Philip Kamp, Mitgründer von Auxmoney

Auxmoney will dem P2P-Modell treu bleiben

Mit siebenjähriger Markterfahrung ist Auxmoney inzwischen kein Jungunternehmen mehr, fühlt sich aber aufgrund seiner Historie noch immer als Startup: Das P2P-Kreditportal wurde 2007 von Raffael Johnen, Philipp Kriependorf und Philip Kamp gegründet und startete zunächst als offener Marktplatz; Anfang 2013 wurden sowohl Strategie als auch Geschäftsmodell geändert – nachdem Auxmoney teils heftiger Kritik wegen hoher Gebühren und unzureichender Transparenz ausgesetzt war.

Im Interview mit Gründerszene erzählt Mitgründer Philip Kamp, wie sich ein großer Anfangsfehler zur heute größten Stärke des Unternehmens entwickelte, weshalb er in Banken keine Konkurrenz sieht – und welchen entscheidenden Vortel Auxmoney gegenüber dem Rocket-Venture Lendico besitzt.

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Auxmoney ist breits sieben Jahren am Markt. Weshalb habt ihr euer Geschäftsmodell im vergangenen Jahr gedreht?

Wir haben als komplett freier Marktplatz angefangen, bei dem jeder Kreditnehmer auf jeden Anleger treffen konnte – und das hat einige Risiken mit sich gebracht. Wir haben es dem Kreditnehmer damals selbst überlassen, wie viel er über sich selbst sagen und inwieweit er über seine Bonität Auskunft geben möchte. Damals war unser Verdienstmodell eine Gebühr für die Einstellung des Finanzierungswunsches der Kreditnehmer.

Unser ursprüngliches Konzept hat zwei Probleme mit sich gebracht. Erstens haben wir festgestellt, dass – obwohl der Kreditnehmer durchaus bereit war, diese Gebühr zu bezahlen, – wir von der Presse immer wieder dafür verurteilt worden sind, Leuten Geld abzunehmen, obwohl nicht sicher ist, dass am Ende tatsächlich ein Kredit über unsere Plattform zustandekommt. Eine weitere Problematik war, dass Anleger über die Plattform eben auch Geld in Kredite gesteckt haben, die nicht finanzierungswürdig waren. Die Anleger waren also nicht genügend geschützt vor Kreditnehmern, die nicht rückzahlungswillig waren.

Und was macht ihr jetzt anders?

Seit Anfang 2013 ist der Kreditantrag bei uns gratis. Zudem prüfen wir seitdem vorab die Kreditfinanzierung für die Anleger durch ein eigenes Scoring, sodass Kreditnehmer, die für ein Investment nicht werthaltig genug sind, gar nicht erst auf den Marktplatz kommen. Dieser massive Unterschied war quasi wie ein Neustart für uns. Auch und gerade weil wir uns zwischendurch neu erfunden haben, verstehen wir uns bei Auxmoney auch immer noch als Startup.

Was unterscheidet euer Scoring-Verfahren von dem externer Anbieter?

Unseren Score haben wir auf der Basis unserer Erfahrungen im Markt entwickelt – fünf Jahre lang haben wir mit einem offenen Kreditmarktplatz Erfahrungen gesammelt. So müssen schlechte Bonitäten und schlechte Scores nicht unbedingt ein Zeichen dafür sein, dass ein Kreditnehmer ausfällt. Stattdessen gibt es andere, softe Faktoren, die aussagekräftiger sind. Zum Beispiel, wie viele Rechtschreibfehler der Kreditnehmer in seiner Projektbeschreibung macht oder ob er eine Kreditkarte besitzt. Unser eigenes Scoring-Modell erfasst insgesamt um die 3.000 Datenpunkte, davon sind die meisten zwar unerheblich, ungefähr 300 davon sind aber – gewichtet – aussagekräftiger als beispielsweise ein Schufa-Score.

Euer Anfangsfehler war also im Endeffekt keine rein negative Erfahrung?

Ganz im Gegenteil, der entpuppte sich im Nachhinein als das größte Asset, das wir jetzt haben. Hätten wir diesen Fehler nicht gemacht, würden wir heute wohl genauso wie die Banken sehr vorsichtig agieren und viel weniger Leuten einen Kredit geben – einfach aufgrund mangelnden Know-hows.

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Greift ihr denn gar nicht auf externe Scoring-Dienstleister wie Schufa und Co. zurück?

Doch. Wir reichern unseren Score sicherheitshalber noch mit den Scores externer Dienstleister an. Es könnte ja passieren, dass ein potenzieller Kreditnehmer alle Kredite bei seinen Hausbanken hat platzen lassen. Das können wir ja nur über externe Anbieter erfahren. Aber es ist eben nicht das alleinige Entscheidungsmerkmal wie bei anderen Kreditplattformen.

Was versprecht ihr euch denn von einem eigenen Scoring-Modell?

Wir haben damit einen automatisierten Weg gefunden, der es ermöglicht, gerade in dem Bereich, wo die Banken nicht agieren möchten – weil es ihnen vom Prozess her zu kostenintensiv ist, Kredite zu vergeben. Wir können jetzt also auch den Kreditnehmern eine Chance geben, die bei einer Bank völlig anders behandelt werden, wie zum Beispiel Selbstständigen, oder sogar denen, die bei der Bank komplett durch das Raster fallen.

Trotzdem werden auch bei euch 80 Prozent der Kreditanfragen von vornherein abgelehnt. Wie kommt das?

Wir hören mit der Kreditvergabe weit später auf als die Banken. Das hat sich wohl rumgesprochen und so erhalten wir viele Anfragen von Menschen, die nicht mehr kreditwürdig sind. Diese Anfragen müssen wir dann leider ablehnen. Wir richten uns eher an das Mittelfeld, das es bei der Bank zwar schwer hat, bei dem es sich aber durchaus noch lohnt, Kredite zu vergeben.

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Bild: Auxmoney

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