Amen, Felix Petersen, Florian Weber

Es ist DAS angesagte deutsche Internet-Startup dieser Tage und sorgte schon vor seinem Launch für einigen Buzz in der Webszene: Amen (www.amenhq.com) will weltweit als Meinungsplattform Erfolg feiern und machte bereits mit einigen PR-Coups auf sich aufmerksam. Noch ist von dem Startup aus Berlin inhaltlich praktisch nichts bekannt, nun stellt Gründerszene Screens und Gesellschafter von Amen einmal genauer vor.

So funktioniert Amen

Obwohl bereits zahlreiche bekannte Gesichter der deutschen Webszene zu den Beta-Testern von Amen zählen, gibt es wohl kaum ein deutsches Startup, welches den Begriff “Stealth-Mode” so wörtlich nimmt. Jeder Newsletter trägt Hinweise mit News-Embargos, spricht man mit Gründer Felix Petersen schwadroniert dieser von journalistischen Absprachen und dass derzeit noch nichts nach draußen sickern würde. Gründerszene erhielt einige Screens der App vorab und stellt das Konzept von Amen einmal genauer vor.

Im Prinzip funktioniert Amen wie ein Teilmechanismus von Meinungen: Nutzer können Aussagen zu Personen, Orten oder Dingen treffen und andere Nutzer können diese Aussagen mit einem “Amen” versehen oder eben nicht. So ist es etwa möglich, Aussagen über Freunde, Politker oder Schauspieler zu treffen (Personen), Tipps zu Cafés, Restaurants oder öffentlichen Plätzen zu geben (Orte) oder auch Filme, Elektronikartikel oder Möbelstücke der eigenen Gefolgschaft zu empfehlen (Dinge).

Ähnlich dem Prinzip von Twitter hat jeder Nutzer eine eigene Gefolgschaft, deren Aussagen er beobachten kann, während Nutzer wiederum die eigenen Statements abonnieren und mit einem Amen versehen können. Die Art der Aussagen sind zum Teil festgeschrieben, sodass diese sich auch zu Top-Listings aggregieren lassen. Bei der Frage nach dem “Worst overused term on the internet ever” kommt “EPIC!” so beispielsweise auf 16 Amen, gefolgt von “Fail” und “AWESOME!” mit fünf bzw. zwei Amen.

Gänzlich neu dürfte das Konzept von Amen nicht sein, ähnliche Ansätze haben der Gründerszene-Redaktion zumindest in Konzeptform auch bereits vorgelegen und einige der Inhalte scheinen inspiriert von anderen Diensten. Doch die Aufbereitung und der Modus, mit dem Amen als Ganzes arbeitet, ist durchaus interessant und entwickelt eine gewisse Stickyness. Die Optik weiß zu überzeugen und die Logik, mit der Amen seine Inhalte entstehen lässt, dürfte eine ungemeine Viralität entfalten. Es darf also erwartet werden, dass nach Amens Launch zahlreiche Twitter- und Facebook-Streams mit Amen-Aussagen befüllt sein werden.

Inhaltlich fraglich wird sein, ob die Top-Flop-Unterscheidung von Amen letztenendes aufgeht. Geht es nach Amen sind die beschriebenen Objekte stets “Best” oder “Worst” – dazwischen gibt es nichts. Etwas ist entweder super oder super schlecht, sonst hat es in der Welt von Amen keinen Platz. Als Nutzer ertappt man sich bei einem gewissen Unwohlgefühl, wenn es darum geht, die Hitlisten anderer Nutzer zu kommentieren, man zustimmen mag aber irgendwie auch wieder nicht. Für ein Dazwischen ist eben kein Platz.

Amen ist gehyped – kann es dem gerecht werden?

Was macht derzeit den Hype von Amen aus? Grundsätzlich spielt sicherlich der Standort Berlin eine wichtige Rolle, der mit angesagten Internet-Neulingen wie SoundCloud (www.soundcloud.com), Wooga (www.wooga.com) oder NumberFour (www.numberfour.eu) und einem stetig wachsenden Ökosystem aus Inkubatoren und Geldgebern gerade zur ersten Adresse in Europa avanciert. Neben diesem Standortvorteil und schon jetzt prominenten Geldgebern (siehe unten) ist es vor allem das Personenkarussel, mit dem Amen für Interesse sorgt.

Neben CEO Felix Petersen, der vor Amen das Startup Plazes aus der Taufe hob und an Nokia verkaufte, ist es vor allem auch Entwickler Florian Weber, der in den Fokus der Aufmerksamkeit rückte. Weber sorgte für einigen Presserummel, war er doch der erste Entwickler der am erfolgreichen Microbloggingdienst Twitter mitwerkelte, bisher aber von der Öffentlichkeit unbemerkt blieb, nachdem er aufgrund des großen Arbeitsstresses freiwillig bei Twitter ausschied.

Entsprechend laut wird im Hause Amen auch schon jetzt aufgetreten. Das Startup gibt sich übertrieben siegessicher und lässt es an der notwendigen Bescheidenheit doch manchmal vermissen. Hört man sich in der Szene um, erwidern Zyniker, dass ein Plazes-Gesamtexit über geschätze fünf Millionen Euro und die anschließende Quasi-Bedeutungslosigkeit des Dienstes nicht zu Ego-Luftsprüngen qualifizieren sollten. Ebenso ist es sicher diskussionswürdig, ob es für unternehmerischen Spürsinn spricht, wenn man als ehemaliger Chefentwickler von Twitter heute eigentlich Multimillionär sein könnte, hätte man das Potenzial des Dienstes erkannt und es nur auf ein halbes Prozent dessen gebracht.

Schon jetzt polarisiert das Amen-Team also und vor allem in Sachen Geschäftsmodell wird es sicherlich viele Fragen zu beantworten geben. Wie will Amen Geld verdienen? Oder hat Deutschland doch endlich sein eigenes Twitter-Pendant, das seinen Business-Ansatz “schon noch finden wird”? Auf jeden Fall ist Amen von Beginn an sehr international orientiert, was sich auch bei seinen Gesellschaftern bemerkbar macht.

Dies sind Amens Gesellschafter

Gründerszene wäre nicht Gründerszene, wenn es nicht auch einen Blick auf die Gesellschafter von Amen werfen würde. Denn schon bevor es von den Berlinern etwas zu sehen gibt, sollen namhafte Geldgeber bei Amen an Bord gekommen sein. Neben Index Ventures (www.indexventures.com), einem der größten Venture-Capitalists Europas, der nun auch vermehrt in den Standort Berlin investiert – zuletzt etwa bei einer Finanzierung von SoundCloud oder in Marco Boerries’ Geheimtipp NumberFour – soll laut TechCrunch auch Hollywood-Investor Ashton Kutcher gemeinsam mit dem Madonna-Manager Guy Oseary investiert haben. Geldgeber, die der eigenen PR sehr gut tun, Filmsets und Cocktailparties teilweise aber besser kennen dürften als den deutschen Internetmarkt. Doch wenn ein deutsches Startup schon solche Coups verkünden darf, kann sich dennoch auch in der deutschen Neidgesellschaft einmal gefreut werden.

Im Handelsregister-Auszug von Amen ist von diesen Geldgebern noch nichts zu sehen, die entsprechende Finanzierungsrunde ist wohl noch nicht eingetragen worden. Dafür zählen aber bereits einige angesagte Berlin-Ansäßige zu den Gesellschaftern, die selbst Hipster-Startups gegründet haben oder zumindest bei einem arbeiten. Mit Eric Wahlforss und Alexander Ljung sind die beiden Gründer von SoundCloud zu je einem Prozent beteiligt und dürften dafür nicht nur gute internationale Kontakte, sondern auch einiges Knowhow in Sachen Internationalisierung, Cloud-Computing und Social-Media-Marketing mitbringen. Mit Matthew Stinchcomb ist daneben auch der European Director von Etsy (www.etsy.com) – dem Vorbild für DaWanda (www.dawanda.com) an Bord – der sicherlich in Sachen Community-Aufbau weiterhelfen kann.

Auch Business-Angel Christophe Maire ist mit acht Prozent an Amen beteiligt, während die Gründer Caitlin Winner und Felix Petersen – als Gründer sind eigentlich auch noch Florian Weber und Ricki Vester Gregersen zu nennen – je dreißig Prozent halten. Ebenfalls 30 Prozent hält der M&A-Berater Roman Bärwaldt. Mit seiner derzeitigen Finanzierung soll Amen für dieses Jahr durchfinanziert sein und will wohl personell zunächst eher organisch wachsen. Wenn wirklich Index Ventures als Geldgeber gewonnen werden konnte, spricht dies für den innovativen Charakter des Startups, während die angeblichen Geldgeber-VIPs wohl vor allem den Twitter-Kontakten von Mitgründer Florian Weber zu verdanken sind. Die Karten liegen soweit auf dem Tisch, ins Angriffshorn wurde geblasen, nun muss Amen nur noch liefern…

Fazit: Amen stellt Ansprüche, nun muss es liefern

Im Deutschen kommt das aus dem Hebräischen stammende Amen, wohl am ehesten dem zustimmenden Satzteil “es geschehe” nahe – ähnliches darf ab sofort auch für das Startup Amen gewünscht werden. Bisher ist der Hype um das Startup groß – sei es wegen der prominenten Geldgeber oder wegen den vorherigen Berufsstationen des Teams. Besagtes Team ließ bisher auch keine Gelegenheit aus, auf die Pauke zu schlagen und sieht sich selbst im Begriff etwas Großes zu leisten – damit sind die eigenen Ansprüche gesetzt und auch die Maßstäbe, denen Amen nun gerecht werden muss.

Bricht man es herunter, tut ein deutsches Hype-Startup der Szene als Ganzes sehr gut, doch noch sind die PS von Amen nicht auf der Straße. Bisher gibt es ein lautes Team, prominente Investoren und viel Geheimniskrämerei. Nicht mehr und nicht weniger. Bisher hat Amen das Maximum an Hype und Aufmerksamkeit mitgenommen, nun freut sich die deutsche Szene, wenn sich dieser Hype fortsetzt und in hohen Nutzerzahlen widerspiegelt.

Es darf entsprechend als relativ sicher gelten, dass deutsche Blogs begeistert über Amen schreiben werden, ist es doch das erste deutsche Konzept, dass einen Social-Hype wie Twitter oder Foursquare zumindest in Ansätzen verspricht. Aber am Ende ist es vor allem der Nutzer, der über Erfolg oder Nicht-Erfolg im Internet entscheidet. Und gerade Foursquare ist eines der anschaulichen Beispiele dafür was passiert, wenn das Geschäftsmodell eines angesagten Startups durch eine Umwälzung der Nutzerinteressen anscheinend abgehängt wird. Ganz zu schweigen davon, dass auch ein Twitter noch nicht mit einem wirklichen Geschäftsmodell aufwartet.

Wer hoch steigt, kann auch tief fallen – für die deutsche Webszene und das aufkommende Europa-Silicon-Valley Berlin wäre ein weiterer Aufstieg von Amen sehr wünschenswert. Bisher steht alles auf Wachstum und findet das Amen-Team – neben etwas mehr Bescheidenheit – auch ein nachhaltiges Geschäftsmodell, wird es spannend. Es geschehe, äh Amen.

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