apple care protection plan

Apple vs. EU-Verbraucherrechte

Für viele ist der Kauf eines Apple-Geräts etwas Besonderes. Schließlich sind diese nicht billig und oft muss lange auf das gewünschte Produkt gespart werden. Hat man das Objekt der Begierde dann endlich in der Hand, sollte sich der Käufer auch entsprechende Gedanken über dessen Schutz machen. Neben den offensichtlichen Dingen wie Schutzhüllen oder Cases bietet Apple auch die Möglichkeit, die Garantie des gekauften Produktes zu verlängern.

Standardmäßig bietet Apple ein Jahr Herstellergarantie. Wenn der Kunde aber zusätzlich beim Kauf des Produktes einen Apple Care Protection Plan erwirbt, so ist die Garantie verlängerbar. Eine gute Sache, möchte man meinen. Doch gerade wegen dieses besagten Care Protection Plan hat Apple momentan in mehreren europäischen Ländern mit rechtlichen Problemen zu kämpfen.

Was ist Apple Care?

Wer ein Apple-Gerät kauft, hat normalerweise ein Jahr Garantie. Über diese Garantie lassen sich auftretende Schäden in der Regel reparieren, vorausgesetzt, sie sind nicht vom Nutzer verursacht worden, wie zum Beispiel Sturzschäden oder ähnliches.

Wem dieses eine Jahr nicht reicht, der hat die Möglichkeit, beim Kauf seines Gerätes einen Apple Care Protection Plan zu erwerben. Dieser kostet von 29 Euro für das Apple TV bis hin zu 349 Euro für das MacBook Pro mit Retinadisplay. Der Apple Care Protection Plan für iDevices verlängert die Garantie von einem Jahr auf insgesamt zwei Jahre. Bei den Macs wird die Garantie von zwei Jahren auf drei Jahre verlängert.

Alle Schäden, die in der Garantiezeit auftreten, können dann über den Apple Care Protection Plan abgewickelt werden. Außerdem verlängert sich auch der Telefonsupport, den Apple normalerweise in den ersten 90 Tagen bietet, um die Geltungsdauer des Apple Care Protection Plans. Welche Schäden die Garantieverlängerung aus dem Hause Apple genau abdeckt, sind hier noch einmal nachzulesen.

Rechtliche Situation in der EU

Innerhalb der EU ist der Käufer allerdings auch ohne Apple Care Protection Plan noch besonders geschützt, was auch der Grund für den rechtlichen Ärger ist, mit dem Apple nun in einigen EU-Staaten zu kämpfen hat.

1999 verabschiedete die EU eine Richtlinie, die die Rechte des Käufers beim Verbrauchsgüterkauf von einem gewerblichen Händler spezifizierte. Insbesondere sind die Rechte des Kunden bei einem Mangel der Kaufsache geregelt. Die Mitgliedsstaaten hatten bis zum 1.1.2002 Zeit, die Richtlinie umzusetzen. In Deutschland geschah dies mit der Schuldrechtsreform.

Wer von einem gewerblich agierenden Händler ein Produkt erwirbt, der hat durch den Händler eine zweijährige Gewährleistung auf dieses Produkt. Diese Gewährleistung greift allerdings nur, wenn der Mangel beim Kauf schon bestanden hat. In den ersten sechs Monaten muss der Verkäufer also beweisen, dass ein eventueller Mangel erst nach dem Kauf entstanden ist. Nach Ablauf dieser sechs Monate findet eine Beweislastumkehr statt. Nun muss der Käufer beweisen, dass der Mangel bereits beim Kauf bestanden hat. Dies gestaltet sich in der Praxis oft schwierig.

Die Gewährleistung ist jedoch ganz klar von der Herstellergarantie abzugrenzen. Gewährleistung wird durch den Verkäufer gewährt. Wer sein Apple-Gerät also in einem Apple Store oder online bei Apple kauft, der muss sich im Gewährleistungsfall auch an Apple wenden. Wenn man jedoch etwa bei Mediamarkt gekauft hat, dann muss sich auch dorthin gewendet werden.

Die Garantie wiederum ist eine freiwillige Leistung des Herstellers. Er muss keine Garantie geben, kann aber. Außerdem kann er bestimmte Schäden von der Garantie ausschließen. Dafür gilt die Garantie in den meisten Fällen auch für Schäden, die auf einem Mangel beruhen, der beim Kauf noch nicht vorhanden war. So schützen die meisten Hersteller, auch Apple, den Kunden über die Garantie beispielsweise vor Schäden durch Materialermüdung.

Geldstrafen für ungenügende Aufklärung

Zusammenfassend gilt: Kauft man als europäischer Kunde ein Gerät bei Apple, so hat man zwei Jahre Gewährleistung durch den Verkäufer und ein Jahr Garantie durch den Hersteller, die mit dem Apple Care Protection Plan verlängert werden kann.

Dennoch geriet Apple in der EU wegen des Apple Care Protection Plans unter Beschuss. Den Anfang machte Italien, als Apple Ende 2011 zu einer Geldstrafe von 900.000 Euro verurteilte wurde. Grund hierfür war die Tatsache, dass die Kunden beim Kauf eines Apple Care Protection Plans nicht hinreichend über die sowieso bestehende Gewährleistung aufklärt wurden, um so einen höheren Kaufanreiz zu schaffen. Weil Apple auf diese Kritik nicht ausreichend reagierte, mussten sie 2012 eine weitere Geldstrafe zahlen.

Inzwischen werden Apple-Kunden in Italien wie auch in jedem anderen europäischen Land beim Kauf eines Apple Care Protection Plans auf die Gewährleistung hingewiesen.

Andere Länder und EU-Kommission ziehen nach

2012 schaltete sich auch die EU-Kommission in die Angelegenheit ein. Kritisiert wurde, dass Apple bewusst versuchen würde, dem Käufer beim Kauf zu suggerieren, dass es nur eine einjährige Garantie gebe. Auf die EU-Verbraucherrechte werde nicht hinreichend hingewiesen, trotz der Tatsache, dass Apple extra eine Support-Seite zu dem Thema geschaltet hatte. Man forderte die Mitgliedsstaaten auf, aktiv gegen Apple vorzugehen.

Genau dieser Aufforderung kamen diese dann schließlich nach. Apple muss sich zurzeit in mehreren europäischen Ländern wegen dem Apple Care Protection Plan verantworten. Am aktuellsten ist eine Klage in Belgien, in der die Verbraucherschutzorganisation Test-Aankoop ähnliche Vorwürfe wie die Italiener erhebt.

Welchen Mehrwert bietet der Apple Protection Plan?

Bei all dem Ärger sollte trotzdem erwähnt werden, dass der Apple Care Protection Plan auch Vorteile gegenüber der Gewährleistung bietet. Zuerst das Offensichtliche: Zumindest für die Macs gilt der ACPP ein Jahr länger als die Gewährleistung, nämlich drei Jahre. Wichtig ist aber auch, dass der ACPP vor Schäden nach dem Kauf schützt.

Innerhalb der Gewährleistung ist es oft nur mittels eines Gutachtens möglich, nach Ablauf der ersten sechs Monate zu beweisen, dass ein Mangel schon beim Kauf bestand. Im Rahmen des ACPP trifft den Kunden keine Beweispflicht. Unter Umständen kann sich der Kauf des ACPP also dennoch lohnen. Ob dem so ist, ist von Gerät zu Gerät unterschiedlich.

Die Entscheidung liegt beim Kunden

Ist sich der Käufer des Unterschiedes zwischen der Gewährleistung und dem ACPP bewusst, so gibt es kein Problem. Der Kunde kann für sich individuell entscheiden, ob der zusätzliche Schutz des ACPP das Geld wert ist.

Problematisch bleibt es aber weiterhin, wenn Apple die Rechte des Kunden soweit verschleiert, als dass ihm ohne entsprechendes Hintergrundwissen nicht bewusst ist, dass er Rechte über die Gewährleistung hat. Ob das so jedoch auch nach den Änderungen in Apples Verkaufsstrategie bezüglich des Protection Plans ist, müssen wohl die lokalen Gerichte klären.

Bild: thelefty – Fotolia.com
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