Asgard-Capital-Fabian-Westerheide

Fabian Westerheide, ehemals Frühphaseninvestor bei Point Nine Capital und Gründer von Wunsch-Brautkleid, hat einen eigenen VC gestartet. Mit Asgard Capital, so der episch anmutende Name des Wagniskapitalgebers, will der Berliner laut Website in alles investieren, „was spricht, fliegt, sich bewegt, beschützt, filmt, lernt, denkt, das Leben verbessert oder einfach toll aussieht“.

Seine Neuschöpfung sieht Westerheide als „Boutique Investor“. „Unter Boutique VC verstehe ich Investoren, die sehr spezialisiert sind“, erklärt Westerheide auf Nachfrage von Gründerszene. „Wir investieren nur in Technologien, die die Welt in zehn Jahren bewegen: Roboter, künstliche Intelligenz, Drohnen, Connected Hardware und so weiter. Wir haben so gesehen einen engen Fokus, wobei unser Aktivitätsfeld schon sehr umfassend ist.“

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Mit „wir“ meint der Gründer auch Analysten und Venture Partner, die er für bestimmte Fragestellungen ins Boot hole. Das Ganze solle wie eine Art Remote-Netzwerk aus Experten im Bereich Finanzen und Industriefertigung funktionieren. „Wir haben ein großes Netzwerk an Produzenten, Zulieferern und Interessengruppen aus dem produzierenden Gewerbe“, so Westerheide. Geführt wird das Unternehmen jedoch vom Gründer allein. Investieren wird er eigenes Vermögen, aber auch Geld Dritter. Und zwar schon recht bald: Laut Aussagen des VCs befänden sich derzeit bereits drei Investments in der finalen Verhandlungsphase.

Welche das sind, verrät Westerheide noch nicht, nur so viel: Er wolle bereits in recht frühen Unternehmensphasen einsteigen. Erstinvestments lägen dabei bei einer Höhe von 50.000 bis 250.000 Euro. Folgeinvestments könnten sich auf Summen von bis zu zwei Millionen Euro belaufen. „Tendenziell steigen wir lieber etwas früher ein, sobald das Team ein MVP vorweisen kann“, so Westerheide.

Gegründet hat er den VC bereits im Sommer 2014. Die BaFin-Lizenz, die mittlerweile alle europäischen VCs brauchen, habe er jedoch erst Anfang 2015 erhalten. Erst dann konnte er den ersten Fonds auflegen. Dieser sei zwar noch nicht geschlossen, investieren kann Westerheide dennoch bereits – nach dem sogenannten Evergreen-Modell: „Das heißt, dass ich konstant Investoren aufnehmen kann und nicht warten muss, bis alle ihre Zustimmung gegeben haben“, klärt der Asgard-Capital-Gründer auf.

Der Name des VCs kommt übrigens nicht von ungefähr: Er habe eine Vorliebe für nordische Mythologie und Science Fiction, so Westerheide, und Asgard sei praktischerweise nicht nur der Wohnort eines nordischen Göttergeschlechts, sondern auch ein hochgradig technologisiertes Volk aus der Serie „Stargate“. Asgard stehe damit auch für den High-Tech-Fokus des VCs.

Mit der erklärten Vorliebe für Hardware setzt sich Westerheide von seinen ehemaligen Arbeitgebern Team Europe und Point Nine Capital ab – sie investieren fast ausschließlich in Internetportale. Auch Westerheides eigener Online-Marktplatz Wunsch-Brautkleid hat mit Zukunftstechnologien wenig zu tun. Wann manifestierte sich also sein High-Tech-Interesse?

Bereits während seiner Kindheit habe Westerheide, so erzählt er, durch seine Unternehmer-Eltern Betriebsluft schnuppern können – in den Bereichen Automobil, Kunststoffe und Maschinenbau. Mit zwölf Jahren habe er zudem angefangen, an PCs zu basteln und Browsergames zu entwickeln. Vor seiner Zeit bei Team Europe habe er dann für verschiedene Automobilzulieferer gearbeitet.

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„Meine Vision ist, dass jeder Bereich unseres Lebens digitalisiert wird. Anfangs waren es Medien, Handel und soziale Netzwerke. Jetzt greift das Internet auf die reale Welt über. Autos und Gebäude sind bereits online. Bald wird jedes Gerät in unserem Leben online sein. Ob Kühlschrank, Tür, Bett, Waschmaschine oder Zimmerbeleuchtung“, sagt Westerheide, der zudem davon überzeugt ist, dass es bis 2030 einen Roboter für jeden Menschen geben werde.

Und was wird nun aus dem Hochzeitskleider-Marktplatz, den Westerheide 2012 gemeinsam mit Michael Heid gründete? „Wunsch-Brautkleid wächst ordentlich organisch und ist profitabel. Weiterhin ist Wunsch-Brautkleid mein Baby, doch läuft das Kind inzwischen von alleine ohne die Hilfe seiner Eltern. Daher nehmen wir uns die Freiheit und haben uns weiteren Projekten zugewandt“, erklärt Westerheide.

Bild: www.argard.vc