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Es war der Bertelsmann-Internet-Flop der letzten beiden Jahre, der wieder einmal zeigt, dass der Medienriese das Internet-Geschäft nicht versteht: Nach cashintensivem Aufbau der Lernplattform Scoyo verkaufte Bertelsmann sein Investment an Super RTL – nach kaum einem Jahr Entwicklungszeit. Dabei stellte Scoyo (www.scoyo.com) ein durchaus viel versprechendes Produkt dar, das nun erstmals (zumindest zeitweise) auch profitabel arbeitet.

Beträge im mittleren zweistelligen Millionenbereich dürften in das Unternehmen geflossen sein, bevor es dann nach (selbst für Web-Verhältnisse) viel zu kurzer Zeit von Bertelsmann abgestoßen wurde. Profiteur war in diesem Falle Super RTL, das Scoyo für eine deutlich kleinere Summe übernahm als jene, die Bertelsmann in das Unternehmen investiert hatte.

Und während Bertelsmann ein Riesenprodukt aufzog, dass es dann ohne die notwendige Geduld schnell wieder verkaufte, weil das Einstellen einer URL und die üblichen Marketing-Kanäle nicht zum gewünschten Ergebnis führten, hat Scoyo unter Super RTL nun seinen ersten profitablen Monat erlebt. Noch ist das Unternehmen damit zwar nicht wirtschaftlich abgesichert, doch die Tendenz der Plattform ist viel versprechend – sicherlich auch dank entsprechender Umstrukturierungen.

Warum Bertelsmann mit Scoyo scheiterte

Das Hauptproblem von Scoyo war damals die hohe Burnrate, bedingt durch viele Mitarbeiter, die häufig auf Senior-Level angeheuert und bezahlt wurden. Laut Xing zählte Scoyo im August 2009 bereits 59 Mitarbeiter. Die Online-Lernplattform für Kinder der Klassen eins bis sieben wuchs rapide und verschlang dementsprechend hohe Kosten, die zu noch höheren Erwartungen führten. Ein unternehmensnaher Experte, verriet gegenüber Gründerszene, dass Scoyo eine Unternehmensgründung mit sehr hohen Plänen war – Plänen, die in ihrer Erreichung nicht realistisch waren.

In der Branche kursierten damals Finanzierungsgerüchte von 20 Millionen Euro, Gründerszene wurde nun zugetragen, dass diese Summe sogar noch deutlich zu niedrig gegriffen war: Bertelsmann ließ sich das Unterfangen Scoyo noch weitaus mehr kosten. Und auch wenn sich über die Kaufsumme ausgeschwiegen wurde, ist klar, dass Super RTL mit Scoyo ein Schnäppchen gemacht hat.

Was Super RTL anders macht

Was macht Super RTL mittlerweile anders? Natürlich wurden zunächst auch einmal Stellen gestrichen, nur ein Bruchteil der Belegschaft durfte auf eine Übernahme hoffen. Die Kostenstruktur des Unternehmens wurde zusammengekürzt und den Anforderungen eines StartUps angepasst. Ein Betroffener verriet gegenüber Gründerszene, dass die Scoyaner “durch eine richtig harte Zeit gingen”. Jeder Einzelne habe viel Herzblut investiert und die aktuelle Scoyo-Zusammenstellung habe dem alten Team daher auch noch viel zu verdanken.

Mittlerweile sieht sich Scoyo als Vorreiter auf dem Markt für Lernen über das Internet – ein Markt wo wohl auch Bettermarks (www.bettermarks.com) zu nennen wäre. Laut eigenen Angaben sollen die Kunden das Produkt gut annehmen und sehr treu sein. Und eigentlich ist es ja auch eine ungemein seltene Situation, auf einem Multi-Millionen-Euro-Produkt zu sitzen, dass mit einer StartUp-Struktur vertrieben werden kann.

Wie aus Scoyo-internen Kreisen zu vernehmen ist, gibt SuperRTL Rahmenbedingungen vor, die für ein StartUp wie Scoyo wesentlich eher realistisch sind – wenngleich es etwas ironisch wirken mag, ein mit deutlich über 20 Millionen Euro gefördertes Produkt StartUp zu nennen. Doch genau das ist Scoyo, ein StartUp. Zwar eines mit einem teuer finanzierten Produkt, aber dennoch ein junges Unternehmen, das gerade seinen Markt zu festigen sucht. Dementsprechend bescheidener sollen auch die Umsatzziele von Super RTL sein. Der Fernsehkonzern zeigt eine Geduld, an der es Bertelsmann anscheinend fehlte.

Der wohl größte Unterschied besteht folglich darin, dass Super RTL das Scoyo-Team arbeiten lässt. Aufgestellt wie ein StartUp mit kleinem fokussierten Team, realistischen Zielen und mehr Handhabe, kann das Scoyo-Team nun sein Produkt steuern und plant, den Internet-Bildungsmarkt in Deutschland weiter salonfähig zu machen. Aus unternehmensnahen Kreisen ist währendessen zu hören, dass vor allem auch Scoyo-ferne Prozesse – eventuell  Querelen bei Bertelsmann? – das Unternehmen in der Vergangenheit gebremst haben sollen.

Dass unter Super RTL speziell nach der Entlassungswelle auch nicht Milch und Honig bei Scoyo fließen werden, dürfte auf der Hand liegen, dennoch zeigt der Kölner Fernsehsender mehr Geduld und erlaubt die Weiterentwicklung eines guten Produkts nah am Markt und gemäß den Kundenwünschen. Nach den sicherlich harschen Kürzungsmaßnahmen und durch das StartUp-freundlichere Klima, könnte Scoyo nun auf einem guten Weg sein.

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