm, das wir mit Florian B. Mücks Speaking is Passion gestartet haben, ist etwa ein Beispiel dafür. Der Kurs erfordert eine kleine Gebühr, die wir uns teilen. Ich habe Flos Seminar selbst mitgemacht und finde es hervorragend. Und von dieser Art wird es demnächst sicher noch mehr geben. Was wir hingegen nicht machen, sind bezahlte Inhalte. Alle unsere Artikel sind selbst recherchiert und werden unabhängig von den Befindlichkeiten Externer gepostet. Ich finde es ein Unding, wenn man sich für Artikel bezahlen lässt und dies womöglich nicht einmal anzeigt. Die aktuelle Debatte gibt uns da wohl auch Recht. Dennoch hat es auch seinen Preis, wenn man immer seine Meinung sagt und auch mal polarisierende Äußerungen trifft. Aber den sind wir gerne bereit zu zahlen und wir freuen uns, dass unser Investor uns dabei selbstkritisch unterstützt und die Community dies trägt.

Was wollt ihr mit Gründerszene eigentlich erreichen?

zieleAch das klingt immer so hochtrabend. Aber natürlich gibt es ganz klare Zielsetzungen und auch Ansprüche, die ich an uns stelle. Ich plane uns zum führenden Magazin zum Thema Online-Gründungen auszubauen. Thematisch möchten wir jungen Gründern das Handwerkszeug an die Hand geben, sich selbstständig zu machen und erfahrene Hasen wollen wir mit den relevanten News der Szene versorgen. Für die Novizen soll es also Starthilfe geben, für die Profis tagesaktuelle Informationsdichte. Natürlich nicht in dieser strikten Zuordnung, aber vom Prinzip her.

Was uns außerdem ungemein wichtig für unser Magazin ist, sind der kritische Blick und die totale Transparenz. Zu viele der Inhalte die andere schreiben sind mir zu weich gewaschen. PR-Texte und Bla Bla, von dem eigentlich jeder weiß, dass es aufgebauschte Schönfärberei ist. Wir wollen versuchen, die Dinge so zu beleuchten, wie sie wirklich sind und nicht wie andere sie gerne dargestellt hätten. Vieles geschieht hinter den Kulissen, von dem die breite Masse nicht mal ansatzweise eine Ahnung hat. Wir möchten Transparenz in der Szene schaffen und uns auch daran messen lassen. Auch wir müssen da noch das Eine oder Andere lernen, aber ich denke wir sind auf einem guten Weg und haben die Roadmap auch für alle klar gemacht.

Basht ihr bewusst nur die Samwers und lobt die Sachen von Team Europe Ventures?

samwers1Ich höre das des öfteren. Böse Zungen munkeln schon, wir würden zur „Samwerszene“. Dem ist nicht so, aber die drei Jungs sind einfach so ungemein umtriebig, dass sie sehr viel Themenstoff bieten. Und gerade wenn es um das Thema der oben angesprochenen Transparenz geht, kommt man an bestimmten Namen einfach nicht vorbei. Ausgewogene Berichterstattung ist ein unbedingter Qualitätsanspruch von uns, auch wenn vieles aufgrund der Marktaktivitäten einseitig erscheinen mag.

Was die Companies von Team Europe angeht, bemühen wir uns um einen objektiven Blick, der auch kritische Töne anstößt. Wenn man eng mit Menschen zusammenarbeitet und viele Dinge im Vertrauen erfährt, findet man sich natürlich dennoch oft in einem Dilemma wider. Wir versuchen dieses dennoch so gut es geht transparent und objektiv anzugehen – und daran wollen wir uns ebenfalls messen lassen. Bei der Vielfalt der Berichterstattung sehe ich dennoch die größten Potentiale für uns. So TEV-schönfärberisch wie uns manche sehen, empfinde ich uns aber nicht.

In welchem Maße beeinflusst Team Europe Ventures eure Inhalte?

tevWesentlich weniger als die meisten denken. Unsere Artikel werden nicht gegengelesen und es gibt auch keine Zensur oder etwas vergleichbares. Die zuletzt kritischen Töne gegen Spreadshirt haben den Willen dazu glaube ich auch bekräftigt. Ich werde häufig gefragt, ob wir nur ein strategisches Asset von Lukasz und den Jungs seien, was durchaus auch eine verständliche Frage ist, wenn man sich die Entstehungsgeschichte von Gründerszene ansieht. Viele denken, wir würden bestimmte Themen aus Rücksicht auf unseren Investor nicht bringen, aber das Gegenteil ist oft der Fall. Solange man sachlich und neutral die Dinge betrachtet, ist jedem Beteiligten gedient. Es ist schön, dass Team Europe mein Anliegen nach Transparenz mit trägt. Dennoch gibt es natürlich auch Themen, bei denen man sich abstimmen muss, um den StartUps nicht durch Missverständnisse o.ä. zu schaden. Dieses Vorgehen vollziehen wir bei Portfolio-externen Unternehmen aber genauso. Ansonsten hat Kolja in seinem Blog dazu auch kürzlich etwas aus seiner Perspektive verfasst.

Wie kommen eure Captables unter den ganzen Artikel an – gibt es Stress?

captableSehr gut und überraschend unkritisiert! Ich höre immer öfter positives Feedback von Leuten, die für die Transparenz in der Szene dankbar sind. Und dies nicht nur von jungen Gründern, sondern auch von Investoren. Ich hätte anfangs gedacht, dass es viel größere Zankereien und häufiger Gemosere gibt. Aber scheinbar haben auch andere erkannt, dass die Zeiten geheimnisvollen Gemauschels vorbei sind. Uns ist die transparente Darstellung der Szene eines der wichtigsten Anliegen und in dieser Richtung haben wir deshalb ja auch die Datenbank konzipiert. Da war das Feedback zu 99 Prozent überwältigend positiv, 1 Prozent musste sich an den Gedanken erst gewöhnen. Es hat mich sehr gefreut, dass dieser Schritt so offen angenommen wurde.