Mobile Werbung auf einem großen deutschen Nachrichtenportal

Spannungen zwischen Netzbetreibern und Inhalte-Anbietern im Web gibt es seit Jahren. Doch nun droht der Verteilungskampf um die Frage, wer für das Netz bezahlt und wer damit verdient, zu eskalieren. Laut einem Bericht der Financial Times planen mehrere große Telekommunikationsunternehmen, noch in diesem Jahr Adblocker für Werbung auf Smartphones einzuführen – und damit vielen Internetunternehmen bei ihrer wichtigsten Einnahmequelle, der Online-Werbung, massive Umsatzeinbußen zu bescheren.

Hintergrund des Streits: Netzbetreiber wie Verizon in den USA oder die Telekom in Deutschland beklagen sich, sie müssten allein für den Ausbau und Erhalt der Netz-Infrastruktur aufkommen und würden an den Einnahmen der Geschäftsmodelle, die auf dieser Infrastruktur aufbauen, nicht beteiligt. „Es gibt große Anstrengungen bei den Internet-Firmen, neue Dienste und Software zu entwickeln“, hat Telekom-Chef Timotheus Höttges gerade der Wirtschaftswoche gesagt. „Aber keine ist bereit, die hohen Investitionen für Übertragungsnetze in Europa zu stemmen, das machen wir!“ Gleichzeitig schicken Dienste wie Netflix immer größere Datenmengen durchs Internet, die Telcos kommen mit dem Ausbau der Bandbreiten nicht hinterher. Sie befürworten daher auch eine Abkehr vom Prinzip der Netzneutralität, um sich zum Beispiel über eine Art Business-Class-Internet neue Erlösquellen zu erschließen.

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Beim mobilen Internet verschärft sich dieses Problem, weil der Ausbau und Unterhalt großer Bandbreiten für die Telekomfirmen hier besonders kostspielig ist. An diesem Punkt setzt der Werbeblocker-Plan an: Laut Roi Carthy, dem CMO des israelischen Adblocking-Startups Shine, würden Kunden zwischen 10 und 50 Prozent ihrer Datenvolumina allein für Mobile-Werbung verbrauchen. Das Ausblenden mobiler Werbung würde damit Verbraucher finanziell entlasten und gleichzeitig die Bandbreite der Mobilfunker schonen.

Das wichtigste Argument für die Telcos ist aber: Der Plan (beziehungsweise allein die Drohung, den Plan umzusetzen) soll Internetfirmen dazu bringen, einen Teil ihrer Erlöse endlich an die Netzbetreiber abzugeben. Laut der Financial Times haben die Telcos dabei insbesondere Google im Visier. Wie der Manager eines europäischen Telekommunikationsbetreibers dem Blatt berichtete, stünden zwei Vorgehensweisen zur Debatte: Entweder werde für die Nutzer einen optionalen Adblocker auf Opt-In-Basis geben – oder man entscheide sich für die sogenannte „Bombe“. Das hieße, dass auf einen Schlag Millionen von Mobilfunknutzern keine Werbung mehr auf ihren Geräten gezeigt werden würde.

Ein radikaler Plan, wie Shine-CMO Carthy der Financial Times bestätigt. „Dutzende Millionen von Mobilfunkkunden auf der ganzen Welt werden sich bis Ende des Jahres für Adblocking entscheiden. Wenn sich das durchsetzt, könnte es einen verheerenden Effekt auf die Online-Werbebranche haben.“

Shine arbeitet nach eigener Aussage schon mit einer Reihe von Mobilfunkfirmen zusammen, Namen will das Unternehmen allerdings bislang nicht nennen. Es ist aber davon auszugehen, dass zu ihnen die Telekomfirmen der Hutchison-Whampoa-Gruppe gehören. Die Holding wird von Li Ka-Shing, dem reichsten Mann Asiens, kontrolliert. Sein VC Horizons Ventures, der auch schon in Friendsurance oder Jobspotting investiert hat, ist an dem israelischen Startup Shine beteiligt.

Bild: Gründerszene