adblock plus kritik

Adblock-Plus-Gründer Till Faida

Mafiöses Verhalten bei Adblock Plus?

Es ist eines der momentanen Aufreger-Themen in der Digitalbranche: Seit vergangenen Mittwoch ist ein Schlagabtausch zwischen dem Tech-Blogger Sascha Pallenberg und den Betreibern des Werbeblockers Adblock Plus, der Eyeo GmbH, entbrannt. Es begann mit einem langen, stilistisch nicht immer ganz sauberen Enthüllungsbericht Pallenbergs auf MobileGeeks, in dem er den Eyeo-Geschäftsführern Till Faida und Wladimir Palant des Aufbaus eines mafiösen Werbenetzwerkes bezichtigte. Der wichtigste Vorwurf: Adblock Plus lasse Werbung von Partnern zu, die im Hintergrund Geld dafür bezahlen. Pallenberg forderte Eyeo unter anderem auf, diese Partner zu benennen.

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Adblock Plus ist ein Browser-Add-On, das nach Angaben der Betreiber über 200 Millionen Mal heruntergeladen wurde. Allein über Firefox sollen rund 15 Millionen Nutzer den Werbeblocker nutzen. Weil sie um ihre Einnahmequellen fürchten, ist das Programm allerdings bei Bloggern, Online-Medien und Verlagen eher unbeliebt.

Das Add-On blockt allerdings nicht jede Werbeanzeige ab. Wer von der Adblock-Community auf die „Acceptable Ads“-Liste gesetzt wird, darf seine Werbung platzieren.

Einer ersten Stellungnahme Faidas folgten später zwei weitere. Palant hat sich ebenso zu Pallenbergs Bericht geäußert, wie auch YieldKit-Gründer Oliver Krohne. Sein Affiliate-Marketing-Tool gehört den Anschuldigungen zufolge zu den von Adblock verschonten Werbeplatzierern.

2. Artikel von Pallenberg belastet Community-Argument

Blogger Pallenberg hat gestern nachgelegt, um Vorwürfe nach einer unsauberen Recherche zu entkräften und neue Details im Fall Adblock Plus zu enthüllen.

Update: Im neuen Artikel von gestern will Pallenberg unter anderem beweisen, dass sich die Adblock-Community, die laut Faida in einem Forum für das Abstimmen über zukünftig nicht-mehr-geblockte Werbung zuständig ist, entweder aus Adblock-Mitarbeitern rekrutiere oder schlicht nicht aktiv sei. Er stellt unter anderem die Zahl von 50 Millionen aktiven Adblock-Usern mit  etwas mehr als 27.000 registrierten Forums-Mitgliedern gegenüber.

Auf die Frage, ob das Community-Konzept überdacht werde, schreibt Faida an Gründerszene: „Wir werden weiterhin transparent alle Freischaltungen ankündigen. Die Community behält dabei das letzte Wort. Wenn es einen Verstoß gegen die allgemein gültigen Kriterien gibt, dann wird die jeweilige Werbung nicht aufgenommen. Wir hoffen, dass dieses Angebot in Zukunft weiterhin und noch verstärkt wahrgenommen wird.“

Auch auf die Frage, ob es eine persönliche Vorgeschichte zwischen Pallenberg und ihm gebe, antwortet er: „Mir ist Herr Pallenberg persönlich nicht bekannt.“

Bericht löst Gegendarstellungs-Marathon aus

Da bei allem Hin und Her schnell der Überblick zu verlieren ist, hier eine Chronologie der Ereignisse:

26. Juni, 11 Uhr: Sascha Pallenberg veröffentlicht seinen Enthüllungsbericht. Er hat den reißerischen Titel „Adblock Plus Undercover – Einblicke in ein mafioeses Werbenetzwerk“ und verfehlt seine Wirkung nicht: Innerhalb kürzester Zeit macht es die Runde auf Facebook und Twitter, auch erste Medien wie Heise Online greifen den Fall auf. Im Bericht Pallenbergs finden sich eine Reihe von Anschuldigungen, etwa dass Eyeo-Geschäftsführer Till Faida die Vorzüge von AdBlock Plus auf angeblich unabhängigen Webseiten beschreiben lasse, dass Investoren verschwiegen und mit fragwürdigen Werbenetzwerken kooperiert werden.

26. Juni, nachmittags: Die erste Gegendarstellung von Faida wird versendet.

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26. Juni, abends: Mitgeschäftsführer- und Adblock-Plus-Entwickler Wladimir Palant veröffentlicht seinerseits eine Richtigstellung einiger Fakten, die er für von Pallenberg verdreht hält. Unter anderem bestreitet er, dass man sich in die Acceptable-Ad-Liste einkaufen könne, gibt aber gleichwohl zu, dass „das Geschäftsmodell von YieldKit für einige kontroverse Diskussionen“ bei Eyeo und in der Adblock-Community gesorgt hätte.

27. Juni: Yieldkit-Gründer Oliver Krohne bestreitet in einer Stellungnahme (Pdf) sämtliche von Pallenberg getätigten Vorwürfe, etwa, dass man mit der Adblock-Freischaltung für sich werbe.

28. Juni, nachmittags: Till Faida veröffentlicht eine zweite Stellungnahme, die weitaus ausführlicher als die erste ausfällt. Er greift sich aus Pallenbergs Bericht fünf falsche Behauptungen heraus, die er richtig stellen möchte: Es geht um die Behauptungen, dass Adblock Plus nahestehende Unternehmen begünstige und das Web zensiere, Betreiber unseriös arbeiten und mit ihrem Programm Affiliate-Links umwandlen würden, sowie dass Yieldkit von Webseiten-Betreibern 30 Prozent „Schutzgeld“ für das Bereitstellen ihrer „Dienstleistung“ verlange.

29. Juni: Im Nachtjournal der ARD wird der Streit erstmals im Fernsehen thematisiert. Im Beitrag kommen sowohl Pallenberg als auch Faida zu Wort (Video).

Pallenberg und Adblock Plus legen jeweils nach

1. Juli, 10 Uhr: Till Faida veröffentlicht inzwischen seine dritte Stellungnahme, die sich auf den zweiten Blick als leicht überarbeitete Version der zweiten Stellungnahme entpuppt. Interessant ist aber, dass er hier erstmals zum Gegenangriff übergeht. Über Pallenbergs Blog MobileGeeks heißt es: „Aktuell befinden sich allein auf der Startseite vier Werbebanner, davon drei (!) animierte Flash-Banner und 12 (!) Tracking-Solutions, die Daten über die Besucher der Seite sammeln und speichern. Vornehmlich also Werbung, die von Adblock geblockt wird, weil Internetnutzer sie als störend und aufdringlich empfinden.“

1. Juli, 11 Uhr: Sascha Pallenberg legt nach. Unter anderem wird in diesem Artikel die YieldKit-Stellungnahme auseinander genommen. Mit Screenshots werden gelöschte Blogeinträge konserviert. In der NZZ nimmt Faida zu den neuen Vorwürfen Stellung, beantwortet aber längst nicht alle offenen Fragen, etwa nach den Investoren hinter Adblock Plus.

Update Nr. 2: 4. Juli: Die Kollegen von Horizont haben einen der geheim gehaltenen Geldgeber von Adblock Plus herausgefunden: es ist – Google. Unter anderem beschreiben sie auch den kurzen Forums-Dialog, der zur Freischaltung der Google-Ads geführt hat. Lesenswert!

Pallenberg hat Faida eine öffentliche Diskussion im Google-Hangout angeboten. Bisher gibt es darauf keine Reaktion.

Bild: z.V.g.

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