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Der Hype um Facebook und sein Potenzial für Unternehmen ist ungebrochen. Da war der Weg zu einer eigenen Konferenz nicht weit! Am 16. April fand zum ersten Mal die AllFacebook Marketing Conference in München statt – die erste Konferenz, in der es ausschließlich um das Marketing auf Facebook ging. Organisator des Events waren Philipp Roth und Jens Wiese, die Gründer und Autoren von Allfacebook.de.

Die Opening-Keynote

Die enorme Reputation von AllFacebook.de spiegelte sich in der Anzahl der Teilnehmer der AllFacebook Marketing Conference wider. 350 Besucher kamen am vergangenen Montag zur ersten Konferenz dieser Art nach München, um sich unter anderem über das Potenzial von Facebook für Marketer zu informieren und auszutauschen. Das Programm lockte neben einer Keynote des Commercial Directors von Facebook Germany unter anderem mit Fallbeispielen zur Deutschen Bahn, Burger King und Microsoft.

Den Start machte F. Scott Woods von Facebook Deutschland mit einer eher oberflächlichen Präsentation. Neben der Vorstellung der neuen Timeline-Features beschäftigte er sich in seinem Vortrag mit dem Premium-Bereich der Facebook-Anzeigen und kündigte die geplante Beta-Version zu Premium-Ads für Angebote an. Interessant waren seine Ausführungen zum neuen Reichweitengenerator, der mit dem gleichzeitigen Anzeigen eines Posts auf der Chronik sowie in einer Anzeige links daneben die Aufmerksamkeit der Nutzer für die Timeline-NachrichInhaltten erhöhen soll.

Schade ist, dass sich die genannten Neuerungen ausschließlich auf den Premiumbereich der Facebook-Anzeigenschaltung bezogen. Um daran teilnehmen zu können, benötigen Unternehmen einen eigenen Ansprechpartner im Facebook-Marketing-Team. Voraussetzung dafür ist ein monatliches Marketing-Budget von mindestens 10.000 Euro im Monat – eine Summe, die für die meisten kleinen und mittelständischen Unternehmen natürlich utopisch ist. Über diese Mindestanforderungen verlor Woods allerdings kein Wort, sondern sagte nur, dass die sogenannten Marketplace-Anzeigen eben etwas „für andere Seiten“ wären. Was auch immer er damit meinte…

Dialog 2.0 – was wirklich dahinter steckt

Auf die Keynote folgte das Highlight der gesamten Konferenz: Eine Präsentation zum Dialog 2.0. Daniel Backhaus und Stefan Spiegel von der Agentur Ray Sono überzeugten inhaltlich und formal! In ihrem Plädoyer zur Bedeutung der Kommunikation auf Facebook gaben sie wichtigen Input zum Thema „echter und unechter“ Dialog auf Facebook. So ermahnten sie, dass Dialoge à la „Und ihr so“ oder „Wir wünschen euch ein schönes Wochenende“ zwar für den Image-Aufbau genügen, aber nicht für den Reputations-Aufbau eines Unternehmens via Facebook.

Das Prinzip des echten Dialogs ist auch die Grundlage der Social-Media-Strategie der Deutschen Bahn, die sie anschließend vorstellten. Den Referenten zufolge gibt es zwei Anlässe für den Dialog 2.0: Service & Support sowie Storytelling. Dazu ist es laut Backhaus und Spiegel wichtig, dass der Dialog 2.0 überhaupt stattfindet und Vertrauen schafft.

Als beratende Agentur für den Facebook-Auftritt der Deutschen Bahn empfehlen die Referenten ein Social-Media-Service-Handbuch. Dieses dient als Schnittstelle zwischen der „hippen“ Social-Media-Welt und einem großen Unternehmen mit hierarchischen Strukturen. Welche Aufgaben ein solches Handbuch konkret hat und was unbedingt enthalten sein muss, kann in der Dialog-2.0-Präsentation nachgelesen werden.

Eine weitere Erkenntnis des Vortrags war, dass viele Unternehmen im Bereich Social-Media bereits gut aufgestellt sind, die Mehrzahl der Corporate-Websites aber noch nicht im Web 2.0 angekommen ist. Kunden fühlen sich gemäß dem Motto „Social media is coming home(page)“ auf der Unternehmenshomepage nur unzureichend abgeholt.

Fallbeispiele und „Content ist King“-Plattitüden

Leider konnte das weitere Programm nur schwer mit dem hohen Niveau von Backhaus und Spiegel mithalten.

Die Fallstudien von Vodafone, Burger King, RTL2 („Berlin Tag & Nacht“) am Vormittag und DATEV (Facebook und B2B) und Endemol (Facebook-Credits für „Big Brother“-Votings) am Nachmittag enthielten viele Phrasen, die den meisten Konferenzbesuchern gewiss schon bekannt waren. Das lag sicherlich auch an der kurzen Vortragszeit, die den Referenten zur Verfügung stand.

Der ewig wiederkehrende Satz „Content ist King“ wurde nachmittags dann schon von einigen Teilnehmern belächelt. Doch auch wenn keine konkreten Tipps gegeben werden konnten, sollten sich Werbetreibende von den Fallbeispielen inspirieren lassen. Der crossmediale Ansatz von „Berlin Tag & Nacht“ hat zum Beispiel wunderbar gezeigt, wie Fernsehen und Facebook voneinander profitieren können.

Gewinnspiele, ROI und amerikanische Erfolgsstories

Nach der Mittagspause mit leckerem Buffet startete Curt Simon Harlinghausen mit „Marken mächtig machtlos“. Seine Ausführungen zur Machtverschiebung vom Anbieter zum Anwender untermalte er mit einem wahren Slide-Feuerwerk. Zwar blieb die Präsentation trotz einiger lustiger Beispiel-Videos relativ allgemein, dennoch überzeugte er mit seiner kurzweiligen Vortragsweise.

Anschließend beleuchtete Thomas Hutter das mit Spannung erwartete Thema „Gewinnspiele auf Facebook – ein Spiel mit dem Feuer?“. Die Präsentation blieb leider größtenteils theoretisch – wenn auch aus gutem Grund: Der Großteil der Gewinnspiel-Aktionen auf Facebook ist immer noch nicht richtlinienkonform!

Marco Rinne von Microsoft sorgte im Nachmittagsprogramm für einen Lichtblick. Mit dem Thema „Verflixter ROI – Microsofts Weg vom Optimieren der Fanseite zur Erfolgsmessung“ schaffte er es, ein heiß diskutiertes Thema am Beispiel von Microsoft zu beleuchten und wichtige Ansätze zur Berechnung des Social-ROI zu bieten.

Auf amerikanisch motivierende, leider aber auch sehr schnelle Weise schloss Rebecca Quinn von der international agierenden Social-Media-Agentur Wildfire das Konferenzprogramm ab. Sie zeigte erfolgreiche Social-Media-Kundenaktionen und die dabei erreichten Fanzahlen, wobei die Präsentation leider sehr oberflächlich und werblich war.

Fazit

Die AllFacebook-Konferenz ist mit 350 Teilnehmern erfolgreich gestartet. Die Veranstalter Jens Wiese und Philipp Roth haben mit der Organisation des Events tolle Arbeit geleistet. Viele Vorträge bezogen sich auf Inhouse-Social-Media-Strategien. Für das kommende Jahr wäre es wünschenswert, noch relevantere Themen für die externe Social-Media-Betreuung durch Agenturen zu integrieren. Doch auch wenn teilweise bei den Präsentationen mehr Tiefgang erwünscht gewesen wäre, war für jeden Facebook-Interessierten etwas dabei!

Bild: Franziska Neubert