Lebt den American Dream: Bastian Lehmann

Er hat geschafft, wovon viele andere träumen: Mit dem Lieferdienst Postmates hat Bastian Lehmann einen Tech-Erfolg im Silicon Valley aufgebaut. Die Idee: Kuriere holen Waren beim Laden in der Stadt ab und liefern sie ein bis zwei Stunden nach der Bestellung beim Kunden ab. Gesteuert wird das alles per Algorithmus. Der Bote, der am nächsten dran ist, bekommt den Auftrag.

Gründerszene-Lesern dürfte das Modell durchaus bekannt vorkommen: Vor allem in Berlin liefern sich Startups wie Foodora von Delivery Hero oder das aus Großbritannien stammende Deliveroo im gleichen Segment einen Wachstumswettbewerb.

Es geht um die so wichtige „letzte Meile“, also die Meter vor der Haustür der Kunden. Und es geht um den Einzelhandel, der immer deutlicher gegen reine Online-Anbieter wie Amazon zu verlieren droht, weil er den Vorteil der Kundennähe nicht nutzen kann.

Lehmanns „Postmates“, so heißen die Kuriere, begannen mit Essen, wie die meisten Wettbewerber auch. Heute liefern sie weit mehr: So können neben Burgern auch Medikamente oder iPhones über die App bestellt werden. Fast 4.000 Einzelhändler finden sich laut Lehmann auf der Plattform.

Dass er einmal sein eigenes Unternehmen haben würde, sei ihm früh klar gewesen, sagt Lehmann. „Ich habe auch sonst nirgendwo reingepasst“, das habe er über die Jahre und mehrere Berufsstationen hinweg festgestellt.

Seine erste Startup-Idee hatte der heute 38-Jährige bereits 1999. Damals drehte sich für Lehmann, der in Rheda-Wiedenbrück bei Gütersloh aufwuchs, noch alles um seine Auktionsseite. „Aus der ist zwar nie etwas geworden“, gibt er zu. Aber schon damals sei für ihn klar gewesen, dass es ihn ins Internet treiben würde.

Die nächste Station: die Design-Plattform Curatedby. Das Projekt musste Lehmann letztlich zwar auch aufgeben, aber es ermöglichte ihm im Spätsommer 2009 den Schritt ins Silicon Valley. Denn mit der Idee nahm Lehmann am AngelPad-Accelerator teil, wo er auch seine späteren Mitgründer kennenlernte.

Gut ein Jahr später beginnt dann die Arbeit an Postmates. Ein erster Prototyp überzeugt einen Business Angel, der Lehmann und seinen Mitgründern Sam Street und Sean Plaice 250.000 Dollar gibt. Bald sind 750.000 Dollar zusammen.

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Postmates präsentiert sich von Beginn an als amerikanisches Startup. „Sonst hat man keine Chance, Geld zu bekommen“, sagt Lehmann. Heute arbeiten 240 Leute für ihn, viele davon liefern immer wieder auch selbst Waren aus, um den eigenen Dienst zu testen. Auch der CEO macht das, das letzte Mal sei aber schon ein paar Monate her. „Das ist schade, ich würde gern einen Weg finden, das öfter zu machen“, sagt Lehmann.

Mitte 2015 hat das Unternehmen stattliche 80 Millionen Dollar an Wachstumskapital bekommen – bei einer Unternehmensbewertung von knapp einer halben Milliarde Dollar. [Update vom 31.10.2016: Postmates sammelt zur gleichen Bewertung weitere 141 Millionen US-Dollar ein] Mit diesem Kapital im Rücken will Postmates expandieren, auch nach Europa. Warum es für seine Gründung unbedingt das Silicon Valley sein musste, verrät der Postmates-Gründer im Interview…

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