affiliate marketing probleme

Ein Beitrag von Stephan Czysch, Geschäftsführer der Berliner Online-Marketing-Agentur Trust Agents. Das 35-köpfige Team unterstützt Unternehmen bei allen Facetten der Suchmaschinenoptimierung.

Woher kommen die Probleme im Affiliate Marketing?

Das Jahr 2014 ist erst ein paar Wochen alt, doch im Affiliate Marketing hat sich mit den Entlassungen bei Tradedoubler Deutschland und Zanox bereits einiges verändert. In der Branche wird im Rahmen der Ende Februar stattfindenden Branchenmesse Affiliate Tactixx unter dem Thema „Quo Vadis Affiliate Marketing“ über die Zukunft des Kanals gesprochen und Veranstalter Markus Kellermann geht auch unter affiliateblog.de  auf diese Fragestellung ein.

Als Gründe für die momentane Situation im Affiliate Marketing werden diverse Erklärungsmöglichkeiten diskutiert. Diese reichen von mangelndem Innovationsgeist der Netzwerke über Probleme mit der Attribuierung von über Affiliate-Marketing mitgenerierten Conversions durch das Attributions-Modell, bis hin zum leidigen Thema Betrug durch Publisher. Dabei klingt die Grundidee von Affiliate Marketing so spannend:

Dadurch, dass Publisher nur in einem definierten Erfolgsfall eine finanzielle Beteiligung am Geschäftserfolg des Merchants erhalten, ist dessen finanzielles Risiko in den allermeisten Fällen sehr überschaubar oder gar nicht existent. Zudem erlaubt der Kanal den Merchants, entsprechende bisher ungenutzte Publisher-Werbeplätze vorausgesetzt, eine Skalierung des eigenen Partnerprogramms ohne Risiken.

Das Trafficniveau der Publisher als Stolperstein für das Affiliate Marketing

Den limitierenden Faktor im Affiliate Marketing stellt neben der Attraktivität des Partnerprogramms sowie der Qualität dessen Betreuung vor allem die Publisherseite dar. Denn ohne Websites, die bereit sind, für ein Partnerprogramm zu werben, bringt auch das schönste Affiliate-Programm nichts. Und selbstverständlich bringen auch Publisher ohne relevante Zugriffszahlen und daraus folgende Verweise über die Affilate-Werbemittel wiederum nichts für den Merchant. Deshalb hat natürlich auch ein Merchant ein großes Interesse daran, mit Traffic-starken Publishern zusammenzuarbeiten.

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Die Trafficquellen der Publisher sind hierbei vielfältig, wobei besonders Suchmaschinen häufig für einen großen Anteil der Zugriffe sorgen. Und in der Vergangenheit sind Publisher mit einer Fokussierung auf Suchmaschinen gar nicht schlecht gefahren. Besonders die Google-Suche bot (und bietet zum Teil) Affiliates die Möglichkeit, entweder kostenlos über SEO oder bezahlt über SEA an Besucher zu gelangen, die im zweiten – und teilweise auch im ersten Schritt – an den Merchant weitergeleitet wurden.

Für einen Publisher ergibt ein „Trafficverkauf“ an einen Merchant natürlich nur so lange Sinn, wie dieser

  • den Traffic günstiger einkaufen als verkaufen kann
  • er mit festen Umsätzen über Affiliate Marketing rechnen kann
  • er nicht über andere Kanäle eine höhere Vergütung für seinen Traffic erhält
  • sowie das zeitliche Engagement insgesamt aus subjektiver Sicht sinnvoll erscheint

In diesem Kontext sind es für Publisher schwerwiegende Veränderungen, wenn zum einen der Aufwand zur Erreichung einer guten Positionierung in der unbezahlten Google-Suche durch Algorithmus-Änderungen steigt und zeitgleich auch in der bezahlten Suche die Klickpreise steigen.

Google Panda und Pinguin tun nicht nur Marken weh

In der unbezahlten Websuche hat Google durch die unter den Namen „Panda“ und „Pinguin“ bekannten Updates in den letzten Jahren ziemlich aufgeräumt. Auch weiterhin ist Google dabei, die Anforderung an Content- und Linkqualität nach oben zu schrauben. Diese Einschätzung findet man auch in der offenen Umfrage auf der Branchenseite seo-united.de wieder. Dort stimmten 72 Prozent der Teilnehmer für „Die Kosten für die Optimierung einer Webseite sind in 2013 gestiegen“.

Und es ist nicht davon auszugehen, dass in der Zukunft durch den kostenlosen Eintrag in Webkataloge, Teilnahme an Forendiskussionen oder Artikelverzeichnissen auch nur annähernd ein Blumentopf zu gewinnen sein wird.

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Was für die SEO-Branche, der immer noch ein gewisses Schmuddelkind-Image anhaftet, insgesamt durchaus positiv sein dürfte, ist für viele Webmaster ein echtes Problem: Nur durch die Hoffnung, dass sich gute Positionierungen und somit Zugriffe erreichen lassen, ist eine Investitionsentscheidung für den Kanal SEO nicht immer zu rechtfertigen.

Bei dieser Betrachtung darf natürlich nicht vergessen werden, dass in der jüngeren Vergangenheit nicht gerade Schritte von Google unternommen wurden, die die Klickrate auf unbezahlte Ergebnisse gefördert haben. So berichtet der googlewatchblog von einem Trafficeinbruch von 17 Prozent bei Wikipedia seit der Einführung des „Knowledge Graph“.

All diese Änderungen betreffen nicht nur das Trafficniveau von Marken, sondern natürlich auch von Affiliates. Mit dem Unterschied, dass diese in aller Regel nicht mit denselben Marketingbudgets operieren. Bitte wenden – hier geht’s zu Seite 2

Bild: 26309 (Martin Krause) / PantherMedia

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