Aguja

Die eigene Geschäftsidee vor potentiellen Geldgebern und anderen Interessierten zu pitchen, ist eine der Fertigkeiten, die jeder Gründer beherrschen sollte. Und da ein Fahrstuhl ein reichlich ungeeigneter Ort dafür ist, haben junge Startups im Format „Frischlingsfragen“ von nun an die Möglichkeit, sich und ihr Geschäftsmodell kurz und präzise vorzustellen: Gründerszene stellt zehn Fragen, und dieses Mal antwortet Aguja (www.aguja.de).

Wer seid ihr und was macht ihr?

Wir sind Aguja, die neue Einkaufswelt rund um die Themen Spielzeug, Technik und Haushalt. Unser Sortiment wird kontinuierlich weiter ausgebaut, so dass wir unseren Kunden zukünftig ein One-Stop-Shopping-Erlebnis ermöglichen können, wie man es sicherlich sonst nur von Amazon gewohnt ist – oder eben von großen Marktplätzen, bei denen die Pakete im Regelfall von verschiedenen Versendern gepackt werden. Das dürfte nicht jedermanns Sache sein, nicht zuletzt wegen der Versandkostenproblematik. Dabei können wir uns zum Glück auf erprobte und leistungsstarke Prozesse stützen.

Hinter jedem Erfolg steckt eine Vision. Wie seid ihr auf eure Idee gestoßen?

Die Vision ist sicher die gleiche wie bei den Walmarts dieser Welt, nämlich den Kunden alles was sie zu kaufen wünschen aus einer Hand zu bieten – und das zu einem vernünftigen Preis. Wir haben mit unserem Konzept bei anderen Online-Shops zudem viel Sympathie erfahren. Dabei scheint es eine große Rolle zu spielen, dass wir kein amerikanischer Konzern sind, sondern eben vom schönen Osnabrück aus die große, weite E-Commerce-Welt erobern wollen. Bei vielen Menschen kommt das sehr gut an.

Noch wichtiger als die Idee ist häufig das Team. Wer sind die Gründer, was habt ihr vorher gemacht und wie habt ihr zueinander gefunden?

Die Gründer sind Jan und Nils Klöker, die auch schon bei Telefon.de und Serviette.de verantwortlich zeichnen. Wie der Nachname verrät, wurde das Gründerteam auf familiärer Ebene schon sehr früh zusammengeführt, so dass ein blindes Verständnis schon lange besteht – und dieses nicht erst in der kritischen und turbulenten Gründungsphase eines Startups eingeübt werden muss.

Viele Gründungsideen sind nicht gänzlich neu. Was ist euer USP und was macht ihr anders als alle anderen?

Wir finden, dass die gute Tradition der Kaufleute in den letzten Jahren abhanden gekommen ist. Viele Konsumenten wollen doch lieber direkt im Fachhandel kaufen und nicht auf einem anonymen Marktplatz. Dazu kommt die eingangs erwähnte ausgeprägte Logistikkompetenz, gepaart mit den etablierten Strukturen bei Kundenservice, Onlinemarketing und technischer Entwicklung. Das eingeübte Prinzip wird jetzt also „nur“ auf neue Bereiche übertragen.

Zum Business: Wie funktioniert euer Geschäftsmodell? Und wie groß ist das Marktpotenzial?

Das Marktpotenzial ist riesig, Amazon und eBay machen es vor. Wir sind davon überzeugt dass es in Zukunft auch im Onlinehandel einen Trend hin zu Vollsortimentern geben wird, den wir mit Aguja vorantreiben möchten. Insbesondere auf der Kostenseite gibt es da dann strategische Wettbewerbsvorteile gegenüber vielen kleinen Nischenshops.

Das dürfte alle Bereich betreffen – Beschaffung, Kundenservice, Trafficbeschaffung – und vor allem auch bei der Gewinnung von Stammkunden eine wichtige Rolle spielen. Und auch der Kunde hat viele Vorteile: Er braucht sich nicht mehr so viele Shopnamen merken und muss nicht mehr jedes Mal aufs Neue prüfen, ob ein Anbieter auch wirklich seriös und kompetent ist, sofern er Produkte aus den genannten Sortimentsbereichen kaufen will.

Ideen umzusetzen kostet Geld. Wie finanziert ihr euch?

Bisher finanzieren wir uns ausschließlich aus eigenen Mitteln. Auch heute gibt es unserer Ansicht nach die Möglichkeit, ein nachhaltiges Geschäft ohne Business Angels, VCs oder (halbstaatliche) Gründerfonds zu etablieren – das werden wir mit Aguja ein weiteres Mal unter Beweis stellen. Von anderen Gründern haben wir oft erfahren, dass die externe Kapitalbeschaffung sehr viel harte Arbeit erfordert, die dann zuweilen bei der Entwicklung des Kerngeschäftes fehlt. Wir sind deshalb erleichtert, dass wir 100 Prozent der Arbeit in die Entwicklung von Aguja stecken können.

Gibt es etwas, das euch noch fehlt? Ein Mitarbeiter, ein Investor oder ein Büro?

Gute Mitarbeiter kann man bekanntlich nie genug haben. Personelles Entwicklungspotenzial gibt es bei uns sicherlich in Bereichen wie Facebook-Marketing und Social-Media. Da ist natürlich Kreativität gefragt, denn Osnabrück ist schließlich nicht Berlin. Auch räumlich stoßen wir langsam an unsere Grenzen, aber auch daran wird schon intensiv gearbeitet – die Pläne sind schließlich ehrgeizig.

Gibt es ein großes Vorbild für euch?

Sam Walton mit seinem Motto „Save Money. Live Better“. Damit können sich sicher auch die Kunden identifizieren: Geld sparen und dabei ein besseres Leben führen, das will vermutlich jeder!

Stellt euch vor, ihr könntet ein Lunch gewinnen. Wen würdet ihr aus der deutschen Startup-Branche gerne mit an den Tisch holen?

Auch wenn die Antwort zum Stichwort Lunch vielleicht nicht ganz passt, aber wir würden das Team von MyMuesli (www.mymuesli.com) mit an den Tisch holen. Die sind ja aktuell dabei, aus dem einstigen Startup einen regelrechten Frühstückskonzern mit Müsli, Porridge, Kaffee und Orangensaft zu machen. Die Jungs sind für uns durchaus Vorbilder, denn sie arbeiten – so wie wir – eher in der „Provinz“, abseits von den ausgetretenen regionalen E-Commerce-Pfaden, und haben dennoch expansive Bestrebungen. Und das Ganze auf einem Niveau, das eher langfristig ausgerichtet und offenbar nicht Exitgetrieben ist. Das finden wir sympathisch, so dass es sicher ein harmonisches Frühstück werden würde.

Wo steht ihr heute in einem Jahr?

Aktuell bauen wir unser Sortiment in quantitativer und quantitativer Hinsicht deutlich aus, so dass wir in einem Jahr noch größere Kundengruppen erschließen können und werden.

Aguja, vielen Dank für das Gespräch.