Blumen-Abo

Bis vor Kurzem noch lag der Online-Blumenmarkt in Deutschland nahezu brach. Zwar decken die bekannten Blumenversender einen gewissen Bereich ab und auch der Florist an der Ecke hat seinen Marktanteil. Im reinen Online-Geschäft, bei dem durch den Ausschluss von Zwischenhändlern hohe Margen locken, tat sich bislang wenig. Nun gehen mit Bloomy Days und Miflora gleich zwei Blumen-Abo-Startups an den Start – fast gleichzeitig und mit ähnlichem Konzept.

Miflora: Blumen-Abos für Geschäfts- und Privatkunden

Mit Bloomy Days (www.bloomydays.de) und Miflora (www.miflora.de) wollen künftig zwei junge Unternehmen das Online-Blumen-Segment bedienen. Ersteres Startup hatte erst vor Kurzem damit Schlagzeilen gemacht, über die Crowdfunding-Plattform Seedmatch (www.seedmatch.de) in 93 Minuten 177 Investoren und die volle (Maximal-)Summe von 100.000 Euro für sich gewinnen zu können. Gerade in diesen Tagen geht nun der Mitbewerber Miflora an den Start. Das Unternehmen stammt vom Inkubator Venture Stars (www.venture-stars.com), der jüngst durch eine Millionenfinanzierung seiner Shoppingportale für Hunde- und Katzenfutter auf sich aufmerksam gemacht hat. Droht nun ein intensiver Wettbewerb?

Venture Stars will sich mit Miflora sowohl auf den Geschäfts- wie auch den Privatkundenmarkt konzentrieren. Und das mit großen Hoffnungen: Bei einem europaweiten Marktvolumen von zirka 13 Milliarden Euro werden allein in Deutschland jährlich drei Milliarden Euro mit Schnittblumen umgesetzt, zitiert der Inkubator den Bundesverband des deutschen Versandhandels. Dabei wachse der Online-Marktanteil im deutschen Markt im zweistelligen Bereich. Dabei würden aktuell rund 60 Prozent der Blumen regelmäßig für Dekorationszwecke eingekauft, heißt es von dem Inkubator weiter.

„Der Bedarf wird aktuell online noch nicht bedient.“

Die Kunden will Miflora – ganz ähnlich dem Wettbewerber Bloomy Days – auf Wunsch regelmäßig mit wechselnden Blumen beliefern – Lieferfrequenz und Menge der Blumen können dabei frei vom Kunden gewählt werden. Dieses Angebot soll vor allem für Geschäftskunden interessant sein, etwa die Arztpraxis, die Ihre Patienten mit frischen Blumen begrüßen will. Aber auch rund ein Drittel der Privatkunden kaufe Blumen regelmäßig zu Dekorationszwecken ein.

„Der Bedarf wird aktuell online noch nicht bedient“, lässt sich Venture-Stars-CEO Stefan Pfannmoeller zitieren, trotz erster Ansätze von Platzhirschen wie Blume 2000 oder Fleurop. 40 Prozent des Marktvolumens werde dabei mit Blumengeschenken gemacht – hier will Miflora vor allem den aktuellen Trend bedienen: hochwertige Schnittblumen in natürlichen und einfachen Arrangements anstatt komplexer Blumensträuße. Mittelfristig ist geplant, das Produktportfolio um die Bereiche passender Home-Deko und Topfpflanzen zu ergänzen.

An der gleichen Stelle setzt bereits Bloomy Days an – was verständlicherweise zu (energischem) Copycat-Frust geführt hat, den sich Geschäftsführerin Franziska Amelie Scheidel unter anderem bei Facebook von der Seele schrieb. Währenddessen ist in den USA bereits seit zwei Jahren der Anbieter H.Bloom (www.hbloom.com) am Markt aktiv, an dem sich ganz offenbar beide deutsche Jungunternehmen zumindest lose orientiert haben.

Für sich selbst will sie einen entsprechenden Vorwurf auch nicht gelten lassen: „H.Bloom ist zwar ein Blumen-Abomodell, hat allerdings einen gänzlich anderen Ansatz als Bloomy Days. Wir sehen uns in diesem Sinne nicht als Copycat von H.Bloom, sondern haben uns einen eigenen Ansatz überlegt, von dem wir ausgehen, dass er in Deutschland funktioniert: Schnittblumen regelmäßig per Paket zu liefern“, sagte sie gegenüber Gründerszene.

Blumen-Abos: Attraktive Margen locken

Tatsächlich gibt es Unterschiede zwischen den beiden deutschen Startups und dem US-Vorbild. Der wohl gravierendste: H.Bloom hat in den USA mit einer Finanzierung von 18 Millionen Euro eine eigene Lieferflotte aufgebaut, um auch anspruchsvollere Firmenkunden und Hotels zu beliefern. Mit dieser ist das Unternehmen nur in größeren Städten unterwegs. Die beiden hiesigen Konkurrenten verschicken ihre Produkte demgegenüber per DHL – dafür aber Deutschland-weit.

Kann das Konzept „Blumen über das Internet verkaufen“ aber generell schon als Geschäftsmodell gelten? Kaum. Damit sind sowohl die inhaltliche Dublette der beiden deutschen Streithähne als auch die zeitliche Nähe wohl kaum mehr als betriebswirtschaftliche Realität. So ärgerlich das auch für den einen oder anderen sein mag.

Der Blumenmarkt ist für den Online-Handel dabei deshalb vergleichsweise attraktiv, weil bei kostengünstigem Einkauf ohne viele Zwischenhändler hohe Margen erzielt werden können. Zudem ist das Produkt in der Regel nur recht kurz haltbar, was bei treuen Kunden einen sehr hohen Customer-Lifetime-Value bedeutet. Hinzu kommt: Die Retourenquote tendiert gegen Null – anders als etwa bei Fashion oder auch Elektrogeräten.

Nicht zuletzt machen die auf Kurzfrist-Bestellungen ausgelegten Lieferketten ohne eigene Lagerhaltung das Modell interessant. Es ist nicht schwer sich vorzustellen, dass die Verlockungen des Marktes hier die Gemüter erhitzen. Aber wer weiß: Vielleicht belebt Konkurrenz ja wirklich das Geschäft.