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Zumindest die Aufmerksamkeitswelle, die das Lernportal Scoyo genoss, ließ auf Großes schließen. Dennoch ließ Bertelsmann nun verkünden, dass man das eigene Engagement im Hamburger Unternehmen aufzukündigen gedenkt und deshalb einen Investor sucht. Der Grund: die Erwartungen des Konzerngiganten wurden nicht erfüllt.

Erst im August hatte Gründerszene über das Konzern-StartUp Scoyo berichtet und dem Portal ein qualitativ gutes Urteil erteilt. Risikofaktor waren damals wie heute die hohen Kosten: Die Online-Lernplattform für Kinder der Klassen eins bis sieben aus dem Hause Bertelsmann wurde von Branchenexperten damals mit Kosten von bis zu 20 Millionen Euro in Zusammenhang gebracht. Realistischerweise darf man von Summen im deutlich zweistelligen Millionen-Bereich ausgehen, die vor allem durch viele Senior-Player in einem großen Team und die Unterstützung verschiedener Agenturen zu erklären sind.

Nun war bei Meedia zu lesen, dass für den Gütersloher StartUp-Vater die bisherige Geschäftsentwicklung nicht die ursprünglichen Erwartungen erreichte, weshalb man das Unternehmen an einen Investor abgeben wolle. Gespräche seien bereits begonnen worden. Auf Anfrage von Gründerszene ließ Scoyo verlauten, dass diese Reaktion natürlich einschneidend,  aber keinesfalls beunruhigend sei. Der Konzern habe dem jungen Unternehmen optimale Unterstützung zukommen lassen und auch wenn sich die Wege nun trennen, hätte es die Hamburger auch schlimmer treffen können. Neue Beziehung, neuer Investor lautet die Hoffnung der Lernplattform.

Dennoch fragt sich die StartUp-Szene: Was war da los? Erst mit dicker Geldbörse ausgestattet, wird nun relativ jung die Quasi-Reißleine gezogen. Dabei ist der Markt, in dem sich auch Player wie www.Panfu.de oder Nintendo tummeln, eigentlich vielversprechend. Anfang August hieß es gegenüber Gründerszene noch, man sei zufrieden mit der Entwicklung der Plattform und müsse die Ergebnisse erst einmal einzuschätzen lernen. Dies ist mittlerweile wohl gelungen.

Überhaupt zählte Scoyo zu den wichtigsten Medienprodukten bei Bertelsmann, das mit Projekten wie Bol.com, Audible, Bloomstreet und Napster bisher mit zum Teil durchwachsenen Erfolg im Online-Segment aktiv war. Die erste größere Eigengründung im Onlinebereich war für den Konzenriesen also eigentlich ein wichtiges Investment. Zweieinhalb Jahre entwickelte man am Format und zog Medien- und Fachdidaktiker ebenso zu Rate wie Lehrer und Drehbuchautoren für die Geschichten. Im Marketing setzte man intensiv auf SEO, SEM, Bannering, Social Media sowie das klassische Marketing via Print und TV-Spots – allesamt immense Kostenfaktoren. Reicht Bertelsmann die Rechnung dafür nun an einen dritten weiter?

Dass Scoyo seine Pforten schießt, dürfte unwahrscheinlich sein, dennoch löst der plötzliche Sinneswandel  Befremden in der Szene aus, selbst wenn keine Arbeitsplätze gefährdet seien: Die Scoyo-Geschäftsführung unterrichtete seine Mitarbeiter, dass der Konzern die Lernplattform weiterhin mit dem notwendigen Kapital ausstatte, bis ein Investor das StartUp übernimmt. Hoffentlich hat Bertelsmann durch seine Lernplattform auch etwas dazu gelernt: Internet-StartUps vertragen so immens hohe Initial-Kosten nur schlecht, insbesondere wenn sie mit dauerhaft breiter Kostenbasis ins Rennen geschickt werden. Hohe Erwartungen aufgrund hoher Ausgaben vertragen sich im Internetgeschäft halt nur bedingt.