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Die Staatsanwaltschaft Berlin hat einen ehemaligen Vorstand des Handwerkerportals MyHammer angeklagt. Es geht um Vorwürfe des Betrugs in Millionenhöhe, wie die Bild-Zeitung zuerst berichtete.

Auf Nachfrage bestätigt MyHammer, bereits im Jahr 2012 Strafanzeige gegen das ehemalige Vorstandsmitglied erstattet zu haben. Erst jetzt, mehr als vier Jahre später, hat die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Berlin das Hauptverfahren gegen den Ex-Vorstand und zwei weitere Beteiligte eröffnet.

„MyHammer hat nach dem Ausscheiden von Herrn S. Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit der Vergabe von Aufträgen an einen externen IT-Dienstleister festgestellt“, heißt es von dem Unternehmen gegenüber Gründerszene. Die Vorwürfe beziehen sich auf die Jahre 2008 bis 2011. Laut Bild-Zeitung hat der Ex-Vorstand Verträge mit Unternehmen abgeschlossen, deren Rechnungen persönlich abgesegnet und beglichen. Diese Firmen sollen allerdings kaum Gegenleistungen erbracht haben, stattdessen hunderttausende Euro auf ein privates Konto des Vorstands zurücküberwiesen haben.

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Die im Strafverfahren behandelten Vorwürfe seien bereits in den Unternehmenszahlen des Jahres 2012 berücksichtigt worden, betont MyHammer. Es bestünden demnach keine Auswirkungen auf die aktuelle Finanz- und Geschäftsentwicklung. „Wir haben die Vorgänge offen gegenüber unseren Wirtschaftsprüfern sowie den Finanzbehörden kommuniziert.“ Mittlerweile setzt MyHammer neun Millionen Euro jährlich um und beschäftigt 60 Mitarbeiter.

Es ist keine Seltenheit, dass es bei Wirtschaftsstrafsachen erst Jahre nach einer Anzeige zum Verfahren kommt. Ein prominentes Beispiel dafür ist der Fall Unister: Bereits Ende 2013 reichte die Staatsanwaltschaft Dresden Klage gegen verschiedene Manager ein, wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung und des Computerbetrugs. Erst seit Januar 2017 müssen sie sich vor Gericht verantworten. Ein weiteres Beispiel aus der Startupszene sind die Betrugsvorwürfe gegen den Hamburger Christian Schoenberger: Schon seit 2013 hängen Klagen beim Hamburger Landgericht an – bis heute gibt es kein Urteil.

Das Problem dahinter erklärte der Strafrechtler Kai Bussmann von der Universität Halle-Wittenberg vor einiger Zeit im Gründerszene-Gespräch: Für die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität würden keine ausreichenden Mittel mobilisiert. „Die Justiz beschwert sich seit Jahren, doch es ändert sich viel zu wenig.“ Das liege an der Art der Verbrechen. „In den Kampf gegen Terror und Mord – also gegen Dinge, die Angst machen – investiert die Politik schnell viel Geld. Mit der Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität aber gewinnt man keine Wahlen.“

Bild: MyHammer