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In regelmäßigen Abständen kehrt sie wieder – Die IFA-Manie, auch „IFAnie“ genannt: Hotels sind ausgebucht, Taxifahrer sind im Dauereinsatz und alle Plakatwände sind rot zugeflastert. Die Zeitschriften sind voll mit IFA-Beilagen und -Artikeln, jeder macht scheinbar auf technisch-modern, als wäre er einem Remake von Metropolis entsprungen und in halb Berlin wird man von einer Frau mit roter Perücke angesprungen, die einen mittlerweile irgendwie verdächtig an die Frau aus den Saturn-Spots erinnert. Es ist IFA, der Deutschen liebste Konsumentenmesse für Technik und Innovationen.

Und da das Internet mehr und mehr ein wichtigeres Thema wird, darf natürlich auch Gründerszene nicht fehlen. Man muss ja am Zahn der Zeit sein und so. Natürlich gilt es auch, die Redaktion für das nächste halbe Jahr mit Kugelschreibern auszustatten. Darum einmal rekapituliert: Warum geht man auf die Internationale Funkausstellung? Was wünscht man(n) sich?

  • Die neueste Technik bestaunen, ausprobieren und auf den Wunschzettel schreiben.
  • Mit attraktiven Messegirls in knappen Outfits schäkern und sich Produktneuerungen erzählen lassen, die einen zwar nicht interessieren, aber von interessanten Gesprächspartnern vorgetragen werden.
  • Lang lebe das Beutelrattentum! Kostenlose Goodies abgreifen, egal ob Kugelschreiber, Gummibärchen oder Schlüsselketten.

Let’s face it: Es ist eine Konsumentenmesse und der Konsument will unterhalten und beschenkt werden. Okay, soweit der Plan. An einem sonnigen Tag geht es los in die Welt der Technik, die bereits am Eingang mit Laser-Lesegeräten beginnt. Viele Hallen sind auch echt flashy! Samsung ist ganz in Nebel gehalten und mysteriös dunkel. Sony bietet ein Technik-Eldorado für erwachsene Kinder, das von eBooks bis zu 3D-Brillen reicht. Panasonic stopft seine Räume mit schicken Viera-Fernsehern voll und die Telekom hat eine Touchwand, die wie ein gigantisches iPhone funktioniert. Wirklich witzig, eine Touchwand zu bedienen, das wäre mal was für die nächste Gründerszene Education. Nett umrahmt durch Trommler und Streetdancer hat das ganze auch einen modernen Flair.

Aber irgendwie stellt sich dennoch der erste Frust mit der Zeit ein. Jede Halle hat VIP-Bereiche, wo nur ausgewählte Besucher reindürfen – VIPs und Händler-Publikum. Okay bitte, dann ist man wohl ein VUP als Konsument. Wäre ja auch noch schöner, wenn man als Konsument auf einer Konsumentenmesse einen kostenlosen Orangensaft bekäme. Standesgemäß liegt die Cola bei drei Euro, was eigentlich nur in Striplokalen noch teurer geht (hat Gründerszene gehört). Beim Durchlaufen der Hallen verspricht dann aber doch ein Stand Besserung, an dem zirka 15 Massageliegen aufgebaut sind. Begeistert und interessiert begibt man sich mit schmerzemden Kreuz in die Reihen, bis man erfährt, dass eine Massage zehn Euro kostet. Naja der Stand will ja auch refinanziert und die Stromkosten gedeckt werden.

Aber hey, es bleiben ja noch die Messegirls und die kostenlosen Kulis. Obwohl, moment mal… Es gibt gar keine Kulis! Und Schlüsselbänder auch nicht. Hier und da mal eine Tüte Gummibärchen, aber bei der Bild am Sonntag sind die Kugelschreiber sogar angebunden. Und die Messegirls löchern einen nur, warum man hier ist, was man sich von der Messe erwartet und welche Routen man anpeilt. Auch nicht so spaßig.

Und wenn dann an den Technikständen doch mehr oder minder nur das aktuelle Equipment der Hersteller zu finden ist, dass man auch bei Amazon durchschauen kann, fühlt man sich als Konsument doch ein wenig, als sei man einen halben Tag durch einen viel zu großen Saturn gelatscht (die rothaarige Frau erinnert uns ja auch schon). Wie durch den Konsumenten bezahlte Werbung, nur dass das eigentlich gewünschte auf sich warten lässt. Warum genau war man nochmal bei der IFA? Profitieren außer dem Veranstalter, Taxifahrern, Ausstellern und Hotels eigentlich auch noch andere? Vielleicht die Konsumenten? Gilt Internet im Fernsehen als „innovativ“? Was kommt nächstes Jahr – Handys mit integrierter Fotokamera?

Das Gründerszene-Fazit: Einiges ist unterhaltsam, aber wirklich geboten wird nicht viel. Gott sei Dank, gibt es den Pressezugang kostenlos. Sonst wäre einem das Trommeln bei der Telekom womöglich entgangen.