Schmeckt der wirklich so gut? Wir haben den Kaffee von Blue Bottle in San Francisco getestet.

Den Food-Riesen aus den USA geht’s derzeit nicht so gut. McDonald’s verliert Kunden, die Maccaroni-&-Cheese-Fertigmischung von Kraft will auch niemand mehr haben – sogar die Dosensuppen der Kultmarke Campell bleiben im Supermarktregal stehen. Wer in den USA etwas auf sich hält, konsumiert nicht mehr Junk Food von riesigen Ketten. Organic-Lebensmittel von teuren Supermärkten wie Whole Foods gelten längst als Statussymbol.

Und noch ein riesige Kette verliert schleichend ihr gutes Image: Starbucks. War das Vorsichhertragen eines Caramel-Sahne-Frappuccinos vor wenigen Jahren noch angesagt, fristet die Coffeeshop-Kette mittlerweile nur noch ein trauriges Dasein. Zumindest macht es den Anschein, wenn man eine Filiale an der US-Westküste betritt – das Holz an den Tischen ist abgeblättert, die Toiletten dreckig und die einst edlen Lounge-Sessel durchgesessen. Doch wenn der Kaffee von Starbucks out ist, was ist dann in? Zumindest für die hippe Vorreiter-Metropole San Francisco lässt sich diese Frage eindeutig beantworten: Blue Bottle Coffee ist der neue heiße Scheiß.

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„Na und?“, werden sich einige unserer Leser fragen. Eigentlich kein typisches Thema für Gründerszene. Doch Blue Bottle Coffee sorgt in der US-Tech-Szene derzeit für mächtig Wirbel: Denn berühmte Startup-Gründer und zahlreiche Promi-Investoren haben in den vergangenen Monaten rund 115 Millionen US-Dollar in den Coffeeshop investiert. Auf der Investorenliste: Twitter-Gründer Evan William, Instagram-Gründer Kevin Systrom, Wordpress-Gründer Matt Mullenweg, VC Chris Sacca, U2-Sänger Bono, Schauspieler Jared Leto oder auch Profi-Skater Tony Hawk. Ach, und auch Morgan Stanley, Index Ventures, Google Ventures, True Ventures sowie die Tetragon Financial Group sind an Bord.

Bereits 2002 wurde Blue Bottle vom Musiker James Freeman in Oakland gegründet. Anfangs wurde der frisch gebrühte Kaffee auf dem Marktplatz verkauft, mittlerweile hat Blue Bottle insgesamt 19 Filialen; acht davon in San Francisco, sieben in New York, zwei in Los Angeles und neuerdings auch zwei weitere in Tokio – immer stationiert in den angesagten Stadtteilen. Mit den frischen Millionen dürften bald etliche Filialen auf der ganzen Welt dazukommen. Doch was ist das Erfolgsrezept von Blue Bottle? Der Kaffee, der nach alter Art in riesigen Glaskolben frisch aufgebrüht wird, soll „delicious“ sein. Genauso wie die Kekse und Waffeln. Doch als Nicht-Kaffee-Liebhaber schmeckt man den Unterschied nicht sofort. Und köstliche Cookies gibt es in den Szenebezirken von San Franciscos an jeder Ecken. Es ist also vor allem das gute Branding, das Blue Bottle Coffee zu dem auserwählten Liebling der Tech-Community macht.

Und natürlich trifft Blue Bottle Coffee den Geschmack der wohlhabenden Tech-Community: Klasse statt Masse. Hochwertige Produkte, koste es was es wolle – nicht nur online, sondern auch offline. Diesen Hype wollen sich die ambitionierten Top-Investoren und die reichen Business Angels nicht entgehen lassen.

Und trotzdem macht auch der Mainstream-Kommerz vor Blue Bottle nicht Halt: Die Investoren stecken schließlich nicht aus Nächstenliebe ihr Geld in einen Coffeeshop. Sie wollen möglichst schnell viel Geld damit zu machen. Ähnlich wie Starbucks bietet Blue Bottle deswegen nicht mehr nur Kaffee, sondern viele schicke Merchandising-Artikel an. Mützen mit einer aufgenähten blauen Flasche beispielsweise oder Jutebeutel, auf die ein Blue-Bottle-Shop gezeichnet ist.

Introducing the new @timbuk2 x Blue Bottle Travel Kit. Everything you’ll need to #BrewWhereYouAre.

Ein von Blue Bottle Coffee (@bluebottle) gepostetes Foto am

Zu seinen konkreten Expansionsplänen hat sich Blue Bottle bisher nicht geäußert. Man könnte mutmaßen, dass bald Städte wie Paris, London – oder auch Berlin erobert werden. Dann wäre auch Blue Bottle irgendwann wieder Masse statt Klasse. Genauso wie Starbucks. Aber vielleicht darf das Team ja die alten Räume von erfolglosen McDonald’s-Filialen beziehen.

Bild: Hannah Loeffler für Gründerszene