Spotted vs. Badoo: Wer war zuerst da?

25 Tweets feuerte Tung Nguyen gestern Abend kurz hintereinander ab, gerichtet an verschiedene deutsche Journalisten. Der Mitgründer des Heidelberger Dating-Startups Spotted ist sauer: Er glaubt, das Londoner Dating-Unternehmen Badoo habe Ideen seiner Firma kopiert.

Über was regt sich Nguyen auf? Spotted-CEO Nik Myftari verweist im Gespräch mit Gründerszene auf eine neue Version der Badoo-App, die kürzlich gelauncht wurde. In dieser Version, so Myftari, würden Funktionen, Formulierungen und Designs verwendet, die der der Spotted-App gleichen würden. Diese Überschneidungen findet Myftari „mehr als merkwürdig“.

Der Hintergrund: Anfang November 2014 habe er dem Badoo-Gründer Andrey Andreev nach einem kurzem Austausch über LinkedIn das Pitchdeck von Spotted zugeschickt – also die Präsentation mit der Geschäftsidee der Firma. Danach habe er nie wieder von Andreev gehört, dafür kürzlich die Änderungen in der Badoo-App bemerkt.

Auf Nachfrage von Gründerszene widerspricht Badoo den Anschuldigungen ausdrücklich. Die Neuerungen in der App hingen in keiner Weise mit dem Spotted-Pitchdeck zusammen, betont eine Unternehmenssprecherin. Außerdem: „An dem Konzept arbeitet unser Produkt-Team bereits seit 2012. Im September 2014 ging es dann in die Entwicklung“ – also bevor Myftari das Pitchdeck verschickte und sogar bevor Spotted überhaupt gegründet wurde. Das Startup ging Anfang 2013 an den Start, damals noch unter dem Namen Bibflirt.

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Sind die Ähnlichkeiten also zufällig? Einmal geht es um das Spotted-Logo, bei dem sich zwei Location-Pins zu einem Herz ergänzen, und ein ähnliches Symbol, das Badoo für ein neues Feature verwendet. Allerdings benutzen viele Apps, die auf standortbezogene Dienste setzen, solche Pins in ihren Logos. Zweiter Kritikpunkt: Badoo benutzt neuerdings die Formulierung „über’n Weg gelaufen“,  bei Spotted heißt es „über den Weg laufen“. Kopie? Klingt nach einer alltäglichen Beschreibung. So alltäglich, dass sie sogar noch von einer dritten Dating-App verwendet wird: der viel gehypten Happn-App, die Anfang 2014 startete.

Spotted ist nicht das einzige Unternehmen, das der Konkurrenz Ideenklau unterstellt. Der Erste, der Kreativste und der Erfolgreichste – das möchte jeder sein; Google, HTC und Amazon haben so einige Patentklagen am Hals. Die langwierigen Rechtsstreitigkeiten zwischen Apple und Samsung sind das beste Beispiel dafür, wie weit Unternehmen gehen, um ihre Ideen zu schützen. Und sie zeigen: Meist ist es ganz schön schwierig, festzustellen, wer tatsächlich am Schnellsten war.

Bild:Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Thomas8047