VentureBus_Afrika

On tour: Der Startup-Bus in Ostafrika

Fünf Touren durch afrikanische Regionen plant die gemeinnützige Berliner Organisation Ampion in diesem Jahr. In Reisebussen werden Entwickler, Designer und Marketer nun zum dritten Mal über den Kontinent fahren und unterwegs an Programmen arbeiten, die in Sachen Gesundheit oder Bildung helfen sollen. Die Organisation besetzt ihre Busse so, dass die Hälfte der Teilnehmer aus Afrika, die andere Hälfte aus anderen Teilen der Welt kommt. In den Bussen bilden sich dann Teams, die an verschiedenen Ideen arbeiten. An den Stops entlang der Tour pitchen sie diese vor Investoren – und gründen, wenn alles gut läuft, sogar ein Startup.

Das Ampion-Bus-Projekt wurde 2013 von Fabian Guhl  ins Leben gerufen. Dieses Jahr sind zwischen September und Dezember Roadtrips durch den Norden, Osten, Süden und den Westen Afrikas geplant. Dort wütete bis vor Kurzem noch das Ebola-Virus. Inzwischen sind die Neuerkrankungen dort zurückgegangen und im Mai erklärte die Weltgesundheitsorganisation zumindest das westafrikanische Liberia für Ebola-frei. Überstanden ist die Seuche jedoch noch nicht: Zuletzt wurden in Liberia neue Fälle gemeldet.

Das Virus hat die von Ampion geplanten Touren im vergangenen Jahr beeinträchtigt: Guhl erzählt, dass viele Bewerber aus Angst vor dem Ebolafieber abgesprungen seien. Zahlreiche Absagen habe es auf allen Strecken gegeben; in den Westafrika-Bus habe man nur mit Mühe und Not einige internationale Bewerber bekommen. Dabei seien stark betroffene Gebiete gar nicht erst angesteuert worden, so Guhl.

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Die gesundheitliche Lage beeinflusste auch die Arbeit selbst: Kurzfristig erklärten Guhl und seine Kollegen einen Bus zum Anti-Ebola-Hub. Die Teilnehmer sollten an digitalen Lösungen arbeiten, welche helfen könnten, die Epidemie einzudämmen.

Eines der Ergebnisse: der Sprachnachrichten-Dienst Halt!Ebola. Handybesitzer in ländlichen Gebieten erhalten darüber Anrufe, in denen automatisierte Audio-Nachrichten abgespielt werden. So werden Informationen zur Krankheit vermittelt, was eine großflächige Ausbreitung langfristig verhindern soll. Auf der Ost-Route wurde zeitgleich die App Mobidawa entwickelt: Darin sind digitale Verpackungsbeilagen von Medikamenten abgespeichert.

Verschiedene Themen, verschiedene Busse

Und wie sieht es in diesem Jahr aus? In Tunesien, das auf der nördlichen Route liegt, gab es zwei schwere Terroranschläge. Guhl betont, dass Ampion mit dem Auswärtigen Amt und den Botschaften vor Ort zusammenarbeite. Sicherheit habe oberste Priorität. Bedenken scheinen die diesjährigen Bewerber aber nicht zu haben: Absagen hat es Guhl zufolge bislang nicht gegeben.

Neu ist diesmal, dass sich jeder Bus auf ein bestimmtes Thema fokussiert: GreenTech im Norden, Fintech im Westen, E-Health im Osten sowie Landwirtschaft und Hardware im Süden. Im November soll außerdem erstmals eine Tour durch Tunesien stattfinden, an der ausschließlich Frauen teilnehmen dürfen.

Wie schon in den letzten beiden Jahren organisiert Ampion für die besten Teams aus den Bussen Fellowship-Programme. Dabei bekommen die innovativsten Startup-Teams Büroräume in afrikanischen Großstadt-Hubs, ein kleines Stipendium und Zugang zu einem Mentoren-Netzwerk. Bis Ende des Jahres will Ampion außerdem einen Accelerator mit Gesundheits-Schwerpunkt in Nairobi eröffnen. Und weil Gespräche mit Mentoren häufig über Skype laufen, sind Startup-Camps in Planung, um die Fellowship-Teams auch physisch zusammenzubringen. Finanziell unterstützt wird Ampion unter anderem vom Bundeswirtschaftsministerium und Sponsoren aus der Wirtschaft.

Fabian Guhl will zeigen, dass Innovation in Afrika in vielen Bereichen funktionieren kann – deswegen hat er nun auch seine Busse unterschiedlichen Bereichen verschrieben. „Nicht alles hat mit Ebola zu tun“, sagt er. So ließe sich das Präventionskonzept des Diensts Halt!Ebola zum Beispiel leicht auf andere Krankheiten übertragen. Auch dieses Jahr hofft er wieder auf gute Entwicklungen, die helfen können.

Für die Touren bewerben können sich Programmierer, Designer und Business-Fachleute, je nach präferierter Route, noch bis Ende Juli beziehungsweise August direkt auf der Ampion-Webseite. 

Bild: Ampion