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Apple-Aktie: Talfahrt, Höhenflug oder goldene Mitte?

Apple steht erneut unter Beobachtung und scheint vor allem bei den Anlegern zunehmend Bauchschmerzen herbeizuführen. Die Apple-Aktie war zu Spitzenzeiten bis zu 540 Euro wert. Aktuell sieht es hingegen nicht ganz so rosig aus. Apples Aktienkurs ist deutlich im Keller. Experten sind der Meinung, dass es für den Sinkflug gleich mehrere Gründe gibt. Anzuführen sind dabei unter anderem die hohen Erwartungen der Apple-Fans im Hinblick auf neue Produkte, die Apple wohl mit dem iPhone 5 beispielsweise nicht erfüllen konnte.

Des Weiteren werden immer wieder Schreie nach einer neuen Revolution laut. Ursache Nummer drei sollen allerdings auch Verkäufe von Hedgefonds im Millionenbereich sein. Der iPhone-Fertiger verfügt über ein gigantisches Barvermögen. Niemand weiß so recht, warum Apple das Geld förmlich hortet und welche großen Investitionen auf dem Plan stehen. Im Gespräch ist unter anderem der Kauf von Loewe, um sich entsprechende TV-Innovationen einzuverleiben. Trotz Spekulationen zu neuen Apple-Produkten befindet sich die Aktie weiterhin in einer Talfahrt. Wird Apple es gelingen, das Ruder wieder herum zu reißen?

Zenit erreicht?

2012 war für Apple ein sehr erfolgreiches Jahr. Schließlich verkaufte das in Cupertino ansässige Unternehmen im letzten Quartal so viele iPhones wie noch nie. Erneut konnte ein Rekordgewinn verbucht werden. Sagenhafte sechs iPhones pro Sekunde brachte Apple im vierten Quartal unter die Leute. Aber was ist mit der Aktie los? Gilt diese doch für viele als der Unternehmens-Indikator schlechthin.

Obwohl die Stimmung seitens Apple recht positiv ist und Tim Cook stolz über die großen Barreserven berichtet, scheinen die Anleger sich langsam von Apple abzuwenden. Das jedenfalls lässt die Talfahrt der Apple-Aktie zunächst vermuten. Böse Zungen behaupten sogar, dass man am Tiefgang der Aktie sehen kann, dass Apple den Zenit bereits erreicht habe und der Konkurrenz alsbald den Vorrang im Smartphone Markt gewähren müsse.

Massive Hedgefonds-Verkäufe

Einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge scheint jedoch die Ursache für den rapiden Abfall der Apple-Aktie eine andere zu sein. Massive Hedgefonds-Verkäufe werden hier in den Raum geworfen. Als prominenteste Beispiel nennt Reuters den Omega Advisors und Viking Global Investors Fond. Letztere verkauften 1,1 Millionen Anteilsscheine. Auch die Verkäufe von Omega Advisors mit 266.000 Einheiten dürften nicht unerheblich zu dem Verlust der Apple-Aktie beigetragen haben.

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Laut Reuters folgten aber noch weitere Fonds den prominenten Beispielen, die ebenfalls ihre Pakete zumindest teilweise wieder verkauften. Kurios ist dabei, dass es genau diejenigen Fonds sind, welche die Apple-Aktie Anfang 2012 erst in gigantische Höhen steigen ließen. Experten sind sich sicher, dass der Aktienkurs bis zu diesem Zeitpunkt viel zu schnell empor stieß. Nun scheint sich der Kurs aber langsam wieder zu fangen. Justin Walters von der Bespoke Investment Group ist sich sicher, dass viele die jetzt verkauft haben, in drei Monaten wieder kaufen werden.

Apples Hoffnungsträger: Innovationen

Ob die Apple -ktie aber wieder die magische 800-US-Dollar-Grenze knacken wird, bleibt abzuwarten. Schließlich scheinen noch mehrere Faktoren eine Rolle zu spielen, die im Gesamtkonzept nicht nur die Anleger beunruhigen, sondern auch so manchen Fan zum Grübeln bringen. Apple erfährt durch Samsung und auch weitere Mitstreiter allein auf dem Smartphone-Markt einen immer größer werdenden Konkurrenzkampf. Das iPhone verkauft sich weiterhin gut, dennoch sichern sich die anderen kontinuierlich weitere wichtige Marktanteile. Apple wird nahezu schon gezwungen, einige Traditionen zu brechen und sich dem aktuellen Markt anzupassen.

Im Gespräch ist unter anderem ein günstigeres iPhone, das größtenteils aus Plastik bestehen soll und für knapp 330 Euro angeboten werden könnte. Wie bereits angesprochen, könnte Apple mit solch einem Einstiegs-iPhone durchaus neue Märkte erschließen und auch in Schwellenländern, wie China, Indien und Russland Fuß fassen. Apple wäre dann auch in der Lage, Samsung im Billig-Smartphone-Segment durchaus zu konkurrieren.

Ein Apple-Smartphone, was aber im Vergleich zum Spitzenmodell nur noch die Hälfte kostet, bedeutet für den iPhone-Fertiger zugleich auch eine geringere Gewinnmarge. Der Kundenkreis dürfte sich allerdings vergrößern, da auch diejenigen ein iPhone kaufen könnten, die bisher keine 600 Euro dafür ausgeben wollten. Dieser Plan kann und wird zunächst auch aufgehen. Allerdings scheint sich im Hinblick auf die gesamte Smartphone-Nachfrage in den nächsten zwei Jahren eine Sättigung einzustellen.

Smartphone-Markt bald gesättigt

Berichten des Finanzdienstleisters JP Morgen zufolge besaß vor einem Jahr knapp ein Prozent der Weltbevölkerung ein Smartphone. Allein 2013 soll diese Zahl auf 27 Prozentpunkte ansteigen. Diese Sättigung schlägt sich im Umkehrschluss aber auch auf die Absatzentwicklung der großen Smartphone Hersteller nieder. Wird 2013 noch von 37 Prozent ausgegangen wird für 2014 nur noch ein Anstieg um 17 Prozent prognostiziert. Apple könnte also auch mit dem Vertrieb eines Billig-iPhones schon bald an die Grenzen stoßen.

Laut den Berechnungen von Finanzexperten ist es nicht unwahrscheinlich, dass Apples operativer Gewinn im Smartphone-Sektor innerhalb der nächsten vier Jahre um 27 Prozent zurück geht. Schließlich könnte Apple mit dem Verkauf eines Billig-iPhones durchaus Marktanteile gut machen oder bereits bestehende festigen. Große Sprünge würden allerdings einem Wunder gleich kommen.

iWatch, Apple HDTV, KFZ Hifi und Co

Erneut wird also die Frage nach der nächsten großen Apple-Innovation laut. Apple wäre nicht Apple, wenn das Unternehmen nicht alle Hebel in Bewegung setzen würde, um auch in Zukunft wieder neue Trends zu setzen. In den geheimen Laboren der Apple-Ingenieure wird bereits eifrig an einer neuen Smart-Watch getüftelt. Bis zu 100 Mitarbeiter sollen mit dem iWatch-Projekt vertraut sein. Schafft es Apple diesem “Very Important Computer” ein anschauliches Design zu verpassen und vor allem die Oberfläche Bedienungsfreundlich zu gestalten, könnte eine kleine aber durchaus intelligente Armbanduhr Apples “next big thing” im Jahr 2013 werden. Das nötige iOS sowie die technologisch wertvollen Komponenten hat Apple jedenfalls parat.

Darüber hinaus wird weiterhin heiß über ein Apple HDTV spekuliert. Erneut kommen die Gerüchte auf, dass Apple kurz vor der Übernahme des deutschen TV Fertigers Loewe steht. Denkbar wäre auch, dass Kooperationen mit großen Autokonzernen wie BMW, Audi oder Mercedes einen weiteren Markt für Apple erschließen könnten. Das Stichwort ist hier KFZ Hifi. Auch die Weiterentwicklung des jüngsten Zugpferdes, das iPad Mini, hat durchaus Potential bezugnehmend auf den Absatzmarkt. Die zweite Generation des Mini Tablets soll unter anderem mit einem hochauflösendem Retina Display ausgestattet werden.

Zuletzt sorgten auch die Apple Stores für gute Nachrichten. Apples ausgeklügeltes Filialsystem generierte in der jüngsten Vergangenheit Umsätze im Millionenbereich. Es ist also noch genug Potential vorhanden. Apple steht keinesfalls kurz vor dem Aus. Apple befindet sich eher in einer Umgewöhnungsphase die mehr oder weniger durch den Wandel der Zeit hervorgerufen wurde.

Apple hat das Geld

Unter Berücksichtung der enormen Kapitalreserven die Apple inne hat, sieht es für den iPhone-Fertiger gar nicht so schlecht aus, wie viele vielleicht meinen. Apple wird in diesem und auch im nächsten Jahr weiterhin solide Gewinne mit den Verkäufen aus der recht breitgefächerten Produktsparte erzielen. Sofern in den nächsten Monaten aber keine neue Produktrevolution in Aussicht ist, dürfte sich der negative Trend von Quartal zu Quartal weiter bemerkbar machen. Mit der Einführung mehrerer iPhone-Modelle – 2013 ist von drei unterschiedlichen Versionen die Rede – könnte Apple das bestehende Geschäft durchaus sichern – mehr aber auch nicht.

Probleme abseits der Aktientalfahrt

Das nötige Kleingeld, um neue Märkte zu erschließen und gar innovative Produkte zu etablieren, ist da. Cupertino kann es durchaus gelingen, auch die Anleger und Fans wieder positiver zu stimmen. Dazu braucht es aber mehr als “nur” neue Produkte. Ausrutscher wie die iOS-Update-Schlappen, der Apple-Maps-Skandal und die Verarbeitungsfehler zu Beginn der iPhone-5-Produktion sollten sich allerdings nicht wiederholen. Hier gilt es ebenfalls wieder Land gut zu machen. Während der mediale Fokus stets auf die Aktientalfahrt abstellt, krankt Apple aber auch in anderen Bereichen.

Neben dem iOS-Skandal, der nicht abreißen mag, da immer noch Sicherheits-Probleme trotz neuer Updates bestehen, kehrten auch viele OS-X-Entwickler dem iPhone-Fertiger den Rücken zu. Adam C. Engst verfasste bei TidBITS einen längeren Artikel über die aktuelle Problemlage bei Apple. So gilt Mac OS X 10.6 Snow Leopard immer noch als das stabilste Apple-OS aller Zeiten. Weiterentwicklungen wie Lion konnte leider nicht an dem Erfolg anknüpfen, heißt es in dem Bericht weiter. iTunes und auch der AppStore werden als weitere Baustellen genannt.

Die nächsten Monate sind entscheidend

Die kommenden Jahre werden durchaus interessant für Apple. Es gilt das vorhandene Potential wieder mehr zu nutzen und sich auf die wesentliche Dinge zu konzentrieren, als schnell ein Produktupdate nach dem anderen zu liefern. Apple gilt als Hersteller der vorrangig das Segment der Premium-Produkte bedient. Ein rapider Imagewechsel zum Billighersteller dürfte den sicheren Untergang bedeuten, da hier andere bereits den Ton angeben. Der gesunde Mittelweg dürfte allerdings die Apple-Zukunft ausmachen.

Man darf gespannt sein, welche Innovationen schon bald die Herzen der Apple-Fans wieder höher schlagen lassen. Die Resonanz im Hinblick auf eine iWatch beispielsweise fällt dabei durchaus positiv aus. Entscheidend für den Trend der Apple-Aktie sind aber die nächsten drei bis vier Monate.

Bild: Flickr / KWalk