Arago Hans Christian Boos KKR

„Wir haben uns für das Problemlösen entschieden“

18 Jahre lang selbst finanziert und nun ein – dem Vernehmen nach gut zweistelliges – Millioneninvestment von der bekannten New Yorker Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts, das ist sicherlich nicht die typische Tech-Story. In Frankfurt am Main ist sie so passiert. Arago heißt das Unternehmen, gegründet wurde es von Hans-Christian „Chris“ Boos, damals Anfang 20, und seinem Onkel Bernhard Walther schon im Jahr 1995.

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Im Kern geht es bei Arago um Künstliche Intelligenz. „Das gibt es fast nur in Unis, alles angewandte haben Facebook oder Google bereits aufgekauft“, sagt Firmengründer Boos. Arago orientiere sich dabei am Menschen: „Die Maschinen sollen Dinge eigenständig erledigen, damit wir es nicht müssen. In den Filmen geht es beim Thema künstliche Intelligenz immer ums verlieben. Wir haben uns stattdessen für das Problemlösen entschieden.“

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Am Anfang habe man Medizin und IT als potenzielle Anwendungsgebiete ausgemacht. Und sich dann entschieden: Letzteres soll es werden, bei der Medizin könnte es zu viele rechtliche Komplikationen geben. Die Entscheidung hält Boos übrigens auch heute noch für richtig: „Die IT macht alles besser für andere, nur sie selbst funktioniert immer noch wie vor 20 Jahren.“

Schnell gab es dann eigene Dienstleistungen: „Webprojekte für ,verrückte’ Anwendungsfälle“ sagt Boos. Was er damit meint: für Szenarien, die es eigentlich noch nicht gab. Online-Banking etwa, oder E-Government, beides war zur Jahrtausendwende noch Neuland. Das verdiente Geld wurde in Forschung und Entwicklung reinvestiert, gleiches gilt für die gewonnenen Erfahrungen.

Schritt-für-Schritt entwickelte sich dann das heutige Angebot. „Die Software funktioniert wie ein Junior-Administrator“, erklärt der Firmengründer. Datenqualität kontrollieren, Betriebssysteme verwalten, Lagerbestände entsprechend Lieferterminen managen – alles, was man anklicken kann, könne die Software eigenständig erledigen. Im Gegensatz zu dummen Ablaufskripten soll die Systemadministration so intelligent automatisiert werden können, manuelles Eingreifen damit überflüssig sein. „Es werden Milliardenbeträge ausgegeben, um die Systeme am Laufen zu halten“, sagt Boos. „Von der Verschwendung von Talent ganz zu schweigen.“

Warum er gerade jetzt fremdes Kapital aufnimmt? Arago will nachlegen, die Technologie und mit ihr das Geschäftsmodell skaliere gut, erwartet Boos. Die frischen Millionen sollen neben neuen Mitarbeitern – derzeit beschäftigt Arago knapp 100 Leute – vor allem in Technologien investiert werden, die dem Unternehmen derzeit noch fehlen: echtes proaktives Handeln zum Beispiel. Zwar wird der Kontext auch heute schon mit in die Algorithmen einbezogen. Die allerdings reagieren bislang nur auf Auslösesignale. Das selbst zu entwickeln, dauere aber zu lang. „Ein Zukauf in naher Zukunft ist wahrscheinlich“, verrät der Firmengründer.

Bild: Arago