Die Botschaft ist natürlich längst angekommen. Die Finanzinstitute arbeiten hart in Sachen Innovation und Digitalisierung. Sie haben verstanden, dass sich ihr Geschäft dramatisch verändern wird. Neue Ideen müssen her. Und deshalb gibt es auch schon einige Kooperationen mit Startups. Auf Konferenzen tauscht man sich aus und versucht zu verstehen, was da in nächster Zeit auf die Branche zukommt. Eine neue Studie der Boston Consulting Group liefert jetzt Zahlen zum Thema Privatkundenbanken, die die Veränderungen beziffern.

Anzeige
Bereits in vier Jahren werden laut der Studie weniger als die Hälfte der Erträge über traditionelle Bankfilialen erzielt. Heute sind es zwei Drittel. Auf digitale Kanäle sollen im Jahr 2019 bereits über 35 Prozent der Erträge entfallen. Neue, digitale Wettbewerber wie FinTechs werden sich damit Marktanteile von acht bis zwölf Prozent gesichert haben. Den klassischen Bankfilialen entgeht dadurch ein Ertragspotenzial von sechs Milliarden Euro. Der Vergleich der europäischen Märkte zeigt, vor welcher dramatischen Markt- und Wettbewerbssituation die deutschen Banken stehen:

  • Im deutschen Privatkundengeschäft gingen seit 2009 Erträge in Höhe von 5,1 Milliarden Euro (8,6 Prozent) verloren. Sie beliefen sich 2014 auf 54,0 Milliarden Euro.
  • Bis 2019 werden die Erträge um weitere 2,7 Milliarden Euro (4,9 Prozent) schrumpfen.
  • Den Privatkundenbanken geht damit innerhalb von nur zehn Jahren mehr als ein Achtel ihrer Ertragsbasis verloren, bei gleichzeitigem Anstieg der Kosten für regulatorische Anforderungen.

Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret warnte in seinem Eröffnungs-Vortrag beim Symposium „Bankenaufsicht im Dialog“ in Frankfurt davor, die Digitalisierung zu verschlafen und einfach nur abzuwarten: „In einer Umbruchphase wird das vermutlich in eine Sackgasse führen. Stillstand ist Rückschritt.“ Firmen wie PayPal oder Apple hätten neue Formen des Bezahlens eingeführt. Dombret: „Bereits heute beginnen im Internet etablierte Unternehmen, ihren riesigen Kundenstamm und ihre Erfahrung mit digitalen Prozessen und Datenmanagement mit Bankleistungen zu verknüpfen.“ Derzeit hätten die meisten deutschen Banken noch Nachholbedarf. „Während die meisten Banken noch ihre Schilder auf die Straße stellen und so um Kunden werben, sind einige Vorreiter schon deutlich digitaler unterwegs und empfangen ihre Kunden im Netz.“

Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Moritz Sirowatka