TrendSketcher

In Aktion: Anna Luise Sulimma bei der Live-Visualisierung der Vorträge

Gleißende Sonne über dem zentralen Universitätsplatz des Frankfurter Campus Westend. Draußen sind es fast 30 Grad. Drinnen auch. Hierhin hat der Main Incubator die Fintech-Szene zitiert. Zu einer neuen Ausgabe seiner allmonatlichen Vortragsreihe Between the Towers.

Eigentlich soll es um den perfekten Pitch gehen. Die passenden Gebote liefert Earlybird-Partner Christian Nagel. Anschließend stellen sich vier Fintech-Startups dem Publikum vor – es folgen solide Auftritte und ordentliche Präsentationen. Das übliche Prozedere. Doch während die Referenten ihre Reden schwingen, über Bonität, Factoring, Konto-Domains und Anlageklassen sprechen, steht die wohl meist bewunderte Person des Abends am Bühnenrand und stiehlt den Startups die Show.

Die dunkelblonden Haare unauffällig zum Pferdeschwanz gebunden, in der linken Hand ein Klemmbrett, in der rechten einen Zeichenstift: Anna Luise Sulimma visualisiert die laufenden Ausführungen, ihre Zeichnungen auf den Plakaten an der blauen Filzstellwand werden jeweils pünktlich zum Ende eines Vortrags fertig. Sie sollen komplexe Sachverhalte – die Geschäftsmodelle einiger Fintech-Startups gehören sicher dazu – leicht verständlich darstellen.

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Seit sechs Jahren illustriert Sulimma für Startups und größere Unternehmen und animiert Erklärvideos. Die sind in Startup-Kreisen bekanntlich ein beliebtes Mittel, um potenziellen Kunden deutlich zu machen, was ihnen geboten wird. Und ein Blick auf Sulimmas Webseite zeigt: Erklärbedarf scheint es gerade in der digitalen Wirtschaft massig zu geben. Im Portfolio finden sich Zeichnungen zu einem Digital Marketing Talk oder der Zukunftskonferenz La Futura. Konzerne wie Miele oder Skoda scheinen mit Vorliebe Veranstaltungen und Workshops visualisieren zu lassen, in denen es um Innovationen und Hacks geht.

Auch die Begleitung von Pitches in Echtzeit ist für Sulimma nicht ungewöhnlich. Für sie jedes Mal die größte Herausforderung: das Einstellen auf neue Inhalte, verschiedene Branchen und Abteilungen. „Da muss ich mich immer neu vorbereiten, den Kopf leer machen und mich darauf konzentrieren, bewusst zuzuhören“.

An die Informationsvisualisierung wagte sich die zierliche junge Frau erstmals während ihres Mode- und Design-Studiums in den Niederlanden: „Ich hatte ein einjähriges Recherche-Projekt hinter mir. Anschließend stand ich vor einem Aktenordner voll mit Informationen, die ich in wenigen Minuten vortragen sollte. Da habe ich angefangen, Inhalte in kleinen Zeichnungen und Sätzen auf einem großen Papier zusammenzufassen und gesehen, dass man so Zusammenhänge gut erkennen und präsentieren kann.“

2009 machte sich Sulimma selbstständig, gründete TrendSketcher. Heute sieht sie sich als Informationsfilter: „ein Notizblock, der Menschen helfen soll, Sachverhalte besser zu verstehen“. Noch ist TrendSketcher ein Ein-Frau-Betrieb. Doch Sulimma ist, das sagt sie selbst, voll ausgelastet. Eine Vergrößerung ist also nicht ausgeschlossen.

Am Ende des offiziellen Teils pilgert das Publikum am Westend-Campus nach vorne, um sich die Zeichnungen aus nächster Nähe anzusehen. Smartphones werden gezückt, Fotos gemacht. Es gibt viel Lob. Den fachsimpelnden Fintech-Vertretern gefällt die Vorstellung von einer überschaubaren, leicht verdaulichen Zusammenfassung ihrer Geschäftsmodelle. Es dauert nicht lange, da sind die handgemachten Visitenkarten vergriffen.

Und diese Fintech-Startups haben gepitcht. Hier könnt Ihr Euch selbst ein Bild von den entsprechenden Skizzen machen:
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So sieht das visualisierte Konzept der Münchener FinTecSystems GmbH aus, die mithilfe von Online-Banking-Daten Betrugs- und Bonitätsrisiken bei Finanzgeschäften minimieren will.

Bild: Elisabeth Neuhaus/ Gründerszene