iphone se

Ein Billig-iPhone ist das neue iPhone SE nicht – aber der Einstiegspreis von 489 Euro für die Version mit 16 Gigabyte Speicher ist der günstigste Einführungspreis für ein neues iPhone bislang. Und das, obwohl im iPhone SE im Wesentlichen die selbe Highend-Technik steckt wie im großen Bruder iPhone 6S – abgesehen von der 3D-Touch-Technik.

Damit macht Apple mit dem iPhone SE in kleinerer 4-Zoll-Größe erstmals Kompromisse bei der Traummarge des Apple-Smartphones, um mehr iPhones zu verkaufen. Denn die Gewinnmaschine Apple läuft zwar seit Jahren rund – aber Wachstum und Ausblick machen den Investoren Sorgen.

Weil Apple über Jahre kein wirklich günstiges Telefon im Angebot hatte, hat es wichtige Schwellen- und Entwicklungsländer quasi kampflos der Konkurrenz der Android-Smartphones überlassen. Die haben dort inzwischen ihr Ökosystem aus Apps fest etabliert, während Apple an Bedeutung verliert, selbst im Apple-Vorzeigemarkt unter den Schwellenländern: China. Das schmälert die Chancen für das iPhone selbst dann, wenn der Wohlstand in diesen Ländern steigt.

Apples vergrößert seine Produktpalette

Der Preis für die Einführung günstigerer Apple-Geräte ist das allmähliche Ausfransen des Produktangebots. Lange überzeugte das Unternehmen die Kunden auch dadurch, dass es eben nicht unzählige Varianten der beliebtesten Produkte gab – es gab das iPhone in zwei Farben und ein paar Ausstattungsvarianten, die sich nur in Preis und Speichergröße unterschieden.

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Inzwischen sind iPhone und iPad nicht nur in zahlreichen Farben und unterschiedlichen Speichergrößen zu haben – immer häufiger kommen neue Produktvarianten von Apple einfach hinzu und die alten werden zu einem günstigeren Preis weiterverkauft. So ersetzt das neue iPad Pro im Standardformat 9,7 Zoll nicht etwa das iPad Air 2, sondern ergänzt es. Das iPad Air 2 wird lediglich im Preis gesenkt.

Apple hat damit einen bequemen Weg gefunden, auch für Kunden mit kleinerem Geldbeutel attraktiv zu werden, ohne offensiv die Preise seiner Premium-Produkte zu senken. Denn diese machen Apple zu der Gewinnmaschine, die der Konzern seit Jahren ist.

Doch die Ausweitung des Produktportfolios nach unten ist notwendig, weil das Wachstum bei den Premium-Geräten allmählich an Grenzen stößt. Apple ist daher dazu übergegangen, gegenüber Investoren die Umsätze aus dem Verkauf von Software über den App Store stärker zu betonen. Und um hier eine Wachstums-Story zu erzählen, zählt vor allem die Anzahl an iOS-Geräten insgesamt. Diese lässt sich um so stärker ausweiten, je weiter Apple mit seinen Preisen nach unten geht.

Bei der Vorstellung des neuen iPhone SE und iPad Pro war Apple-Chef Tim Cook dementsprechend auch auf eine Zahl besonders stolz: Mehr als eine Milliarde aktive iOS-Geräte. Für die Zukunft bedeutet das: Ein “Billig-iPhone” ist nicht mehr undenkbar.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Welt Online.

Bild: Apple