allgaeu-inkubator-startups

„Es gibt auch tolle Ideen auf dem Land“

Mit dem Allgäu verbindet man Bauernhöfe oder Wanderurlaube – aber Startups? Eigentlich nicht. Aber das soll sich jetzt ändern, denn mit dem Inkubator StartupAllgäu bekommt die bayerische Region ihren ersten Unternehmens-Brutkasten. Für den gebürtigen Allgäuer Stefan Bartenschlager, der das Vorhaben zusammen mit Marc Wenz im Dezember vergangenen Jahres ins Leben rief, war die Gründung erst einmal nur ein Versuch die Startup-Szene auf dem Land zu beleben: „Bei uns gibt es viele junge Talente an den FHs, die gerne gründen würden. Aber nicht wissen, wie sie das anfangen wollen. Woher sie die Finanzierungen bekommen sollen.“ Doch mittlerweile läuft es gut, sagt er.

StartupAllgäu versucht auf einen Schlag die Aufgaben mehrerer Startup-Förderungen zu übernehmen: Für reine Ideen, denen Leben eingehaucht werden sollen, gibt es das Accelerator-Programm. Ausgereiftere Projekte, die auch Finanzierung benötigen, werden von dem eigenen Inkubator unterstützt, der dann auch an Investoren vermittelt. Vier bis fünf Investoren gibt es, nach weiteren wird gesucht. Es sind Privatleute aus der Region, oder auch aus München, die sich teilweise mit bis zu fünf Millionen an den Jungunternehmen beteiligen.

Anzeige
Alles was die Startup-Metropolen wie Berlin und München bieten – das wollen Bartenschlager und Wenz auch für den Allgäu, nur viel persönlicher. Die Berliner und Müncher Startup-Szenen kennen sie: Beide haben in der Vergangenheit selber Unternehmen gegründet und sind von Event zu Event getingelt, erzählen sie. Bartenschlager gründete die Werbeagentur InsideAll, während Wenz die Werbeagentur Iconic Brands ins Leben rief. „Wir wollen einen persönlichen Draht zu all den jungen Gründern der Region aufbauen und sie ermutigen, dass sie sich trauen zu gründen“, so Bartenschlager.

Seinen Hauptsitz hat der Startup-Brutkasten in Bad Wörishofen, ein beschaulicher Kurort mit fast 15.000-Einwohner. Angeboten wird für junge Gründer Unterstützung im Bereich Marketing, Branding und Controlling. Die Startups können Büroräume und andere Ressourcen in Bad Wörishofen und Sonthofen nutzen, die, außer von Wenz und Bartenschlager, auch von derzeit fünf lokalen Mentoren zur Verfügung gestellt werden: Coverlounge-Gründer Cornelius Kleiner, Markus Knestel, Gründer der Knestel Technologie & Elektronik, Rechtsanwalt Christian Sirch, Marcus Tandler, Gründer des SEO-Softwareherstellers Onpage, und Marcus Leber, Gründer und Inhaber des Finanzdienstleistungsunternehmen BL Management.

Eine Bewerbungsfrist gibt es für die Aufnahme in den Inkubator und den Accelerator nicht: Startups können sich jederzeit online bewerben. Bis jetzt seien 36 Bewerbungen bei StartupAllgäu eingegangen, fünf davon kommen nicht aus der schwäbischen Region. Jede einzelne Bewerbung wird unter die Lupe genommen, beantwortet, es wird telefoniert und man trifft sich persönlich. Für Stefan ist das selbstverständlich: „Bei uns geht es nicht so förmlich zu, wie man es vielleicht in der Großstadt gewohnt ist. Wir sind einfach unkomplizierter.“ Wie es auf dem Land nun einmal so sei, kenne man sich auch oft persönlich. Für viele Gründer sei es verlockender, wenn sie nicht von zuhause weg müssten und die Mentoren – oder die Investoren – vielleicht gerade mal 10 Kilometer entfernt wohnten.

StartupsAllgäu ist nicht der einzige Startup-Beschleuniger, der es in der Provinz versucht: Anfang vergangenen Jahres wurde der Blackforest Accelerator in Lahr, einer 40.000-Einwohner-Stadt gut 40 Kilometer nördlich von Freiburg, gestartet.

Dass es in Deutschland auch viele junge Talente gibt, die nun einmal nicht in Berlin oder München leben, werde leider oft vergessen. Für Bartenschlager ist klar, dass Startup-Förderung auch außerhalb der Metropolen wichtig ist: „Denn schließlich gibt es auch tolle Ideen auf dem Land.“

Bild: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von svenmakesphotos