Eine Erfolgsgeschichte aus Dresden: 2011 von einem von einem achtköpfigen Team um die Gründer Benjamin und Björn Bak gestartet, ist die Flirt-App Lovoo heute eine echte Startup-Größe – mit 150 Mitarbeitern, achtstelligen Umsätzen und beeindruckenden 30 Millionen Nutzern.

Das Besondere: Dieses rasante Wachstum schaffte Lovoo ganz ohne die Hilfe von externen Investoren, das Startup konnte sich stets aus den eigenen Einnahmen finanzieren. „Es lief immer besser als gedacht“, sagt Benjamin Bak.

Der Lovoo-CEO muss sich aber inzwischen auch unangenehmen Themen stellen: Vorwürfen, wonach es massenhaft Fake-Profilen auf Lovoo gebe oder dass das Unternehmen gezielt Nutzer bei anderen Plattformen abgeworben habe.

Benjamin Bak stellt sich im Interview der Kritik – und erzählt mehr über die Wachstumstreiber, intelligentes Marketing und die jüngste Überarbeitung seiner App.

Benjamin, es gibt seit einigen Wochen eine neue Version von Lovoo. Was ist daran neu?

Lovoo bringt Nutzer ab jetzt nicht mehr nur standortbasiert in direkter Nähe zusammen, sondern verbindet Menschen gleichzeitig über gemeinsame Interessen. Unsere Vision ist es, allen eine neue, individuelle Art des Kennenlernens zu ermöglichen. Kurz gesagt: Jeder bekommt bei Lovoo unbegrenzten Raum, um sich nach Belieben darzustellen, die eigene Story zu teilen und am Ende das passende Pendant zu finden.

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Wie genau funktioniert das?

Wir haben uns entschieden, die aktuelle Version um einige Funktionen zu erweitern und unseren Nutzern ein breiteres Spektrum an Möglichkeiten zu bieten. Über Hashtags ordnen sich Nutzer bestimmten Interessengruppen zu und vernetzen sich auf diese Weise mit Gleichgesinnten. Im neuen Lovoo können sie, neben dem obligatorischen Profilfoto, außerdem persönliche Momente und Highlights hochladen und so mehr von ihrer individuellen Persönlichkeit zeigen.

Ihr habt aktuell rund 30 Millionen Nutzer. Das ist unglaublich! Wie habt ihr das geschafft?

Auch für uns ist das rasante Wachstum kaum zu glauben. Vor allem im Ausland wird unsere Nutzerbase immer größer. Besonders stark ist unser Wachstum derzeit in Brasilien, gefolgt von Frankreich. Über drei Millionen Nutzer zählen wir jeweils in diesen Ländern. Das stetige Wachstum verdanken wir einer hohen Viralität der App: Unsere Nutzer empfehlen uns weiter. Natürlich ist es auch von Vorteil, wenn eine App oben in den App-Charts platziert ist. Lovoo wird auf diese Weise schnell gefunden und direkt von Nutzern heruntergeladen. Ein gewisser Anteil gezielter Marketingmaßnahmen hilft uns außerdem dabei, neue Zielgruppen anzusprechen.

Wie macht ihr Werbung?

Wir bauen auf einen Mix aus klassischer Werbung und Social-Media-Marketing. Unser Performance-Marketing-Team in Berlin weiß genau, in welchem Land welche Kanäle besonders gut geeignet sind, um neue Nutzer zu werben. Der größte Teil unserer User gelangt aber organisch, zum Beispiel über die Weiterempfehlung durch Freunde, auf unsere Plattform.

Damit die Apps im App-Store weit oben bleiben, muss die Bewertung stimmen. Wie haltet ihr die Bewertung hoch?

Wir bitten unsere aktiven Nutzer, eine Bewertung abzugeben, um potenziellen Usern einen authentischen Eindruck von der App zu vermitteln und dieser ist äußerst positiv. Damit wir positive Bewertungen erhalten, ist es jedoch essentiell, dass die App reibungslos funktioniert und stetig weiterentwickelt wird.

Als wir einigen Monaten das letzte Mal über euch berichtet haben, beschwerten sich viele Leser in den Kommentaren darüber, dass ihr Fake-Profile habt. Stimmt das?

Wie bei allen reichweitenstarken Social-Network-Apps können wir auch bei Lovoo Fake-Profile nicht komplett ausschließen. Eine große Reichweite lockt schwarze Schafe an. Ein guter App-Anbieter sorgt aber dafür, dass diese schnellstmöglich identifiziert und der App verwiesen werden. Wir gehen deshalb ganz aktiv gegen Fakes vor.

Kannst du beziffern, wie viele Fake-Profile es auf Lovoo gibt?

Die Zahl der Fake-Profile variiert und lässt sich nicht konkret beziffern. Sie bewegt sich aber stets im minimalen Bereich, da wir die Profile dank eines eigenen Fraud-Prevention-Teams schnell erkennen und aktiv blockieren.

Wie genau geht ihr dagegen vor?

Unser Support- und Fraud-Prevention-Team erkennt Fake-Profile anhand spezieller Algorithmen und bekommt zusätzlich Unterstützung von unserer Community: Per Melde-Button in der App kann jeder Nutzer Verstöße gegen unsere Richtlinien kenntlich machen. Diese Meldungen werden anschließend mit höchster Priorität bearbeitet.

Eine andere Kritik lautet, Lovoo ziehe gezielt Nutzer von anderen Dating-Plattformen ab. Ist auch dieser Vorwurf berechtigt?

Lovoo nutzt solche Methoden nicht. Uns ist aber bekannt, dass diverse Anbieter auf diese Weise um neue Nutzer buhlen. Wir hingegen arbeiten mit professionellen Affiliate-Netzwerken zusammen, die die Nutzer über Paid-Marketing-Kanäle auf Lovoo aufmerksam machen. Es kann natürlich auch mal passieren, dass bei unseren über 80 Affiliate-Partnern ein Netzwerk mit nicht legitimen Mitteln arbeitet. Sobald wir davon Wind bekommen, werden diese Publisher aber sofort geblockt.

Hattet ihr so einen Fall schon mal?

Ja, es gab Publisher, die versucht haben, bei Wettbewerbern für unsere Plattform zu werben. Das haben wir aber zügig gemerkt, da wir unsere Mitbewerber regelmäßig im Auge behalten und konnten dementsprechend Konsequenzen einleiten.

Ihr sagt, dass ihr 30 Millionen Nutzer habt. Wie viele davon öffnen die App mindestens einmal im Monat?

Diese Zahl variiert pro Land, Geschlecht und Monat – eine aussagekräftige Ziffer kann ich daher nicht nennen. Nur so viel: Nutzer, die Lovoo einmal ausprobiert haben, bleiben der App einen sehr langen Zeitraum, der sich über Jahre erstrecken kann, treu. Auch dann noch, wenn sie erfolgreich jemanden gefunden haben.

Ihr konntet 2014 einen achtstelligen Umsatz erzielen. Wie genau verdient ihr eigentlich Geld?

Unsere Einnahmen erzielen wir aus In-App-Käufen. Das sind konkret unsere Premium-Mitgliedschaft und unsere virtuelle Währung, mit der Features on top freigeschaltet werden können. Außerdem schalten wir Werbung, die an über 90 Prozent der Nutzer, die Lovoo gratis nutzen, ausgespielt wird.

Seid ihr profitabel?

Wir sind profitabel, aber wir investieren den Umsatz wieder in unser Wachstum.

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Macht ihr also keinen Gewinn?

Doch, wir machen auch Gewinn. Profitabel sind beispielsweise die Märkte Deutschland, Spanien und Frankreich. Aber den Überschuss setzen wir wieder in anderen Ländern ein, die noch nicht profitabel sind, um sie zu pushen.

Und das hat bisher so gut geklappt, dass ihr nie Investoren brauchtet?

Es lief immer besser als gedacht. Wir konnten das weitere Wachstum stets aus unseren Umsätzen generieren. Bisher waren Investoren daher nicht notwendig.

Plant ihr also, demnächst Kapital von Investoren aufzunehmen?

Wir schließen das nicht aus, werden so einen Schritt aber nur gehen, wenn die richtige Konstellation gegeben ist. Wenn wir also einen Partner gefunden haben, der ebenso langfristig orientiert denkt wie wir.

Das heißt, die Anteile liegen immer noch ausschließlich bei euch Gründern?

Genau. Wir sind von Beginn an selbstfinanziert und haben die Anteile auf alle Gründer verteilt.

Vielen Dank für das Gespräch, Benjamin.


So sieht es in den beiden Lovoo-Büros aus – ein doppelter Rundgang in Bildern:

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Der Eingang zum Dresdner Lovoo-Büro.

Bild: Lovoo; Mitarbeit: Niklas Wirminghaus