Researchgate Bill Gates

Researchgate: Microsoft-Gründer Gates investiert

Erst kurz ist es her, dass die aktuelle Finanzierungsrunde des Forscher-Netzwerks Researchgate (www.researchgate.net) bekannt wurde. Nun sickern die Details durch: Einer der Investoren, deren Bekanntgabe das Berliner Startup zwischenzeitlich mit den Worten „Die Investoren? Größer als je zuvor. Die Summe? Auch groß.“ angekündigt hat, ist Microsoft-Gründer Bill Gates. Das hat das Unternehmen mittlerweile bestätigt. An der Finanzierungsrunde, die 35 Millionen US-Dollar auf die Researchgate-Konten spülte, waren zudem Tenaya Capital, die Dragoneer Investment Group und Thrive Capital sowie zwei der Altinvestoren beteiligt. (Update vom 4. Juni 2013)

Bislang bei dem 2008 von Ijad Madisch (Bild rechts), Sören Hofmayer und Horst Fickenscher gegründeten „Facebook für Forscher“ engagiert sind der US-Investor Benchmark Capital vom früheren Facebook-Zweiten Matt Cohler, Accel Partners (www.accel.com) oder auch Peter Thiels Founders Fund. Das Forschernetzwerk hat sich in den vergangenen Monaten und Jahren bei der weltweiten Forschergemeinde etabliert. Mehr als 100 Mitarbeiter arbeiten für Researchgate, Büros hat das Startup in den USA und Berlin. Die Plattform vernetzt nach eigenen Angaben bereits über 2,5 Millionen Wissenschaftler weltweit. Wettbewerber Mendeley aus London wurde vor knapp zwei Monaten für bis zu 100 Millionen US-Dollar vom Wissenschaftsverlag Elsevier übernommen.

Erste Schritte hin zum Geld verdienen

Mit dem neuen Geld hat ResearchGate zweierlei vor: Zum einen soll die Basis ausgebaut werden. Dazu will man die Forschergemeinde dazu bewegen, nicht nur nach mehreren Jahren die „Endergebnisse“ ihrer Forschung zu veröffentlichen, sondern auch kleinere Versuchsergebnisse offen zu legen. Geht es nach Madisch, sollen auch Negativergebnisse veröffentlicht werden, damit nicht vielerorts gleiche Arbeit mehrfach gemacht werden muss. Qualitätssicherung und Copyright-Kontrolle soll dabei hauptsächlich über die anderen Mitglieder des Netzwerks erfolgen, als sogenannte Peer-Review.

Zudem werde das Jungunternehmen an Technologien arbeiten, die das etablierte System wissenschaftlicher Reputationsmessung um digitale und dynamische Komponenten ergänzen sollen. Darüber hinaus soll eine API zugänglich gemacht werden, mit der andere Anbieter Anwendungen schreiben können, die auf die Plattform aufsetzen. Das könnten andere besser als das Netzwerk selbst, sagt Madisch.

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Zum anderen sollen auch „erste Experimente“ hinsichtlich einer Monetarisierung gemacht werden. Derzeit gibt es bereits eine Jobbörse, die noch weiter ausgebaut werden soll. Zukünftig soll aber auch ein Marktplatz für wissenschaftliche Produkte und Dienstleistungen entstehen. Werbung würde zwar sicherlich auch gute Einnahmen bringen, aber man habe sich bislang davon fern gehalten, weil es nicht dem Konzept des Forschernetzwerks entspreche.

„Damals war Researchgate Grütze“

Seit dem Einstieg von Benchmark Capital als erster größerer Investor habe man sich allein um den Aufbau der Community gekümmert. Diese Fokussierung sei deshalb notwendig gewesen, weil Researchgate als Gesamtprodukt gesehen zu diesem Zeitpunkt „Grütze“ war, wie Madisch auf der Pressekonferenz humorvoll sagte. Dabei zeigte er sich froh, damals nicht in Deutschland nach einem Geldgeber gesucht zu haben. „Dann würde Researchgate heute wahrscheinlich nicht mehr existieren“ – deutsche VCs, aber auch solche von der US-amerikanischen Ostküste achten Madischs Meinung nach zu sehr auf das Produkt.

Die Facebook-Erfahrungen von Benchmark-Chef Matt Cohler dürften dem Jungunternehmen hier sehr zu Gute gekommen sein. Denn der Markt, in dem sich Researchgate bewegt, ist begrenzt – rund zehn Millionen Forscher, 20 Millionen inklusive der „Techniker“, sind die Zielgruppe. Daher ist es wichtig, die Interaktion auf der Plattform sowohl zwischen den Nutzern auf der Plattform als auch der Nutzer mit den verfügbaren Forschungsergebnissen in den Vordergrund zu stellen. Letzteres dürfte auch technisch die größte Herausforderung für das Unternehmen sein, das derzeit rund 100 Mitarbeiter zählt und seine eigene Serverfarm betreibt.

Bill Gates habe Madisch übrigens im Frühjahr dieses Jahres persönlich kennengelernt. Dass dieser sich von dem Konzept begeistern ließ, ist absolut erfreulich. Denn sein Engagement bringt mehr Aufmerksamkeit nach Berlin und hilft damit der Szene insgesamt. Ob Madisch nun seinem persönlichen Ziel, einmal einen Nobelpreis zu erhalten, näher kommt und auch ob Researchgate einmal an der Börse zu Rang und Namen gelangt, ist zwar noch völlig offen. Dass das Forschernetzwerk aber verkrustete Strukturen in einem wichtigen Bereich der Gesellschaft – und letztendlich auch der Wirtschaft – aufbricht, steht außer Frage.

Videoredakteurin Elaine Jung von VentureVillage, dem englischsprachigem Schwestermagazin von Gründerszene, traf Madisch vor einigen Wochen im Berliner Researchgate-Büro und sprach mit ihm über seinen Heureka-Moment als Medizinforscher, darüber, wie Wissenschaftler zusammenarbeiten, über die eigene Firmenkultur und mehr.

Kamera/Schnitt: Glenn Goodison

Bild: Researchgate