6wunderkinder microsoft exit reaktionen

Noch immer fehlt zwar eine offizielle Bestätigung – aber das Ding scheint durch zu sein: Der US-Softwarekonzern Microsoft übernimmt das Berliner Startup 6Wunderkinder, das Unternehmen hinter der To-Do-App Wunderlist, für eine Summe zwischen 100 und 200 Millionen US-Dollar.

Was bedeutet das? Schade, dass eines der ambitioniertesten Digitalunternehmen der Stadt damit seine Unabhängigkeit verliert? Oder eher: Toll, was für einen Exit Christian Reber und seine Mitgründer da hingelegt haben? Die Szene ist sich nicht einig. Wir dokumentieren die Debatte.

Da ist einmal die Nutzersicht: Viele Wunderlist-Fans äußern die Befürchtung, der Deal könne dem Produkt schaden.

Andere Beobachter gehen der Frage nach, was Microsoft von dem Zukauf hat.

Bei t3n ist Daniel Hüfner überzeugt:

„Eine Menge Geld für eine augenscheinlich nicht mehr als hübsch gestaltete To-do-App. Die aber passt hervorragend in die von Microsoft propagierte Neuausrichtung. [...] Mit Wunderlist  wird das ‘magische Dreieck’ – bestehend aus einer bewährten E-Mail-, Kalender- und To-do-Anwendung – jetzt vorerst komplettiert.“

Auch VC Paul Jozefak lobt: Smart move!

Was passiert mit Wunderlist nach der Akquisition? t3n sieht drei mögliche Szenarien. Erste Option:

„Microsoft verzichtet vorerst auf eine Verzahnung des Windows-Ökosystems mit Wunderlist.“

Zweitens denkbar:

„Microsoft verleibt sich die Technologie und das berüchtigte Design-Team ein und veröffentlicht einfach eine ganz neue To-do-Anwendung unter eigenem Namen.“

Oder, dritte Möglichkeit:

„Microsoft fährt eine Mischstrategie und integriert Wunderlist nach dem Vorbild von Skype eng mit Hausdiensten wie Outlook oder OneNote.“

Dann ist da die Frage nach den Motiven der Wunderlist-Macher.

 

Solche Nörgeleien bringen bei Deutsche Startups Alexander Hüsing auf die Palme.

„Traurig. Da gelingt einem deutschen Startup, dass von sechs jungen Berlinern mit viel Engagement, viel Fleiß und viel Schweiß gegründet wurde, ein richtig grandioser Exit und die erweiterte Startup-Szene des Landes kloppt nur drauf. [...] Dabei könnte diese Übernahme das Berliner Ökosystem (und die Startup-Szene des ganzen Landes) so richtig befeuern, eine Investment-Feuerwerk im deutschen Gründerland auslösen. Große US-Geldgeber wie Sequoia Capital haben nun endlich einen dicken Exit in Deutschland gemacht.“

Aber wie „dick“ ist der Exit wirklich? Robin Wauters schränkt bei Tech.eu ein:

„It doesn’t look like Sequoia is making out like a bandit with this transaction.“

Investor Gil Dibner hat auf seinem Blog ausgerechnet, was für den legendären US-VC nach seinem Serie-B-Investment im Herbst 2013 bei dem Exit herausgesprungen sein dürfte – und welche Summe ein erfolgreiches Portfolio-Unternehmen Sequoia normalerweise bringt.

„To begin to really move the needle for US investors, a company like WunderList would have to exit at $500M which would have generated $93M for Sequoia. At the $1B exit level, WunderList would have generated $187M for Sequia. Still less than half their fund size, but now we’re starting to talk about real money.“

Dibners Fazit: Nett, aber bitte nicht überbewerten!

„But while we celebrate the success of one of our own, let’s also keep our eyes on the real prize (billion dollar exits) – and keep at least one eye on the hard cold math that will ultimately determine the success or failure of Europe as a startup eco-system.“

Neil Murray von The Nordic Web sekundiert:

Was bleibt? Man sollte sich tatsächlich einfach freuen. Mit den Gründern und frühen Investoren der 6Wunderkinder, für die der Exit eine große Sache ist.

Und für die Szene, für die der Deal zwar nicht der größte ist – aber einer mit Signalwirkung allemal, wie Handelsblatt-Korrespondentin Britta Weddeling schreibt.

„Ein großer und wichtiger Schritt hingegen für 6Wunderkinder und Berlin, versucht die deutsche Hauptstadt doch zur internationalen Tech-Szene aufzuschließen. Wenn Microsoft die junge Firma nicht erdrückt, kann das die ganze Szene nach vorn katapultieren.“

Deshalb: Glückwunsch!

 


Übersicht: Die wichtigsten Exits der vergangenen Monate
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Jan Schusts Affiliate Deals übernahm im Februar 2015 den größeren Wettbewerber 100partnerprogramme.de, der bereits im Jahr 2002 von Karsten Windfelder ins Leben gerufen wurde. Künftig vereint die Super Affiliate Network GmbH mit 100partnerprogramme.de, Affiliate-deals.de und Affiliate-People.com drei bekannte Informationsportale unter einem Dach. 100partnerprogramme-Gründer Windfelder soll beratend für alle betriebenen Portale aktiv sein. Im Bild: Affiliate-Deals-Gründer Jan Schust; Quelle: Jan Schust

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