axel-springer welt n24

Springer: Suche nach neuen Geschäftsmodellen

Axel Springer baut sein Engagement im Silicon Valley aus: Im Januar 2014 wird eine ständige Repräsentanz des Medienkonzerns in Palo Alto eingerichtet, vermeldet das Berliner Unternehmen. Ziel sei es, Investitionsoptionen in strategisch relevante Startups und Frühphasen-Fonds vor Ort zu sondieren. Geschäftsführer in Kalifornien wird Anton Waitz, seit Juni 2012 Assistent von Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner.

Waitz soll das Springer-Netzwerk im Silicon Valley ausbauen und „relevante Geschäftsmodelle und Technologien für Axel Springer“ identifizieren. Außerdem betreut er das Joint Venture mit dem Plug & Play Tech Center.

Anzeige
Allerdings stehen Springers Valley-Botschafter offenbar nur überschaubare Summen für seine Investments zur Verfügung  – wie das Handelsblatt schreibt, sei der Konzern nicht bereit, „pro Beteiligung mehr als einen einstelligen Millionen-Euro-Betrag auszugeben“.

Schon seit Mitte 2012 schickt Springer Führungsleute des Konzerns nach Palo Alto, sie dürfen dort bis zu sechs Monate lang die Startup-Landschaft erforschen und Kontakte aufbauen. Der erste und bislang prominenteste Besucher war medienwirksam Bild-Chefredakteur Kai Diekmann.

Die Ankündigung kommt nach zwei ereignisreichen Wochen für den Traditionsverlag, in denen Konzernchef Döpfner den digitalen Konzernumbau weiter vorangetrieben hat. Die wichtigsten Ereignisse:

  • Springer wandelt seine Rechtsform von einer deutschen in eine europäische Aktiengesellschaft (SE). Zukünftig soll der Konzern in einer Holding-Struktur organisiert werden, in der die Geschäftsbereiche als selbständige Einheiten arbeiten.
  • Mit der Akquisition von N24 und der geplanten Integration in die Welt-Gruppe will Springer seine multimediale Kompetenz im Netz stärken.
  • Sechs Monate nach Einführung einer Paywall auf der Seite der Bild-Zeitung kann der Konzern bilanzieren: Über 150.000 Leser haben ein Digital-Abo abgeschlossen – eine vergleichsweise gutes Ergebnis, das andeutet, dass mit journalistischen Inhalten im Netz tatsächlich Geld zu verdienen ist.
  • Und Springer gibt sich ein neues Konzern-Leitbild mit dem vielsagenden Titel „Homepage“. Das dreiseitige Papier soll vor allem den Mitarbeitern, die durch Döpfners Digitalisierungsschwenk verunsichert sind, Orientierung geben. Klare Ansage im ersten Satz: „Sinn und Seele des Unternehmens Axel Springer ist der Journalismus“.
Springer Wer wir sind und was wir wollen
Mitarbeit: Niklas Wirminghaus. Bild: Alex Hofmann