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Die Gründer von Ackerhelden auf einem ihrer Felder: Birger Brock (links) und Tobias Paulert

Mit den Knien im Dreck

14.000 Pflanzen hat Tobias Paulert in Braunschweig in den dreckigen Acker gesetzt. Stundenlang ist er auf Knien herumgerutscht, damit seine Kunden rechtzeitig zu Saisonstart Salat pflegen und bald auch ernten können. Paulert ist Mitgründer der Ackerhelden, einem Essener Startup, das sich dem Bio-Gemüse-Anbau verschreibt.

Bei Ackerhelden können Hobbygärtner ein kleines Stück Feld mieten und darauf Gemüse ziehen. Der bio-zertifizierte Acker ist zu Saisonbeginn im Mai mit 20 verschiedenen Gemüsesorten vorbepflanzt. Nach der ersten Ernte bekommen die Kunden regelmäßig neues Saatgut. Jeder 40-Quadratmeter-Acker kostet für die Saison 248 Euro, normalerweise teilten ihn sich zwei oder drei Kunden, so Paulert. Er und Mitgründer Birger Brock wollen Menschen wieder näher an das bringen, was sie essen. „Wer nur den Weg vom Supermarkt zum Teller kennt, der versteht nicht, dass Salat nicht 69 Cent kosten sollte. Darüber möchten wir aufklären“, sagt Paulert.

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Unverarbeitet, gesund und, ganz wichtig, bio – das Startup springt wie viele andere auf den Trend der vergangenen Jahre auf. Der Markt für Biolebensmittel hat sich laut Statista seit dem Jahr 2000 mehr als verdreifacht – auf 7,6 Milliarden Euro im Jahr 2013. Ackerhelden scheint davon zu profitieren: Bislang hat die Firma nach eigenen Angaben 2.500 Kunden an 13 Standorten in Deutschland und mindestens drei weitere Bio-Felder sollen dieses Jahr hinzukommen. Pro Tag, so Paulert, meldeten sich im Schnitt 13 Interessenten, die ihre Daten auf der Website hinterließen, damit es bald in ihrer Nähe einen Acker gebe.

So vielversprechend die Idee scheint, neu ist sie nicht: Viele Kommunen bieten Bürgern die Möglichkeit, kleine Gärten oder Felder zu mieten. So führte beispielsweise die Stadt München schon im Jahr 1999 die Münchner Kräutergärten ein. Die sind zwischen 20 und 60 Quadratmeter groß und kosten pro Jahr zwischen 70 und 125 Euro Miete.

Auch der größte Konkurrent von Ackerhelden, das Bonner Startup Meine Ernte, startete bereits im Jahr 2010. Die Gründerinnen Natalie Kirchbaumer und Wanda Ganders verzeichneten damals sechs Standorte und 250 Gärtner. Mittlerweile gibt es Meine Ernte an 27 verschiedenen Standorten. Laut Kirchbaumer werde das Unternehmen in der Saison 2015 etwa 2.700 Gemüsegärten vermieten.

Anleitung zum Ackern

Ackerhelden aber will sich von den Wettbewerbern abheben und setzt dafür „neben strenger Biozertifizierung auf eine Landwirtschaft 3.0“, so CEO Paulert. Neben der Anleitung zum Ackern bekommen die Kunden Zugang zu einer digitalen Community. Dort tauschen sie Tipps aus, organisieren Urlaubsvertretungen und laden Fotos hoch. Die Gründer versenden außerdem Rezepte für die geernteten Zutaten per Mail und einen Newsletter.

Trotz des Bio-Booms ist es dennoch nicht ganz leicht für das Startup, schnell zu expandieren. Der Grund ist laut Paulert: „Die Nachfrage wächst schneller als das Angebot. Bio-Felder kann man nicht herzaubern. In der konventionellen Landwirtschaft werden Böden chemisch-synthetisch gedüngt. Das dauert, bis die Chemie nicht mehr im Boden ist.“

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Für Meine Ernte besteht diese Schwierigkeit so nicht, denn die Firma arbeitet neben Bio-Bauernhöfen auch mit konventionellen Betrieben zusammen. Mitgründerin Natalie Kirchbaumer sagt: „Unsere Gemüsegärten werden jedoch alle ausnahmslos ökologisch bewirtschaftet. Unsere Gärtner verpflichten sich zum Beispiel, keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel einzusetzen.“

Beide Startups finanzieren sich aus eigenen Mitteln. Tobias Paulert von Ackerhelden peilt Ende des Jahres den Break Even an. Er hofft nun, bald Investoren interessieren zu können, denn der Schritt ins Ausland soll folgen. „Bis dahin“, so Paulert, „wird der Gürtel eben etwas enger geschnallt.“

Bild: Ackerhelden