Open-Source-App: Sehende helfen Blinden

Keine Zeit für ein Ehrenamt? „Nun, jetzt gibt’s da ne App“, sagt Hans Jørgen Wiberg in seinem TEDx-Vortrag. Der Däne, der selbst sehbehindert ist, verbindet in Be My Eyes per Videochat Blinde mit Sehenden. Damit möchte Wiberg anderen Sehbehinderten helfen, kleine Hindernisse zu überwinden, die sie schnell unbequem werden können.

Ein Beispiel: Die Dose mit der Kokosnussmilch. „Drei Konserven stehen im Schrank, aber man weiß nicht mehr, welche die richtige ist. Soll man’s riskieren?“ fragt Wiberg bei dem Vortrag. Lieber nicht. Anstatt schon wieder Nachbarn oder die Familie zu fragen, solle jetzt die App helfen. Sehbehinderte Nutzer können eine Anfrage starten und sofort eine Antwort über den Chat erhalten – so das Prinzip. Kann ein Helfer gerade nicht, wird die Anfrage direkt zum nächsten weitergereicht. Bereits 2013 präsentierte Wiberg seine Idee bei dem TEDx-Vortrag. Vor 12 Tagen, am 15. Januar, ging die App dann endlich live.

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Seit dem Start vor 12 Tagen haben sich bei Be My Eyes knapp 100.000 Sehende und 8.000 Blinde registriert. Laut des Zählers auf der Seite wurde über 20.500 Mal geholfen. Das wären im Schnitt über 1.700 Anfragen am Tag. Um Missbrauch zu vermeiden, werden alle Nutzer der App bewertet. Außerdem können sie andere blockieren, sollten sich Anrufer und Helfer so gar nicht verstanden haben.

Die App, die als Open Source konzipiert ist, ist kostenlos und wurde von einem Team aus Freiwilligen in Kopenhagen auf die Beine gestellt. Dabei hat der Dänische Softwareentwickler Robocat geholfen. Bis jetzt ist die App nur für iOS zu haben; Android-Nutzer können sich registrieren und bekommen eine Nachricht, sobald die Version fertig ist. Wer die weitere Entwicklung unterstützen will, kann auf der Webseite die To-Do-Liste finden.

Wilberg hofft, viele mit der Non-Profit-App zu der kleinen Hilfe zwischendurch motivieren zu können. „Wenn wir etwas Zeit haben, dann vertreiben wir sie mit Spielen wie Angry Bird, Jelly Splash und Fruit Ninja“, sagt er bei TEDx. „Das geht noch besser.“

Bild: Emil Jupin & Thelle Kristensen, bemyeyes.org