basslet

Das Basslet am Handgelenk überträgt Musik zusätzlich zum Kopfhörer auf den Körper

„Startup-Held“ Daniel Büttner im Interview

Immer neue Generationen von Kopfhörern versprechen das ultimative Hörerlebnis: satte Bässe, klare Höhen oder die perfekte Passform. Doch eines können sie nicht: die Musik körperlich fühlbar machen. Daniel Büttner will nun mit einem Tech-Armband genau das ermöglichen. Das Basslet funktioniert wie ein Bass-Lautsprecher und kann sehr tiefe Musikfrequenzen auf den Körper übertragen.

Daniel Büttner kam die Idee zu Basslet.

Büttner arbeitete als Kontrabassist in Liverpool und New York. Von 2006 bis 2014 war er als Produktmanager bei der Berliner Musik-Software-Firma Ableton beschäftigt und betreute alle Produkte im Bereich Instrumente und Sound Design, hier entstand die Idee zu Basslet. Unter dem Unternehmensdach der Berliner Rescued Ideas GmbH baut Büttner seit Mai 2014 zusammen mit anderen Musik- und Hardware-Experten von Texas Instruments, Sony Mobile, Nokia und Native Instruments an dem Gerät. Eine limitierte Serie des Armbands soll Anfang 2016 erscheinen.

Daniel Büttner im Gespräch über die Funktionsweise des Gadgets, das Basslet-Gefühl und Kickstarter.

Wie kamst Du auf die Idee, ein Musik-Armband zu entwickeln?

Die Fühlbarkeit von Musik hat mich schon immer fasziniert. Mit 14 Jahren wechselte ich vom Synthesizer zum Kontrabass, da ich ein Instrument suchte, dessen Ausdruck nicht durch Regler kontrolliert wird. Später arbeitete ich bei einer Musik-Firma an Konzepten, wie man elektronische Instrumente haptisch zum Leben erwecken kann. Ich arbeitete sofort an Prototypen und stellte unter anderem fest, dass die körperliche Wahrnehmung von Musik auch für Musikhörer spannend ist. Ich zeigte meine Prototypen einem Dutzend Freunden und hatte plötzlich ein Dutzend Bestellungen. Zum ersten Mal kann man Musik auch unterwegs körperlich wahrnehmen.

Kannst Du beschreiben, wie sich das Basslet anfühlt?

Bei Vibration denken viele an die Handy-Vibration oder den sanften Druck der Apple Watch. Handy-Vibrationen geben lediglich eine Frequenz aus, die wie eine Glühbirne an oder ausgeschaltet werden kann. Das Basslet hingegen benutzt eine neuartige Technologie, die wie ein Bass-Lautsprecher funktioniert und sehr tiefe Musikfrequenzen ohne Nebengeräusche auf den Körper überträgt. Es fühlt sich an, als hält man einen Kontrabass in der Hand oder als lehne man sich gegen einen Bass-Lautsprecher. Die interessante Entdeckung hier ist, dass unser Gehirn diese Bass-Wahrnehmung ganzheitlich als Musik hört, auch wenn die Vibration nur an einer Stelle des Körpers anliegt. Wir haben Leuten einen Kopfhörer aufgesetzt und als das Basslet zugeschaltet wurde, drehten sie sich um und sagten: „Der Bass ist jetzt lauter geworden“. Den Trick hinter dieser Wahrnehmung möchten wir natürlich noch nicht verraten.

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Du bist Musiker. Inwiefern hilft Dir diese Expertise bei der Entwicklung von Hardware?

Jedes Instrument, von Triangel bis Kontrabass, schwingt und überträgt diese Schwingungen an den Musiker. Dieses haptische Gefühl ist für jeden Musiker essenziell, es erlaubt uns, das Instrument zu meistern und stellt zudem eine sehr intime Verbindung zwischen Musiker und Instrument her. Als Kontrabassist hatte ich sehr hohe Erwartungen an die Qualität des Basslets. Es muss die Musikschwingungen akkurat reproduzieren und sich wie ein echtes Instrument anfühlen. Das hat zunächst zu Schwierigkeiten geführt, da keine Vibrationstechnologie auf dem Markt derart akkurat arbeitet. Wir haben es letztendlich geschafft, einen der besten Mechanical Designer im Robotics- und Haptikbereich für unser Team zu gewinnen und arbeiten derzeit an unserer eigenen Technologie, die hinsichtlich Leistung und Artikulation alles übertreffen wird.

In welchem Entwicklungsstadium befindet sich das Produkt?

Wir haben soeben unseren zweiten drahtlosen Prototypen fertiggestellt. Jede Iteration wird ausführlich mit Anwendern getestet, wir sammeln Erfahrungen und Feedback zu technischen Problemen, die es noch zu lösen gilt. Der nächste große Schritt ist der erste Prototyp, der Industrial Design und Miniaturisierung verbindet.

Das Armband erscheint wie gemacht für Kickstarter. Wollt ihr den Weg über Crowdfunding gehen?

Das Basslet wird derzeit durch Seed-Investitionen finanziert. Wir sind offen für weitere Investments, verschiedene Gespräche laufen bereits. Die Kickstarter-Kampagne ist für Ende 2015 vorgesehen und wir freuen uns sehr darauf, das Basslet im Detail vorzustellen. Wir legen neben der Technologie sehr viel Wert auf die Marke und den kulturellen Kontext. Wir denken, dass Musik raus aus dem Kopf und in den Körper muss. Da die Basslet-Erfahrung neu ist und erst durch das Ausprobieren ihre volle Überzeugungskraft entfaltet, wird die Kickstarter-Kampagne zeigen, ob wir die Basslet-Musikerfahrung auch in Bild und Text überzeugend beschreiben können.

Daniel, danke für das Gespräch.

Bilder: Basslet