Karim Barkawi

Karim Barkawi, Gründer und Geschäftsführer der Beratungsboutique

Der Super-Inkubator, der keiner ist: Vor Monaten kündigten Rocket Internet und die Unternehmensberatung Roland Berger vollmundig einen neuartigen Startup-Brutkasten an. Der sollte das beste aus beiden Welten – Startup-Know-how und Beratung – vereinen. Nur wurde nie etwas daraus. Dagegen planen sie jetzt einen „Corporate Digital Excubator“.

Deutlich weiter ist hier eine kleine Beratungsboutique mit Fokus auf Supply-Chain-Management aus München. Die Barkawi-Gruppe agiert unterhalb des Szene-Radars – hat aber in den vergangenen zehn Jahren eine Reihe von Startups gegründet. Unter den sechs Jungunternehmen befindet sich etwa das erfolgreiche B2X, ein Customer-Care-Spezialist, der derzeit einen dreistelligen Millionenumsatz erwirtschaftet.

Karim Barkawi ist der Gründer und Geschäftsführer der Beratung mit angeschlossenem Inkubator. Der Münchner im Gespräch mit Gründerszene.

Karim, du hast Luft- und Raumfahrttechnik studiert. Auf welchem Umweg kommt man von diesem Thema zu einer Beratung?

Gute Frage (lacht). Nach dem Studium habe ich bei einer großen Unternehmensberatung als Praktikant angeheuert – um Geld zu verdienen. Für heutige Verhältnisse war das ein überschaubarer Stundenlohn. Aber es hat mich angefixt und ich bin auf den Geschmack bekommen.

Die Unternehmensberatung Roland Berger und Rocket Internet hatten vor Monaten einen Super-Inkubator angekündigt, doch daraus wurde dann nichts. Wie ist deine Meinung dazu?

Mit liegt fern, das zu bewerten. Aber aus einer Beratung heraus können Ideen zum Erfolg führen. Das ist ein Konzept, das wir seit zehn Jahren praktizieren. Damals wurden Interessenskonflikte und Verzettelung unterstellt, wenn Berater auch operativ tätig wurden oder an operativen Unternehmen beteiligt waren. Und mittlerweile scheint das, was wir damals propagiert haben, in Mode zu kommen.

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Ihr habt in zehn Jahren sechs Unternehmen aufgebaut. Wie geht ihr das Inkubatoren-Thema an?

Beim Begriff Inkubator denke ich daran, dass wildfremde Personen auf den Förderer zukommen, mit den unterschiedlichsten Ideen, aus den unterschiedlichsten Bereichen und Geld und Kontakte suchen. Bei uns ist es eher so, dass wir aus unseren Projekten den Bedarf für eine Dienstleistung erkennen, die wir dem Kunden nicht als Berater, sondern als operative Dienstleister anbieten können. Wir gehen also von einem konkreten Marktbedarf aus und haben die Expertise. Und nach einigen Jahren in der Beratung haben wir auch die notwendigen Finanzmittel.

Ihr habt die finanziellen Mittel: Welches Investment steckt ihr in die Unternehmen?

Wir finanzieren oft die ersten Jahre selbst. Das heißt, wir stellen Mittel bereit für Gehälter, Mieten, Reisekosten, Prototypenbau und Marketing. Später nutzen wir das mittlerweile recht gute Netzwerk von externen Kapitalgebern.

Wie eigenständig sind diese Ausgründungen?

Das ist unterschiedlich. Meistens sind wir Mehrheitseigner, aber ich bin ein großer Freund von strategischen Partnerschaften und Mitarbeiterpartizipation. Die Unternehmen verfügen über ein starkes und selbstständiges Management. Wenn wir keine externen Geldgeber haben, dann sind wir deutlich die größten Anteilseigner. Wenn wir Venture Capital reinholen, sind wir einer der zwei oder drei größten Shareholder. Aber operativ sind die Unternehmen unabhängig und absolut eigenständig.

Sitzen diese Unternehmen dann auch bei euch?

Am Anfang sitzen sie hier, haben also ein Dach über dem Kopf und können die Corporate-Dienstleistungen in Anspruch nehmen, von Konferenzraum bis Reisebüro. Aber ab einer bestimmten Größenordnung gehen sie dann raus.

Nennt ihr diese Ausgründungen dann eigentlich Startup? Diesen Begriff hast du bisher nicht verwendet.

Es sind wirklich Startups, da aus einer Idee ein Produkt wird, aus einem Produkt ein Kundengeschäft mit Umsätzen wird und irgendwann profitables Wachstum hinzukommt. Wir durchlaufen alle Phasen, die ein Startup durchläuft. Ich spreche aber von Ausgründungen, da sie im Verbund mit unserer Gruppe entstehen.

Sind eure Unternehmen bereits profitabel?

B2X ist im Customer-Care-Bereich tätig und das größte unserer Unternehmen, bei dem wir extrem viel investieren, da die Firma von derzeit 100 Millionen Umsatz noch weiter signifikant wachsen soll. Mit unseren beiden stark expandierenden Unternehmen B2X und Teqcycle befinden wir uns in der Nähe des Break Evens, wobei unser Fokus zur Zeit auf Wertsteigerung und Wachstumsbeschleunigung und damit verbundenen Investitionen liegt – und nicht auf der kurzfristigen Gewinnmaximierung. Alle weiteren Unternehmen sind profitabel.

Ihr habt bisher ausschließlich im B2B-Bereich gegründet. Wollt ihr euch auch in den B2C-Bereich vortasten?

Wir machen oft B2B2C und kommen über Multiplikatoren auch an den Konsumenten. Ich will aber nicht ausschließen, dass wir auch mal direkt den Endkonsumenten bedienen. Aber zur Zeit ist das nicht der Schwerpunkt.

Würdest du die Taktzahl, mit der ihr Unternehmen gründet, als langsam bezeichnen?

In zehn Jahren neben der Beratung sechs weitere Unternehmen aufzubauen, empfinde ich nicht als langsam. Wenn ich es aber nochmal machen würde, dann würde ich es eher in Serie schalten. Wir haben sehr viel parallel gemacht, weil es Chancen im Markt gab, die wir nutzen wollten. Aber wenn ich es mir hätte aussuchen können, hätte ich es anders getaktet, um sich besser auf ein einzelnes Unternehmen fokussieren zu können und es in zwei bis drei Jahren in die Profitabilität zu führen. Aber man kann sich das ja nicht immer aussuchen, denn der Markt wartet nicht.

In welche Richtung wird eure nächste Gründung gehen?

Ich kann zumindest Stichworte geben. Wir werden uns intensiver mit dem Thema „Shared Mobility“ auseinandersetzen, also mit der effizienteren und nachhaltigen Nutzung von Verkehrsträgern. Und in unserem Kerngebiet Supply Chain Management werden wir weitere Produkte anbieten, mit denen weltweite Lieferketten besser gesteuert werden können.

Zum Schluss: Wie schätzt du die aktuelle Lage für Startups in Deutschland ein?

Man könnte denken, dass alles Disruptive aus dem Valley kommt. Das liegt an dem Mut und der Risikobereitschaft der Investoren dort. Ich habe den Eindruck, dass es in Deutschland einen gewissen Herdentrieb gibt, wenn ein bestimmtes Geschäftsmodell aus den USA in Mode kommt. Dann stürzen sich alle auf ein Thema oder ein Unternehmen – und Kapital steht nahezu unbegrenzt zur Verfügung. Ich würde mir wünschen, dass auch hierzulande Investoren den Mut finden, in wirklich neue Ideen zu investieren. Denn auch in Deutschland gibt es kreative Denker, gute Konzepte und ehrgeizige Jungunternehmer.

Danke für das Gespräch.

Bild: Barkawi Group