Das ist das Praktikanten-Team von Beach-Inspektor, das derzeit die Strände Mallorcas erfasst.

Sarah Zezulka ist 27, kommt aus der Nähe von Frankfurt und liebt Strände. Weit mehr als hundert hat sie schon besucht – und zwar beruflich. Sie ist die erste Festangestellte des Berliner Startups Beach-Inspector. Ihre Aufgabe: Die Traumstrände dieser Welt erfassen und bewerten.

Zezulka studierte Print-Media-Management, reiste in den Semesterferien durch Südostasien und nach dem Studium durch Südamerika. Und die Reiselust blieb auch nach der Rückkehr nach Deutschland, unbedingt wollte sie wieder ins Ausland. Dann sah sie im letzten Sommer zufällig die Praktikumsausschreibung von Beach-Inspector. „Das hörte sich wie für mich gemacht an“, erzählt sie. Sie schickte die Bewerbung raus und dann ging „alles zack zack“: Sie wurde nach Berlin eingeladen, bekam prompt die Zusage und nach einer einwöchigen Schulung ging auch schon der Flug nach Fuerteventura, wo sie als eine der ersten beiden Praktikantinnen von Beach-Inspector alle 76 Strände der kanarischen Insel erfasste.

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Wie weiß und feinkörnig ist der Sand? Wie gut die Qualität des Wassers? Welche Wassersportarten können Besucher machen? Das klingt nach Urlaub, ist aber Arbeit: „Es ist ein großer Unterschied, ob man in der Sonne entspannt oder jeden Strand komplett abläuft und dabei alles erfassen muss, was der Strand zu bieten hat“, erzählt die 27-Jährige.

Zwei bis drei Strände erfasst Zezulka am Tag. Wenn sie dann mehrere Kilometer in der Sonne zurückgelegt hat, ist sie „schon müde abends“. Dann ist der Tag eines Beach-Inspectors allerdings noch nicht zu Ende: Nach der Stranderhebung setzt sich das Team noch für eine Nachbesprechung zusammen, dann wird gemeinsam das Abendessen gekocht – erst dann haben die Beach-Inspectoren frei. „Demjenigen, der das Praktikum machen will, muss klar sein, dass es kein Erholungsurlaub wird“, betont Beach-Inspector-Mitgründer Kai Michael Schäfer. „Jemand, der hauptberuflich Strandurlaub machen will, den werden wir auch wieder heim schicken.“

Herausforderung Mindestlohn

Vor einem Jahr, im Juli 2014, hatte Gründerszene das erste Mal mit den Machern des Berliner Startups gesprochen. Damals befand sich das Unternehmen noch in der Anfangsphase. Seitdem ist viel passiert. Die Strände von Fuerteventura, Ibiza, Teneriffa und Formentera sind komplett erfasst. Im November wurde die Beach-Inspector GmbH offiziell gegründet, im Mai 2015 ging die Plattform live.

Und eine große Herausforderung musste das junge Unternehmen bereits stemmen: die Einführung des Mindestlohns im Januar. Im Interview mit Gründerszene sagte Mitgründer Schäfer damals: „Hier hat die Bundesregierung einen Rahmen gesetzt, der an der Startup-Realität vorbei geht, jungen Menschen die Möglichkeit nimmt wertvolle Erfahrungen zu machen und die Innovationskraft einer Zukunftsbranche aushebelt.“ Dadurch, dass das junge Unternehmen seinen Praktikanten neben einem Taschengeld in Höhe von 400 Euro auch Reisekosten, Unterkunft, Verpflegung und Mietwagen bezahlt, sei der Mindestlohn einfach nicht realisierbar.

Mit der neuen Regelung kann Beach-Inspector nun also nur noch Pflichtpraktikanten beschäftigen, die vom Mindestlohn ausgenommen sind. Aber obwohl dies in der Stellenanzeige klar kommuniziert sei, würden sich immer wieder auch Leute bewerben, die bereits mit dem Studium fertig seien. „Die müssen wir dann ablehnen, obwohl ein paar richtig tolle Bewerber darunter sind“, sagt Schäfer. „Das ist sehr, sehr schade.“

Taschengeld für Reise-Blogger

Für Sarah Zezulka kam nach dem Praktikum der feste Job bei Beach-Inspector. „Der Tag eines Beach-Inspectors ist lang und anstrengend, aber es gibt nicht viele Jobs, bei denen man in kurzer Zeit so viel erlebt und sieht“, sagt sie. Sie könne mit dem Job ihre Leidenschaft fürs Reisen ausleben und ständig neue Menschen kennenlernen.

Eine der ersten Praktikantinnen: Sarah Zezulka (27)

Derzeit erfasst ein 15-köpfiges Praktikanten-Team unter Zezulkas Leitung die Strände Mallorcas, danach soll es an der Algarve, in Andalusien und an der türkischen Riviera weitergehen. Das Bewertungsverfahren ist dabei standardisiert. So sollen Mitarbeiter mit unterschiedlichen Vorstellungen von einem persönlichen Traumstrand die jeweiligen Küstenabschnitt möglichst objektiv erfassen können.

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Bis Ende 2017 wollen die Gründer insgesamt 14.500 Strände besucht haben – hehre Ziele. Aber, so sagt Mitgründer Schäfer, natürlich sollen nicht alle Strände der Welt von Praktikanten bewertet werden. Das sei „logistisch und auch finanziell sehr, sehr aufwändig“. Daher sollen ab September 2015 ein Korrespondenten-Netzwerk, bestehend aus Reise-Bloggern und Langzeitreisende, ebenfalls Strände abklappern.

Die können sich auf ihren Reisen zu ferneren Stränden wie in der Karibik oder Südostasien etwas dazu verdienen. Bis zu 85 Euro pro erfasstem Strand. Je nachdem wie groß und touristisch relevant dieser ist.

Geld vom Sultanat und dem Reisebüro

Aber auch im Sultanat Oman sind einige Strand-Checker unterwegs. Der kleine Staat auf der Arabischen Halbinsel zählt nicht unbedingt zu den Top-Strandurlaubszielen. Aber der Oman ist der erste Auftraggeber, der Beach-Inspector für die Erfassung bezahlt. Dass eine Destination also ein Interesse daran hat, dass ihr Strandpotenzial auf der Bewertungsplattform visualisiert wird, ist also eine der möglichen Einnahmequellen des Startups. Aber wie soll sonst noch Geld verdient werden?

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Die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle, so Schäfer, seien Umsätze mit Buchungsprovisionen und Click-Out-Modellen. Außerdem will das Startup über Reichweitenvermarktung und Lizenzgeschäfte, zum Beispiel mit Reiseveranstaltern und Online-Reisebüros, Geld verdienen.

Aber: „Das Geldverdienen steht für uns in den ersten zwei Jahren nicht im Fokus“, so Schäfer. „Uns war von Anfang an klar, dass wir bei einer Idee wie Beach-Inspector in Vorleistung gehen müssen, um Reichweite zu generieren.“ Heißt: Zuerst einmal müsse relativ viel Aufwand betrieben werden, um den Basis-Datensatz der Strände vieler Quellmärkte zu erfassen. Zu aktuellen Nutzerzahlen möchte Schäfer nichts sagen.

Bei der Investorensuche hat diese Zielsetzung offenbar aber nicht geschadet: Während der ersten sechs Monate haben die drei Gründer das Unternehmen komplett selbst finanziert, dann stiegen Business Angels ein. Nach eigenen Angaben steht Beach-Inspector nun kurz vor dem Abschluss seiner Seed-Runde. „Man muss doch immer Leute finden, die an die Idee glauben“, sagt Mitgründer Berndorfer. Ab Oktober soll es die Seite auch auf Englisch geben, danach soll eine spanische, französische und portugiesische Übersetzung folgen. Das externe IT-Team bastelt derzeit an einer App, die in den kommenden Wochen in die Stores kommen soll.

Und hier könnt Ihr Euch den Arbeitsalltag eines Beach-Inspectors ansehen:
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So sieht der Arbeitsweg eines Beach-Inspectors aus.

Bilder: Beach-Inspector

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