Assum Erfahrungsbericht Plug and Play Accelerator

Accelerator muss zum Startup passen

Man kann von der Flut von Accelerators in Berlin halten, was man will: Wenn der Accelerator strategisch zum Geschäftsmodell passt, ist er unbezahlbar. Wenn nicht, sollte man es sich zweimal überlegen und mit Anteilen ruhig geizig sein. Wir sind Teil von Axel Springer Plug and Play und konnten dank unserer Anpassung des Geschäftsmodells vor vier Wochen beide Seiten – einmal mit strategisch passenden Geschäftsmodell, einmal ohne – ganz gut kennenlernen.

Erst einmal kurz zu uns: Wir haben mit Asuum (www.asuum.de) eine kontextuelle Technologie entwickelt, um zu jedem Text passende Produkte anzeigen. Praktisch machen wir so jeden Text shopbar. Wenn ein Nutzer also einen Artikel über das Leben in Paris liest, kann er direkt passende Reiseführer oder Bildbände entdecken. Wenn er den Artikel auf seinem iPhone liest, bekommt er statt Produkten relevante Apps angezeigt. Insgesamt gibt es über 300 Designs, die sich – je nach Relevanz des Matches – anpassen, um bestmöglich zum Kontext zu passen. Verlagen und Seitenbetreibern scheint das ganz gut zu gefallen: Mittlerweile haben wir Kunden wie „Forbes“, „GEO“ oder „Bild der Frau“ und eine Warteschlange von mehr als zwei Monaten.

In Accelerators verhält es sich wie überall anders auch: Überlege dir erst, wie du deinen Kontakten helfen kannst, bevor du sie um Hilfe fragst. Wir monetarisieren das Content-Umfeld von Publishern, ohne dass sie ihre Kunden mit invasiver und unpassender Werbung nerven müssen.

Geschäfsmodell gedreht

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Ganz so einfach war es aber auch nicht, deswegen hier ein kurzer Rückblick. Wir haben uns im Februar kennengelernt und einige Monate an Asuum via Skype gearbeitet, bevor wir nach Berlin gezogen sind. Damals waren wir noch auf B2C ausgerichtet und wollten – wie leider viele andere auch – eine Art Google für Produkte werden, alle Produkte also skalierbar nach Relevanz bewerten und unter einer hübschen Oberfläche zum Entdecken präsentieren. So hübsch, dass wir zwei Wochen nachdem wir eingezogen waren, von einer sehr reichweitenstarken deutschen Website, mit der wir davor in Kontakt standen, fast 1:1 kopiert wurden.

In Engagement- und Conversion-Metriken lagen wir deutlich vor allen Mitbewerbern. Darin, Nutzer auf die Seite zu bringen, nicht. Nach drei sehr intensiven Tagen, langen Gesprächen innerhalb des Accelerators, stand die Entscheidung für den B2B-Schwenk fest. So haben wir es geschafft, durch Verlage und Blogger skalierbaren Traffic zu bekommen und trotzdem unseren Fokus beizubehalten.

Co-Working-Büros nerven

Am Anfang lag der größte Vorteil für uns darin, mit dem Accelerator einen Rahmen für uns vier Gründer und unsere noch sehr junge Firma zu finden. Heute profitieren wir, gerade auch weil wir im Verlagswesen tätig sind, stark von den Kontakten in und außerhalb des Konzerns. Dabei ist für alle Teams sicher überraschend und konzernuntypisch die allgemeine Offenheit innerhalb von Axel Springer und die Bereitschaft, vieles unbürokratisch auszuprobieren und Tests auf den größten europäischen Webseiten einfach freizugeben.

Wahrscheinlich liegt das auch daran, dass wir Teilnehmer der ersten Runde sind und zurzeit jeder im Konzern interessiert ist. Als wir erste Referenzkunden gesucht haben, hat es zwei Tage und ein Telefonat gebraucht, bis wir auf „bildderfrau.de“ und „gofeminin.de“ live gehen konnten.

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Was in der Gründungsphase eher nervig als hilfreich ist, sind mit Sicherheit Co-Working-Büros. Obwohl in manchen Phasen sicher sinnvoll, sind sie es während der Gründung, wenn vieles intensiv diskutiert werden muss, nicht. Mit anderen Startups im selben Haus zu sitzen, ist für die Motivation allerdings unerlässlich. Wir haben uns am Anfang sehr von Workshops und Events ablenken lassen. Hier muss man den richtigen Mix aus allgemeiner Offenheit und Fokus finden, dann ist der Vorteil aber enorm.

Früh internationalisieren

Durch das Joint Venture mit Plug and Play und der daraus resultierenden Möglichkeit, nach San Francisco zu gehen, können wir schon sehr früh internationalisieren. Um zu erfahren, wie es nach dem Programm weiter geht, kann man da einfach ins Portfolio der einzelnen Accelerators schauen und die ehemaligen Teams kontaktieren. Gerade in diesem Punkten unterscheiden sich die Accelerators enorm – sicher ein Grund, dass wir uns für Axel Springer entschieden haben. Zudem sind drei Monate eine enorm kurze Zeit, an deren Ende die Entscheidung steht, ob es weitergeht oder eben nicht.

Acceleratoren helfen schon früh einen professionellen Rahmen aufzubauen. Wie groß die konkreten Vorteile sind, hängt aber sehr davon ab, wie das jeweilige Geschäftsmodell und der Accelerator strategisch zusammenpassen. Wenn es das nicht tut, sollte man Nein sagen können. Wenn es das tut, findet man keinen Ort, seine Idee schneller zu validieren.

Bildquelle: Asuum

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