Manchmal erlauben sich die BigRep-Mitarbeiter einen Scherz

Etwas abseits im Büro steht ein oranges Gebilde, dem BigRep seinen Erfolg zu verdanken hat. Es ist ein antiker Tisch aus Kunststoff. Dieses Exponat entstand vor etwa einem Jahr – Schicht für Schicht – im riesigen 3D-Drucker des Startups. Der Tisch musste damals unbedingt noch fertig werden, denn die Gründer wollten ihr Gerät auf einer Messe in New York präsentieren.

René Gurka nennt es im Rückblick einen „Lucky Shot“. Die US-Presse hätte sich auf den Großformat-3D-Drucker gestürzt. „Sie meinten, wir hätten den größten Möbeldrucker der Welt gebaut“, erzählt der Geschäftsführer Gurka. Tech-Magazin Wired lobte den Drucker etwa als eine Art Ikea der Zukunft.

Dabei will das Startup dem schwedischen Möbelhaus gar keine Konkurrenz machen. „Ich sehe es umgekehrt, ich würde gerne mit Ikea zusammenarbeiten“, sagt Gurka. Lampenschirme oder Sitzschalen könnte die Kunden damit individualisieren lassen.

Den großen Drucker verkauft das Startup aus Kreuzberg an höchst unterschiedliche Kunden, etwa große Unternehmen, Universitäten, aber auch Architekten und Designer. Gerade durch den vergleichsweise niedrigen Preis von 30.000 Euro bis 50.000 Euro will sich das Unternehmen von den Wettbewerbern abheben. Vergleichbare Modelle kosten ein Vielfaches.

200 Drucker will das Unternehmen 2016 verkaufen

Automobilhersteller oder Medizinunternehmen drucken mit dem BigRep vor allem Prototypen aus. Sony Japan und Villeroy & Boch verwenden das Gerät beispielsweise auch. Etwa 100 Drucker seien bereits verkauft, davon müssen 60 noch ausgeliefert werden. Schon im kommenden Jahr plant das Unternehmen, insgesamt 200 Geräte zu verkaufen.

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Die Drucker stehen überall auf der Welt verteilt, beispielsweise mehrere chinesische Universitäten hätten schon ein Gerät geordert. In einem großen Holzkasten geht der Drucker dann um die Welt, vor Ort wird das Gerät von BigRep-Mitarbeitern aufgebaut. So seien einige Kollegen in den vergangenen Monaten viel herumgekommen in der Welt – und hätten viel erlebt, erzählt René Gurka. Beispielsweise lange Nächte in einer Karaoke-Bar in Seoul.

Druck für Funktionsteile

Im Kreuzberger Büro schrauben und tüfteln die Mitarbeiter gerade an einem neuen Modell. Dieses soll verstärkt Sensoren enthalten, etwa um zu überprüfen, ob die Druckfläche komplett gerade ist – für den 3D-Drucker eine wichtige Voraussetzung. Gefertigt werden die Geräte allerdings nicht in Kreuzberg, sondern bei einem Partnerunternehmen in Süddeutschland.

In Zukunft versucht das Startup, die Druckqualität massiv zu steigern. Nicht mehr nur Prototypen sollen dann aus dem Drucker entstehen, sondern auch Funktionsstücke. Teile also, die beispielsweise in einem Helikopter oder Flugzeug verbaut werden können. Oder Unternehmen stellen ihre Serienproduktionen mit kleineren Stückzahlen per Drucker her: „Eine Massenproduktion wird nie funktionieren, denn da geht es nur um Preis, Preis, Preis“, sagt Gurka.

Ein gutes Anwendungsbeispiel sei Ersatzteile, die aus dem Drucker kommen – ein Lager dafür bräuchte dann niemand mehr. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. „Die 3D-Drucker-Szene muss erwachsen werden, weniger Design-Stücke und mehr Funktionsteile“, sagt Gurka.

Bruch mit der Kunst

Es ist auch ein kleiner Bruch mit der Vergangenheit, denn BigRep hat seinen Ursprung in der Kunstszene. Der Künstler Lukas Oehmigen hatte den ersten Drucker gebaut, weil er nicht mehr nur Objekte in der Größe einer Kaffeetasse produzieren wollte – wie es mit herkömmlichen Geräten wie dem Makerbot möglich ist. Zusammen mit dem Künstler-Kollegen Marcel Tasler startete er BigRep. Gurka, damals noch bei Newten Ventures, finanzierte als erster Investor das Startup.

Mittlerweile sind die beiden Gründer nicht mehr an Bord. „Wir hatten unterschiedliche Vorstellungen, wie sich das Unternehmen entwickeln soll“, sagt Gurka. Erst verließ Oehmigen das Startup im Frühjahr 2015 wegen „internen Unstimmigkeiten“, wie sein Mitgründer Marcel Tasler auf Nachfrage von Gründerszene schreibt. „Mir wurde schnell klar, dass die Idee, welche wir vor Augen hatten, mit dem übrig gebliebenen Management nun endgültig nicht umzusetzen ist“, so Tasler im Rückblick. Auch er verließ das Startup vor ein paar Monaten. Inwiefern die Vorstellungen sich unterscheiden, machen Gurka und Tasler nicht öffentlich. Die Anteilseigner haben die beiden Gründer mittlerweile rausgekauft.

Internationale Investoren reinholen

Vor wenigen Wochen wurde klar, wo die Reise hingeht: Investorengelder sollen dem Startup beim Wachstum helfen. Das Startup sammelte in einer Serie A sieben Millionen Euro ein, etwa vom Familienunternehmen Koehler und dem Wagniskapitalgeber B-to-v. Bei dem Interview mit Gurka steht die leere Champagner-Flasche von der Closing-Party noch in der Küche.

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Es war kein leichtes Unterfangen für das Hardware-Startup, willige Investoren zu finden. Im Verlaufe des Fundraisings hätten sie mit allen großen deutschen Wagniskapitalgebern gesprochen. Auch in London waren sie zu Gesprächen. „Die Investoren wollten mehr über die Cloud-Lösung wissen, damit wir in einen Fonds reinpassen“, erzählt Gurka. Denn das Startup bieten abgesehen von dem großen Drucker auch eine Software an, mit der sich die Aufträge managen lassen. Andere Investoren sagten: Ihnen fehle die Expertise im eignen Team oder sie wollten erst einmal auf den Beweis warten, dass BigRep seine globalen Kunden managen kann.

Nun ist die Runde komplett und das Wachstum soll weitergehen: „Für die B-Runde suchen wir internationale Investoren, in 18 bis 24 Monaten wollen wir das Thema abgeschlossen haben”, sagt Gurka. Mit den 40 Mitarbeitern, die etwa von der Nasa oder vom 3D-Druck-Konkurrenten Stratasys kommen, werkelt BigRep also weiter an dem großformatigen Gerät.

So sieht es im Büro von BigRep aus:

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Mit diesem Tisch begann die Geschichte von BigRep.

Bilder: Caspar Tobias Schlenk; Facebook-Bild: Bitkom