Bitcoin

Lieferservice.de akzeptiert Bitcoins

Es ist eine beachtenswerte Geschichte, die Lieferservice.de zum Start seiner Bitcoin-Akzeptanz erzählt: „Wie der Zufall es will“, heißt es bei der Tochter des niederländischen Lieferdienst-Vermittlers Takeaway.com, „wurden 2010 die ersten Bitcoins beim Bestellen von zwei Pizzen ausgegeben. Diese Bestellung kostete damals ungefähr 10.000 Bitcoins und hatte einen Gegenwert von 20 Euro. Bei dem heutigen Wechselkurs für Bitcoins wären die Pizzen ein teurer Spaß von weit mehr als 1,6 Millionen Euro gewesen.“

Aktualisierung: Hacker stehlen Bitcoins im Wert von 800.000 Euro

Hacker haben Inputs.io, einem Anbieter vermeintlich „sicherer“ Web-Wallets, rund 4.100 Bitcoins aus unterschiedlichen Nutzerkonten entwendet, wie t3n berichtet. Den Angaben zufolge verschafften sie sich Zugang zum Hosting-Account, wo sie sich eine Sicherheitslücke des Servers zu Nutze machten und Bitcoins im Wert von mehr als 800.000 Euro überwiesen. Empfänger sei ein angeblich ebenfalls gehackter Server gewesen, der als „Mittelsmann“ fungiert haben soll. In einem kurzen Schreiben auf der Webseite entschuldigt sich der Inputs.io-Betreiber.

Die Digitalwährung ist gerade auf einem Höhenflug, zumindest was den Währungskurs angeht. Mit rund 300 US-Dollar beziehungsweise 220 Euro (Stand 6. November 2013) erreicht sie einen neuen Höchstwert – was verdeutlicht, wie volatil die Währung ist und wie sehr sie zu Spekulationen reizt. Allerdings kaum, was Pizza angeht.

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Trotzdem: Ab sofort können Pizzaesser bei Lieferservice.de mit Bitcoins auch hierzulande bezahlen, zuvor startete das Angebot bereits im Heimatmarkt Niederlande. „Im Moment stellen wir fest, dass die meisten PayPal oder Sofortüberweisung nutzen“, kommentiert das Unternehmen. Mit der Annahme von Bitcoins möchte man „besonders eingefleischte Internetuser ansprechen“.

Verbreitung wächst, Schwachstellen werden deutlicher

Die Akzeptanz von Bitcoins wächst unterdessen: In der letzten Woche wurde in der kanadischen Metropole Vancouver der erste Geldautomat für Bitcoins aufgestellt, in Deutschland sind Bitcoins seit August dieses Jahres steuerlich und rechtlich als „privates Geld“ anerkannt. Und selbst der kundenträchtige Marktplatz Ebay schließt eine Akzeptanz von Bitcoin als Zahlungsmittel auf Dauer nicht aus: „Digitalwährungen werden sich zu einer sehr mächtigen Sache entwickeln“, sagte Ebay-Chef John Donahoe der Financial Times. Auch die Tochter Paypal, über die viele Ebay-Zahlungen abgewickelt werden, könne eines Tages auch Bitcoin als Zahlungsmittel einbeziehen.

Standpunkte auf Gründerszene: Pro Bitcoin von Oliver Thylmann und Contra Bitcoin von Michael Neuber. Außerdem: Starinvestor Peter Thiel sagt, Bitcoin wird zu 80 Prozent scheitern.

Auf der anderen Seite warnen derzeit Informatiker vor einer Schwachstelle in der Architektur, wie Spiegel Online berichtet. Und auch erste Opfer hat die Bitcoin-Gemeinde zu beklagen: Nicht nur wurde der illegale Handelsplatz Silk Road vom US-amerikanischen FBI dicht gemacht (gerade heute startete Version 2.0). Auch das Bitcoin-Startup Alydian meldete gerade Insolvenz an, nachdem es in drei Monaten knapp 3,7 Millionen US-Dollar Schulden gemacht hatte. Brisant dabei: Alydian ist eine Tochter von Peter Vessenes‘ Coinlab, wie das Wall Street Journal weiß. Vessenes steht auch der Bitcoin Foundation vor und wirbt stark für die Akzeptanz virtueller Währungen.

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Von all dem wollen sich die Fans der virtuellen Währung, die seit 2009 im Umlauf ist und im Internet gegen „herkömmliche“ Währungen wie Dollar oder Euro eingetauscht werden kann, nicht abbringen lassen. Die Grundidee hinter Bitcoins ist ein Geldsystem, das ohne zentrale Kontrollinstanz auskommt – also unabhängig von Regierungen, Zentralbanken und Geschäftsbanken ist.

Eine faktische Begrenzung der Geldmenge soll dabei, vom früheren Goldstandard inspiriert, vor starker Inflation schützen – schränkt aber auch gleichzeitig die Verbreitung ein. Ohnehin machen die starken Kursschwankungen das virtuelle Geld unberechenbar. Bis zum verlässlichen Euro- oder Dollarersatz hat der Bitcoin also noch einen weiten Weg vor sich.

Bild: 3dart / panthermedia