9flats Berlin Entlassungen

9flats entlässt 25 Mitarbeiter in Berlin

Der Hamburger Privatunterkunftvermittler 9flats (www.9flats.com) gibt seinen Berliner Standort auf. 25 Mitarbieter, vorrangig aus dem Marketing und Kundendienst, verlieren dabei ihre Jobs. Wie 9flats-Gründer Stephan Uhrenbacher im Interview mit Gründerszene angab, resultiere die Standortaufgabe aktuell aus den neuen gesetzlichen Änderungen für private Wohnungsvermieter, aber auch aus der wirtschaftlichen Unterlegenheit gegenüber den Wettbewerbern Airbnb und Wimdu.

Am vergangenen Donnerstag war das „Gesetz über das Verbot der Zweckentfremdung von Wohnraum“ vom Berliner Abgeordnetenhaus verabschiedet worden, das einen Missbrauch von Mietwohnungen als Ferienwohnungen verbietet, welcher einen Faktor für die zunehmende Wohnraumverknappung in Berlin darstellen soll. Airbnb hatte darauf Stellungnahmen zweier SPD- beziehungsweise CDU-Parteisprecher veröffentlicht, welche die Sharing Economy als Ausnahme der neuen Regelungen darstellen. Demnach seien gelegentliche Vermietungen privater Wohnungen weiterhin erlaubt.

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Für Stephan Uhrenbacher kommen diese Einräumungen zu spät, zudem seien diese bisher nur mündlich festgehalten und damit nicht gesetzlich gestützt. Investitionsentscheidungen für 9flats seien bereits vor der Gesetzesverabschiedung durch das Parlament getroffen worden. Schon vor Monaten hätte Uhrenbacher aufgrund der Nachricht über das Einreichen des neuen Gesetzes Konsequenzen für den Berliner Standort erwogen, am Freitag nach der Verabschiedung des Zweckentfremdungsgesetzes seien die Entscheidung zur Schließung des Büros dann umgesetzt und die Kündigungen ausgesprochen worden.

Verbotsgesetz nicht alleiniger Grund für Aufgabe des Standorts

Das neue Verbotsgesetz stelle für 9flats, für welches die gewerbliche Vermietung von Wohnräumen den Löwenanteil ausmacht, einen „maximalen Schaden“ dar, so Uhrenbacher. Berlin habe pauschal alles verboten, für ein Vermietungsverbot in bestimmten Berliner Stadtteilen beispielsweise hätte der 9flats-CEO Verständnis gehabt. Im Gespräch mit Gründerszene betont Uhrenbacher aber wiederholt, dass das Verbotsgesetz nicht den alleinigen Ausschlag für die Schließung des Berliner Büros gegeben hätte.

Vielmehr hätte man bereits seit Längerem Konsequenzen aus der harten Wettbewerbssituation mit Wimdu und Airbnb gezogen, aus welcher 9flats laut eigener Einschätzung als schwächster Mitspieler hervorgegangen wäre. „Airbnb ist von den gewerblichen Wohnungsvermietungen in Berlin genauso abhängig wie wir, gibt es jedoch nicht zu. Allerdings trifft den Riesen das Verbotsgesetz auch viel weniger hart als uns, da er in anderen Standorten stärker aufgestellt ist als wir. Für uns stellte Berlin dagegen den wichtigsten Standort dar. Mit 9flats trifft es den kleinsten und verwundbarsten der Wettbewerber.“

Während der US-Privatunterkunftvermittler Airbnb mit 200 Millionen US-Dollar und der Samwer-Konkurrent Wimdu mit 90 Millionen US-Dollar ausgestattet wurden, erhielt 9flats „nur“ eine niedrige zweistellige Millionenfinanzierung – und gibt sich nun aufgrund des auch proportional geringeren Erfolgs zumindest in Berlin gegenüber der Konkurrenz geschlagen. Auch ein zweistelliger Millionenumsatz im laufenden Jahr habe nicht zur Wirtschaftlichkeit des Unternehmens gereicht.

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Die „vielen Steine“, die 9flats Uhrenbacher zufolge in Berlin „in den Weg gelegt worden“ seien, hätten das Startup nun neben den wirtschaftlichen Problemen endgültig zur Aufgabe des Hauptstadtbüros bewegt. Sein Berliner Angebot wird das Unternehmen allerdings im verkleinerten Rahmen der gesetzlichen Ausnahmen weiter betreiben. 9flats wurde 2010 in Hamburg gegründet. Am Hauptstandort bleiben 9flats zirka zehn Mitarbeiter erhalten, welche die Website betreuen.

Bild: 145815 (Anna Leopolder) / PantherMedia