Malte Lauenroth, Florian Bücklers, Erik Witt, Hannes Kuhlmann und Felix Gessert (v. l. n. r.) arbeiten an Baqend

Eigentlich möchte man nur schnell etwas mit dem Smartphone nachschauen. Doch trotz bester Netzverbindung baut sich die Seite langsam auf oder die App öffnet erst Sekunden später. Kaum etwas nervt User mehr als lange Wartezeiten. Das Hamburger Startup Baqend hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, das Webangebot ein bisschen schneller zu gestalten. Dafür setzt es mit seinem Geschäftsmodell genau dort an, wo es zu langen Verarbeitungszeiten und Übertragungswegen kommt: im Backend.

Das ist einfacher gesagt als getan. Aus diesem Grund haben CEO Felix Gessert und CTO Florian Bücklers schon zu Studiumszeiten nach Lösungsansätzen gesucht. Mit der Bacherlorarbeit von Gessert und fünf Jahren Forschung an der Uni nahm alles seinen Lauf: Erst wurden die Datenbanken der Uni optimiert, danach schauten sich die Entwickler um, welche Plattformen sich ebenfalls verbessern lassen. Ende Februar wurde Baqend schließlich gelauncht. Schon jetzt können die Gründer eine Partnerschaft mit der Deutschen Presse Agentur vorweisen und arbeiten bereits mit den App-Entwicklern von Acto, einer Social-Networking-Plattform, mit der sich Verabredungen unter Freunden organisieren lassen.

Baqend setzt mit seinem Service auf die sogenannte Cache-Sketch-Methode. „Damit ist ein wichtiger Baustein gemeint, Cache nutzbar zu machen,“ erklärt Mitgründer Malte Lauenroth. Der Cache dient als eine Art Zwischenspeicher. Seitenelemente oder auch Bilder, die nicht mit jeder Verlinkung neu aufgebaut werden müssen, werden beispielsweise im Cache gespeichert. Dadurch lädt die Seite insgesamt schneller. Letztlich leitet das Startup die App oder die Seite durch den eigenen Cloud-Service. Darüber wird dann die Optimierung des Cache vorgenommen. Das Unternehmen greift dafür auf das Amazon AWS Rechenzentrum in Frankfurt am Main zurück.

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Den Unternehmensangaben zufolge betrage der Seitenaufbau einer durchschnittlichen E-Commerce-Website etwa 9,3 Sekunden. Viele User würde in dieser Zeit abspringen. Die Gründer berufen sich dabei auch auf Studien von Amazon und Google, die das Problem kennen: Amazon verbuche demnach einen Umsatzrückgang von einem Prozent, sobald die Seite 100 Millisekunden langsamer lade. Durch die Nutzung der Cache-Methode soll der Seitenaufbau deutlich beschleunigt werden. Baqend wirbt damit, die Ladezeiten um das 2,5 bis 8-fache zu senken.

Das Angebot richtet sich vor allem an Entwickler neuer Apps, Seitenbetreiber oder auch Agenturen mit Text-Content. „Wir machen die neuen Systeme schneller. Wir wollen auch dabei mithelfen, die Entwicklungszeit zu verkürzen,“ sagt Lauenroth gegenüber Gründerszene. Neben der kompletten Caching-Infrastruktur bietet das Startup auch Integrationen in bereits bestehende Datenbanken. In Zukunft wolle man aber mehr bei der Neuentwicklung von Apps mitwirken, betont der Mitgründer.

Im Cloud-Computing-Geschäft besetzt das Hamburger Startup mit seinem Geschäftsmodell eine Lücke, die vor einiger Zeit noch durch Parse, einem Cloud-Services für Mobile-App-Entwickler, ausgefüllt wurde. Der Backend-Dienst wurde 2013 von Facebook aufgekauft. Bis 2017 soll die Plattform jedoch komplett eingestellt werden. Das Angebot gilt mittlerweile als veraltet. Facebook wolle sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren und nicht in Wettbewerb mit Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud treten, heißt es laut Medienberichten. Auch deshalb wittern die Gründer von Baqend ihr Chance. Das Startup wird noch durch die Stadt Hamburg bis zum Ende des Jahres finanziert. Die Vorbereitungen für die erste Seedrunde sind jedoch bereits im Gange.

Wir freuen uns jetzt schon auf die neue Generation von Apps und Webseiten, die in Zukunft in Millisekunden ihr komplettes Angebot präsentieren. Der Webauftritt von Baqend.com ist bereits ein gutes Beispiel dafür, wie zügig Seiten trotz zahlreicher Animationen geladen werden können.

Bild: Baqend