Ulrich Lewerenz (aktueller CEO Book A Tiger, links) & Lieferheld-Mitgründer Nikita Fahrenholz (neuer CEO von Book A Tiger)

„Wir wollen auf jeden Fall fair zu unseren Reinigungskräften sein“

Der Markt für Putzkraft-Startups ist derzeit hart umkämpft: Anfang April startete Rocket die Putzkraftvermittlung Helpling, deren US-Vorbild Homejoy offenbar ebenfalls vor wenigen Tagen in Deutschland gestartet ist. Auch die beiden Lieferheld-Mitgründer Claude Ritter und Nikita Fahrenholz wollen in dem Markt mitmischen und gründeten vor einigen Monaten eine weitere Vermittlung für Reinigungskräfte: Book A Tiger.

Bisher sind Nikita Fahrenholz und Claude Ritter nur Hauptinvestoren von Book A Tiger, derzeit sammeln die beiden in einer Friends&Family-Finanzierungsrunde mehr Geld für ihr neues Unternehmen. In wenigen Monaten will Fahrenholz bei Lieferheld operativ aussteigen, um CEO bei Book A Tiger zu werden. Claude Ritter wird als COO Produkt- und Marketing-Chef. Aktuell leitet der Ex-McKinsey-Berater Ulrich Lewerenz das Geschäft – er wird nach dem Wechsel von Fahrenholz Head of Operations.

Im Interview erzählt Lewerenz wie die Idee für Book A Tiger entstanden ist, wieso der Service teurer als bei Helpling ist und wann das Startup, das bisher nur in Berlin Reinigungskräfte vermittelt, in andere deutsche Großstädte expandieren will.

Ulrich, wie kam es dazu, dass du mit Unterstützung von Claude Ritter und Nikita Fahrenholz von Lieferheld die Putzkraftvermittlung Book A Tiger gegründet hast?

Claude, Nikita und ich sind gut befreundet. Vor einigen Monaten haben wir uns darüber unterhalten und die Köpfe zerbrochen, wie schwierig es ist, gute Reinigungskräfte zu finden und zu buchen. Ich persönlich bin in dieser Hinsicht sehr wählerisch und lasse generell ungern Fremde alleine in meiner Wohnung. Gerade in meiner Zeit als Berater war ich zeitlich natürlich wahnsinnig stark eingebunden und hatte immer Probleme, eine gute Putzkraft zu finden.

Wollen Claude und Nikita tatsächlich zu Book A Tiger wechseln? Welche Aufgaben werden sie übernehmen?

Claude und Nikita haben beide in Book A Tiger investiert und sind unsere Hauptinvestoren. Darüber hinaus werden beide auch die operative Führung des Unternehmens übernehmen – Nikita als CEO. Die genaue zeitliche Planung ist hier aber noch nicht final.

Kam die Idee für Book A Tiger durch das US-Startup Homejoy?

Nein, das war tatsächlich unsere eigene Idee.

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Wie ging es dann weiter?

Anfang des Jahres haben wir unser Vorhaben das erste Mal konkret diskutiert, im März dann die jetzige Firma gegründet und seit dem 2. April sind wir online. Wir sind natürlich sehr zufrieden mit der deutlich positiven Entwicklung des Marktes und der damit verbundenen Aufmerksamkeit.

Wann habt ihr das erste Mal mitbekommen, dass Rocket Helpling startet?

Von Helpling haben wir über die Presse erfahren. Unser Fokus lag aber von Anfang an auf unserem Produkt und unserer Dienstleistung und nicht auf unserem Wettbewerb.

Ist es frustrierend, wenn ausgerechnet ein Rocket-Startup, das unglaublich schnell wachsen will, mit euch konkurriert?

An unserer Situation ist überhaupt nichts frustrierend, ganz im Gegenteil: Es geht uns gut – wir wachsen schnell, haben sehr zufriedene Reinigungskräfte und erhalten äußerst positive Bewertungen und Feedbacks von unseren Kunden. Alle Wettbewerber in unserem Markt sind noch relativ jung und müssen sich am Markt erst beweisen. Wir konzentrieren uns jetzt auf unseren Heimatmarkt Deutschland: Es ist unser erklärtes Ziel, hier die klare Nummer Eins zu werden!

Was unterscheidet euch von Helpling oder Cleanagents?

Was uns von der Konkurrenz unterscheidet, muss am Ende der Kunde beurteilen. Wir achten vor allem darauf, dass unsere Reinigungskräfte gut ausgebildet sind und eine qualitativ hochwertige Leistung für den Kunden erbringen. Um dies sicher zu stellen, müssen die Reinigungskräfte bei uns ein dreistufiges Aufnahmeverfahren erfolgreich durchlaufen – das beinhaltet ein Interview, einen Test und eine Probereinigung.

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Was für einen Test?

Unser Test ist ein Multiply-Choice-Test mit rund zwanzig Fragen. Keiner der Bewerber schafft in diesem Test hundert Prozent, aber wir merken damit schnell, wie gut die Reinigungskräfte sind, welche Erfahrungen sie mitbringen und an welchen Stellen wir eventuell durch Trainings unterstützen müssen. Letztlich können wir am Ende nur 10 Prozent der Bewerber in unsere Gruppe der Reinigungskräfte aufnehmen.

Wie findet ihr eure Reinigungskräfte?

Über Zeitungsannoncen, Jobbörsen und natürlich auch über Mund-zu-Mund-Propaganda.

Wie viele Reinigungskräfte habt ihr schon?

Das kann ich gerade noch nicht sagen. Aber wir haben genug, um alle Kundenanfragen bearbeiten zu können.

Dann: Wie viele Anfragen habt ihr?

Auch das kann ich leider derzeit nicht kommentieren.

Wie funktioniert euer Geschäftsmodell?

Unsere Reinigungskräfte stellen den Kunden pro Stunde 15 Euro in Rechnung. Davon erhalten wir 20 Prozent zuzüglich Mehrwertsteuer. Das bedeutet, dass der Reinigungskraft am Ende 11,43 Euro verbleiben. Unabhängig davon, ob sie als Kleinunternehmen auftreten oder nicht und damit im letzteren Fall zur Veranlagung der Umsatzsteuer verpflichtet wären, bleibt der effektive Stundenlohn deutlich über dem Mindestlohn des Reinigungsgewerbes, der momentan bei 9,31 Euro liegt. Wir wollen auf jeden Fall fair zu unseren Reinigungskräften sein und setzten uns an dieser Stelle auch für eine entsprechende Vergütung ein. Letztlich treten wir damit auch gegen den großen Markt der illegalen Beschäftigung an.

Eine Frage, die unsere Leser nach dem Interview mit den Helpling-Gründern häufig gestellt haben: Habt ihr Angst, dass ihr nach der ersten Reinigung als Mittler entfallt, weil sich der Kunde mit der Putzkraft privat abspricht?

Das ist eine berechtigte Frage und in der Tat ein bestehendes operatives Risiko. Allerdings wird man mit diesem Risiko immer umgehen müssen, wenn man online Kunden für ein Offline-Business generiert – diesem Problem haben Online-Lieferdienste wie beispielsweise Lieferheld auch begegnen müssen. Werden wir uns dagegen wehren können? Anfänglich mit Sicherheit nur bedingt. Selbstverständlich schließen wir ein solches Verhalten unserer Reinigungskräfte vertraglich aus, aber die Herausforderung besteht in der Überprüfung und operativen Kontrolle. Unser Ansatz ist letztlich ein ganz anderer: Wir werden unsere Reinigungskräfte von unserem Service und unserer Unterstützung überzeugen.

Bisher vermittelt ihr nun in Berlin Reinigungskräfte. Wie soll es jetzt weitergehen?

Der nächste Schritt ist selbstverständlich die Expansion in weitere Großstädte in Deutschland. In welche Städte wir zuerst expandieren und in welchem zeitlichen Rahmen das stattfinden wird, überprüfen wir gerade.

Wollt ihr auch international expandieren?

Dafür ist es wirklich noch zu früh und darüber werden wir uns Gedanken machen, wenn die Zeit so weit ist. Wir wollen uns völlig auf unseren Heimatmarkt Deutschland konzentrieren.

Plant ihr, auch andere Dienstleistungen anzubieten?

Nein, das ist nicht unser Ziel. Wir konzentrieren und fokussieren uns komplett auf den Reinigungs-Service. Wir wollen in dieser Kategorie bleiben, weil wir hier Wissen und Erfahrungen aufgebaut haben.

Wieso eigentlich Book A Tiger?

Der Kunde bucht bei uns jemanden, der flexibel ist und der etwas Besonderes kann. Wir dachten alle an ein starkes Tier. Da haben wir uns nach einigen Diskussionen für den Tiger entschieden.

Danke für das Gespräch, Ulrich.

Das Interview wurde geführt, bevor bekannt wurde, dass Homejoy in Deutschland startet. 

Bild: Gründerszene / Ulrich Lewerenz / Nikita Fahrenholz