Michael Neuber Bitcoin

Bitcoin: Missbrauchsgefahren und Imagetransfer

Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) hatte seinen Mitgliedern bereits im Jahre 2011 geraten, vom Einsatz von Bitcoins als alternative Bezahlmethode im regulären Handel Abstand zu nehmen. Wie sich in der Vergangenheit gezeigt hat, wurden die seinerzeit seitens des Verbandes vorgebrachten Bedenken mittlerweile mehrfach bestätigt.

Aus Sicht des BVDW ist weder die Zuordnungs- noch die Wertsicherheit für Bitcoins in überschaubarer Weise gewährleistet, wie die zahlreichen Berichte über Hackerangriffe, illegale Transaktionen oder Bewertungsblasen gezeigt haben. Die Möglichkeit der anonymen Übertragung eröffnet illegalen Geschäften wie Geldwäsche und Steuerhinterziehung Tür und Tor. Die von Befürwortern oft getroffene Feststellung, dass Bitcoins insoweit mit Bargeld vergleichbar sein mag im Ansatz zutreffen. Sie liefert jedoch kein besseres Argument für seinen Einsatz in der breiten Realwirtschaft. Der direkte Vergleich hinkt mehrfach.

Zunächst sei darauf hingewiesen, dass beispielsweise die Summe des tatsächlichen Euro-Bargeldvermögens weit hinter dem im Banken- und Wirtschaftskreislauf befindlichen Giralgeldvermögen zurückbleibt. Mit diesem Geld, welches aufgrund seiner Nachverfolgbarkeit kaum für illegale Geschäfte zu gebrauchen ist, wird der Großteil der heutigen Geschäfte abgewickelt. Das Vertrauen in gesetzliche Zahlungsmittel besteht daher zu Recht.

Illegale Handelsportale verdeutlichen Gefahren

Und eine weitere Tatsache spricht gegen die direkte Vergleichbarkeit. Während Bargeld immer noch aufwändig transportieren werden muss, können Bitcoins ganz ohne logistische Hürden weltweit und anonym in Sekundenschnelle übertragen werden. Der latenten Missbrauchsgefahr im Bargeldverkehr steht also ein umso deutlicher erhöhtes Missbrauchspotenzial gegenüber. Dass dieses Potenzial tatsächlich und in hohem Maße ausgeschöpft wird, zeigen die zahlreichen Medienberichte, beispielsweise über illegale Handelsportale wie Silk Road.

Für Anbieter in der digitalen Wirtschaft – wo Bargeldverkehr so gut wie keine Rolle spielt – ist es essentiell wichtig, auf ein verlässliches und nachvollziehbares Bezahlsystem vertrauen zu können. Die anonymen Übertragungsmöglichkeiten  können mangels Nachweisbarkeit eigenen redlichen Verhaltens, im Zweifelsfalle zur eigenen Gefahr für Anbieter werden. Aber auch ohne deren Realisierung wird kaum ein großer Anbieter einen entsprechenden Imagetransfer für sich akzeptieren können. Allein diese Tatsache wird den Bitcoin allenfalls als Nischenwährung existieren lassen.

Die virtuellen Bitcoins sind darüber hinaus offenbar auch nicht besonders sicher. Die Vielzahl der bekannt gewordenen, virtuellen „Einbrüche“ in die Systeme diverser Handelsplattformen bestätigt dies. Nicht umsonst wird der Bitcoin in diesem Zusammenhang oft als „Hackerwährung“ bezeichnet. Selbst wenn sich in Einzelfällen abhanden gekommene Bitcoins wieder „zurückholen“ ließen, führten die Angriffe oftmals zu Transaktionsstopps und Werteinbrüchen. Eine breite Anwendung als alternatives Zahlungsmittel ist für Anbieter der digitalen Wirtschaft auch vor diesem Hintergrund kaum vorzustellen.

Keine Rechtssicherheit

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Zwar hat das Bundesfinanzministerium Bitcoins erst kürzlich als rechtlich und steuerlich gebilligte Rechnungseinheiten anerkannt. Rechtssicherheit bietet dies zunächst nicht dem Verwender sondern dem steuernden Staat. Diese Zuordnung ermöglicht dem Bundesfinanzministerium nämlich erst einmal Zugriffe auf eventuell steuerbare Transaktionen. Es ist nicht ausgeschlossen sondern steht vielmehr zu erwarten, dass weitere Regulierungsschritte erst noch folgen werden. Diese Annahme ist vor dem Hintergrund der mit der weltweit anonymen Transaktionsmöglichkeit bestehenden Gefahr von Steuerhinterziehung oder Geldwäsche kaum auszuschließen, will der Staat sein Steuer- und Sanktionsmonopol effektiv durchsetzen.

Ergebnis wäre dann möglicherweise, dass Transaktionen mit Bitcoins künftig einer ähnlichen, für gesetzliche Zahlungsmittel heute geltenden Regulierung unterfallen. Das kann im digitalen Umfeld nur das Aus für anonyme Transaktionen bedeuten. Ebenso könnten gewerbliche Transaktionsplattformen künftig als Finanzinstitute gelten und damit der entsprechenden Regulierung unterfallen.

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Als anerkannte Recheneinheit unter staatlicher Kontrolle wären Bitcoins dann vergleichbar mit anderen Zahlungsmitteln, nur spekulativer. Unter diesen Umständen wäre gegen eine Nutzung von Bitcoins als „Nebenwährung“ natürlich nichts einzuwenden, da es den gleichen Regularien wie andere offizielle Zahlungsmittel unterläge.  Sämtliche der von der Bitcoin-Community beschriebenen Vorteile würden damit obsolet.

Sollte sich bei Regulierungsversuchen die Erkenntnis durchsetzen, dass eine effektive Kontrolle nicht gewährleistet werden kann ist weiterhin nicht auszuschließen, dass es zu Verboten kommt. Das Verbot in Thailand ist aufgrund der mit der Nutzung von Bitcoins eröffneten Marktgefahren aus staatlicher Sicht jedenfalls nachvollziehbar. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Teilnehmern der digitalen Wirtschaft wegen der Verwendung von Bitcoins in Deutschland Nachteile aufgrund staatlicher Regulierung entstehen können.

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