Die Students räumten mit alten Ideen auf

Am Freitag vergab Potsdams Innovationsschule für Studenten, die „School of Design Thinking“ des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts (HPI), die Abschlusszeugnisse des zweiten Jahrgangs. Gründerszene hatte bereits über den von SAP-Gründer Hasso Plattner eingerichteten Studiengang berichtet, anlässlich des Besuchs von IDEO-Gründer David Kelley.

Das zweisemestrige Zusatzstudium am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam richtet sich an Studierende, die kurz vor ihrem Abschluss stehen. Pro Semester werden höchstens 40 Studierende angenommen. Studiengebühren fallen nicht an. Die Ausbildungsdauer beträgt ein Jahr – bei zwei Präsenztagen in Potsdam pro Woche. Vorbild war die „d.school“ der US-Eliteuniversität Stanford im Silicon Valley, das Schwesterinstitut des Potsdamer HPI. Neuartig an der akademischen Zusatzausbildung ist, dass sowohl die vier bis fünf Studenten pro Lerngruppe als auch ihre Professoren und Dozenten jeweils aus ganz unterschiedlichen Disziplinen kommen.

Im zweiten Jahr haben sich die 40 Absolventen des interdisziplinären Zusatzstudiums acht Innovationsprojekten gewidmet, die im zweiten Fachsemester zusammen mit den Projektpartnern Metro Group Future Store Initiative, T-Home, DHL, SAP, Charité-Stiftung, Value5, Palomar5 und dem Land Brandenburg entwickelt worden waren. Die 40 Studenten stammen aus rund 30 verschiedenen Studiengängen an 17 Berliner und Brandenburger Hochschulen und erhielten ihre Zertifikate aus der Hand von HPI-Direktor Professor Christoph Meinel und D-School-Leiter Professor Ulrich Weinberg.

Die Präsentation der jungen Studenten waren überdurchschnittlich gut und reichten von 3D-Animationen über Talkrunden bis hin zu professionellen Videotrailern.  Hier ein Überblick der entstandenen Innovationen:

  • Land Brandenburg: Unter dem Titel „Plan B – Brandenburg selber machen“ zeigt das Konzept, wie innerhalb von  fünf Wochen Bürger und Landesbehörden in Teamarbeit neue E-Government-Lösungen entwickeln können.
  • Metro Group Future Store Initiative: Ein neuartiges Kühlregalsystem für Milchprodukte stellt die Verfügbarkeit von Ware mit ausreichendem Haltbarkeitsdatum sicher, kühlt stärker und verbraucht gleichzeitig weniger Energie als konventionelle Regale.
  • Palomar 5: Hier entstand eine Mehrzweckjacke als eine Art tragbare Privatsphäre. Das neuartige Kleidungsstück lässt sich stufenweise bis hin zu einem abschirmenden Zylinder entfalten, um Rückzugsmöglichkeiten inmitten einer Tagung zu bieten.
  • T-Home: Mit einem mobilen Flachbildschirm in Lebensgröße soll geografisch getrennt voneinander wohnenden Menschen das Erleben klassischer Alltagssituationen erleichtert werden. Das Telepräsenzsystem ist für Nutzer von schnellen Internetanschlüssen gedacht.
  • Charité-Stiftung: Ein neu entworfenes Hilfsmittel für die Notaufnahme von Kliniken soll vor allem alte, demente Patienten von der Krankenhaushektik abschirmen, ihnen eine beruhigende Privatsphäre ermöglichen und das Personal alarmieren, falls der Kranke aus dem Bett aufstehen und die Notaufnahme verlassen möchte.
  • DHL Der Paketdienst der Zukunft in Innenstädten funktioniert als soziales Netzwerk, bei dem jeder mit anpackt: Durch eine Kurzmitteilung auf dem Handy erfährt jeder Netzwerker, an welcher Stelle ein Päckchen zur Mitfahrt auf seiner gewählten Route wartet.
  • SAP: Ein Satz einfacher, handfester Werkzeuge, soll Managern bei der Planung und Einführung komplexer Unternehmens-Software helfen. IT-unterstützte Geschäftsprozesse können so von den Beteiligten an einem Tisch und mit anfassbaren Mitteln fast spielerisch visualisiert werden.
  • Value 5: Mit einem multimedialen Baukastensystem soll die Motivation von Telearbeitern mit ihrem Auftraggeber gefördert werden. Die innovative Lösung umfasst unter anderem kurze Videos, intelligente und personalisierte Feedbacksysteme und eine Art monatliches Zeugnis per Telefonat.

Die Absolventen der D-School stellen sicherlich für jedes StartUp potentiell spannende Praktikanten oder Mitarbeiter dar, sind sie doch speziell im Entwickeln von Innovationen trainiert. Wer selbst Student der D-School werden möchte, kann sich noch bis zum 31. Juli 2009 online bei der D-School bewerben und Teil der dritten Generation werden. Auf der Internetseite finden Bewerber die benötigten Angaben.

Hier wie immer ein paar Impressionen in Bildform, geschossen von Kersten A. Riechers: