Zum zehnten Mal hatte das Netzwerk Nordbayern den Hochschulgründerpreis (HGP) ausgelobt, zum zehnten Mal konnten Hochschulausgründer zwischen Aschaffenburg und Regensburg ihre Businesspläne einreichen und zum zehnten Mal gab es strahlende Sieger – bitter enttäuscht wurde nur, wer sich auf eine langweilige Zeremonie im Würzburger Vogel Convention Center eingestellt hatte.

Umfangreiches Knowhow, voll ausgestattete Arbeitsräume und Labore, Förderprämien, Netzwerke und ein makelloses Image – was sich viele Gründerteams hart erarbeiten müssen, ist an Hochschulen meist schon vorhanden. Dieses Potenzial zu nutzen und Studenten direkt aus dem Hörsaal in die Unternehmertätigkeit zu begleiten, ist Ziel des Netzwerks Nordbayern. Als Zusammenschluss staatlicher und privatwirtschaftlicher Institutionen steht es Jungunternehmern hilfreich zur Seite und begleitet sie auf dem Weg von der Geschäftsidee bis hin zur Unternehmensgründung.

Seit elf Jahren prämiert das Netzwerk die besten Gründungsideen im Rahmen des Businessplanwettbewerbs Nordbayern (BPWN): Aus rund 1.500 eingereichten Businessplänen gingen über 400 Unternehmen hervor, die noch immer eigenständig am Markt agieren – sie erzielten 2007 einen Umsatz von rund 300 Millionen Euro und schufen fast 3.200 Arbeitsplätze. Ein besonderes Bonbon gibt es für solche Gründer, die aus dem Umfeld einer Hochschule stammen: Sie können ihre Businesspläne vor einer Jury erfahrener Investoren präsentieren und über den Zusatzwettbewerb des HGP wertvolle Erfahrungen wie auch Kontakte sammeln.

Kein Wunder also, dass die sieben Finalisten des Hochschulgründerpreises 2009 am Donnerstag Vollgas gaben, um die anwesenden Investoren in nur zehn Minuten von ihren Ideen zu überzeugen: Von der Kristallzüchtung zur Herstellung einer neuen Generation von Leuchtdioden über effiziente Wissensorganisation bis hin zur Echtzeiterfassung von Websitebesuchern mit Funktion zur unmittelbaren Kontaktaufnahme – die Bandbreite der Ideen war enorm, eine Prognose der Siegeschancen im Vorfeld kaum zu treffen. Umso schwerer fiel die Entscheidung, wessen Konzept am Abend prämiert werden sollte.

Am Ende die Nase vorn hatte die SensAction AG aus Coburg. Die Entwicklung neuartiger Sensoren, die selbst winzige Kräfte und Konzentrationen bislang unzugänglicher, steriler und ätzender Flüssigkeiten messen können, überzeugte die Juroren. Die Sieger selbst waren überglücklich – sie erhielten nicht nur die Siegprämie von 2.500 Euro, sondern gleich dazu das Ticket zur Endausscheidung des BPWN 2009, abermals dotiert mit 1.500 Euro.

Auf dem zweiten Platz folgte das Würzburger Forscherteam smartmAB, das mit der Entwicklung einer Antikörpertherapie die Behandlung resistenter Bakterienstämme in greifbare Nähe rücken lassen möchte – verlaufen die klinischen Testreihen weiterhin erfolgreich, werden in Krankenhäusern verschleppte Infektionen schon bald der Vergangenheit angehören. Wiederum gab es zur Siegprämie das Ticket zur Endausscheidung des BPWN dazu.

Auch der dritte Preis ging an eine revolutionäre Erfindung aus dem Bereich der Medizintechnik: Die TOM‘5 Radiation Therapy GbR präsentierte ein neuartiges Behandlungssystem zur Strahlentherapie von Tumoren – zukünftig sollen deutlich leichtere Radiatoren eine schnellere, präzisere und kostengünstigere Bestrahlung ermöglichen. Bis es so weit ist, muss jedoch erst ein Kapitalbedarf von rund 6 Millionen Euro zum Bau der Prototypen gedeckt werden.

Wesentlich weniger technisch ging es im Anschluss an die Prämierung weiter. Ein kabarettistischer Fachvortrag rief nicht nur sämtliche Peinlichkeiten ins Gedächtnis, die einem motivierten Gründer bei der Präsentation eines Businessplans widerfahren könnten, sondern warf berechtigte Fragen auf: Warum scheiterten Julius Caesar und die spinatbespritzte Mutter eines fünfjährigen Rebellen an der Herausforderung Kundenzufriedenheit herzustellen? Und warum liefert die Suchfunktion der KfW-Homepage keinen einzigen Treffer zum Stichwort „Gründungskompetenz“, dafür aber hunderte zum Stichwort „langsam“?

Hämisches Grinsen traf auf schmerzvolle Blicke und es war klar: Hier wusste jeder, wie schwer es Gründer auf dem Weg zur Selbstständigkeit haben können. Umso besser also, dass die todsichere HIKGAK-Methode beim anschließenden Networking auf ihre Praxistauglichkeit überprüft und der große Wurf gewagt werden konnte. Wer es aber nun tatsächlich bis an die Geldtöpfe eines Investors schaffte, sollte sich nicht zu früh freuen – denn spätestens wenn dessen wohl überlegte Forderungen für schlaflose Nächte sorgen, heißt es wieder: „Wer den Esel vor sich hertreibt, muss auch seinen Furz ertragen können…“

Stimmen zum HGP 2009:

„Die SensAction AG entwickelt Sensoren basierend auf einem akustischen Wellenleiter, kann damit Konzentrationen in verschiedensten Flüssigkeiten auf sehr präzise und schnelle Weise messen. Entscheidenden Einfluss hatte bislang die Umgebung unserer Fachhochschule – die Ausgründung erfolgte aus einem Institut für Sensor- und Aktortechnik. Dort kamen wir auf die Idee, konnten unsere Forschung betreiben und die Patentierung in die Wege leiten. Dass wir hier gleich einen doppelten Erfolg feiern könnten, hatten wir bei der starken Konkurrenz nicht erwartet – jetzt freuen wir uns natürlich umso mehr! Wir sehen uns in unserem Vorhaben gestärkt und sind dem Ziel, das Verfahren auf den Markt zu bringen und ein kontinuierlich wachsendes Unternehmen aufzubauen, wieder einen Schritt näher gekommen.“ (Hendrik Faustmann, CTO SensAction AG)

„Leider hat es für uns nicht ganz zum Sieg gereicht. Unsere Geschäftsidee, wissensbasiertes Arbeiten in Hochschulen und Unternehmen effizient zu gestalten und mit den Möglichkeiten des Web 2.0 zu verbinden, kam durch die Bank gut an, am Ende war die naturwissenschaftliche Konkurrenz aber einfach zu stark. Wir freuen uns mit scholarz.net bis ins Finale gekommen zu sein – für ein Internet-StartUp ist es immer eine große Ehre und auch ein Achtungserfolg, sich mit diesen herausragenden Gründerteams in einem Wettbewerb messen zu dürfen. Herzliche Glückwünsche an alle Sieger, sie haben es verdient!“ (Daniel Koch, CEO KnowledgeWorkz Gmbh)

„Der BPWN will insbesondere technologieorientierte Firmengründungen in Nordbayern fördern. Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass junge, innovative Unternehmer mit entsprechenden Ideen Wachstum schaffen, aber dazu Unterstützung brauchen. Indem wir motivierten Gründerteams kostenlose Workshops und Beratungsgespräche anbieten, treiben wir die Zahl an Firmengründungen und geschaffenen Arbeitsplätzen nach oben und bringen nicht zuletzt unsere Region nach vorne. Hochschulen bilden dabei unser Rückgrat: Sie bieten unglaublich großes Potenzial, insbesondere wenn es um den Bereich der innovativen Technologien geht. Deshalb möchten wir Hochschulabsolventen und -mitarbeiter mit dem HGP noch einmal zusätzlich motivieren und mit Kapitalgebern zusammen bringen. Da die Kapitalbeschaffung aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage nicht gerade leichter geworden ist, sehen wir es als unsere besondere Herausforderung an, Aufmerksamkeit in diese Richtung zu schaffen und Gründer mit aller Kraft zu unterstützen.“ (Dr. Benedikte Hatz, CEO Netzwerk Nordbayern)

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Über den Autor:

Auf dem Hochschulgründerpreis 2009 war Stefan Schwaneck für Gründerszene vor Ort und lieferte Impressionen und Eindrücke. Stefan ist Mitarbeiter und Tutor am Lehrstuhl für Marketing der Universität Würzburg und sammelte auch Erfahrungen als Pressesprecher und Leitender Redakteur des Würzburger Wirtschaftssymposiums sowie als Online-Redakteur bei schwatzgelb.de. Zurzeit ist er auch für scholarz.net tätig, wo er sich dem Bereich Marketing und PR widmet.