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Bootstrapping: „Geld sparen“ und „Geld nicht ausgeben“ sind zweierlei – Teil 2

1. September 2009 von Stefan Wolpers 19Kommentare

bootstrapping1Cash is King. Dies ist ein Allgemeinplatz in Sachen Bootstrapping, genauso wie das 3F-Finanzierungsmodell: Fools, Friends und Family. Darüber hinaus gibt es jedoch weitere Faktoren, welche die Reichweite eines gebootstrappten StartUps unmittelbar beeinflussen. Ich möchte hierbei zwischen harten und weichen Faktoren unterscheiden. Während die erste Kategorie unmittelbar den Cash-Flow beeinflußt, haben weiche Faktoren einen mittelbaren, deswegen aber nicht zu vernachlässigenden Einfluß. Nachdem sich der erste Teil zum Thema  Bootstrapping der Definition von Bootstrapping und den wesentlichen Aspekten gewidmet hat, beschäftigt sich Teil 2 dieser Reihe mit den harten Faktoren auf Ebene der persönlichen Lebensführung und der operativen Aufwendungen.

1. Persönliche Lebensführung:

rotstiftDie gute Nachricht vorweg: Wer viel arbeitet, hat kaum Zeit, Geld auszugeben. Womit wir auch schon beim wichtigsten Punkt sind, wie man die Reichweite der eigenen Finanzen strecken kann: Den Lebensstandard für die Zeit des Bootstrapping so weit als möglich herunterzufahren. Das sieht man der Garderobe und dem Hausstand zwar nach einiger Zeit an, aber für die „richtige“ Sache das Leben eine zeitlang auf Verschleiß fahren, geht schon in Ordnung.

Urlaub, Auto, teure Klamotten, viermal die Woche ausgehen? Gestrichen. Was allerdings schlimmer klingt, als es in Wirklichkeit ist. Es ist meiner Erfahrung nach erstaunlich, mit wie wenig man auskommen kann, wenn man sich auf eine Sache fokussiert und dieser alles andere unterordnet. Zudem hat Geld einen abnehmenden Grenznutzen: Wenn man nur noch einmal alle zwei Wochen ausgeht, wird selbst eine einfache Margherita wieder zum Genuß. Und selbiger ließe sich sogar berechnen:

Sollte man in eine günstigere Wohnung umziehen oder gar in eine andere Stadt? Dies ist im Einzelfall sicherlich zu überlegen. Für ein Internet-StartUp ist der Standort Berlin nicht nur deswegen vorteilhaft, weil es dort eine so lebendige Szene gibt, sondern auch weil die Lebenshaltungskosten durch die Bank deutlich günstiger als in Hamburg oder München sind.

Diese Option hat zwar nicht jeder, man sollte jedoch unbedingt – bevor man sich für das Bootstrappen entscheidet – sehr kritisch durch das eigene Budget gehen, hier und da das Fett heraus schneiden.

Eine weitere sehr gute Quelle zur Minimierung des monatlichen Liquiditätsabflusses neben dem persönlichen Konsum ist der Bereich Versicherungen. Bootstrappende Gründer brauchen maximal vier Versicherungen:

Für die Absicherung von Angehörigen – falls erforderlich – empfiehlt sich der Abschluß einer Risikolebensversicherung für wenig Geld. Alle anderen Versicherungen sind meiner Meinung unnötig und damit für die Phase des Bootstrappens erste Kandidaten der Budgetentfettung. Ganz oben auf meiner persönlichen Liste der Geldvernichtungsarten durch Versicherungen stehen die Unfallversicherung mit Beitragsrückerstattungsgarantie und die Kapitallebensversicherung.

Ein weiterer Vorteil des knappen Budgets: Wer bis dato nur Markenartikel geshoppt hat, hat nunmehr die Möglichkeit, das Geschäftsmodell der Discounter intensiv zu studieren: Feinkost Albrecht ist ja nicht nur zynisch gemeint. Wenn selbst unsere amerikanischen Freunde beginnen, sich daran zu gewöhnen, dass man Tüten auch selber packen kann…

Fazit: Man kann deutlich mehr einsparen, als man sich anfänglich vorstellen kann. Und dies ist ein wichtiger Aspekt, denn dieser Verzicht bedeutet Reichweite und kann das Unternehmen so weit tragen, dass es einen positiven Cash-Flow erwirtschaftet.

2. Operative Aufwendungen des Unternehmens:

buro-bootstrappingDie Gegenseite zu den persönlichen Aufwendungen sind die Aufwendungen für Einrichtung und Betrieb des Unternehmens. Die wenigsten Start-Ups kommen ganz ohne Anschaffungen aus, selbst drei digitalen Nomaden auf dem Weg zum Next-Big-Thing nach Twitter sollte dies schwer fallen. Umso wichtiger ist die Beachtung einiger einfacher Regeln bei der Verteilung des mageren Budgets:

  • Ressourcen werden stets nach Bedürftigkeit verteilt, nicht nach formellen Funktionen innerhalb des Unternehmens, sprich: der Geschäftsführer bekommt nicht den schnellsten PC/Laptop, es sein denn, er benötigt ihn tatsächlich in dieser Ausstattung.
  • Braucht das Unternehmen anfänglich überhaupt ein Büro? Diese Frage stellt sich insbesondere bei Dienstleistungsunternehmen ohne Mitarbeiter, die keinen Kunden- oder Lieferverkehr haben.
  • In diesem Fall sollte man meines Erachtens keine Hemmungen haben, seine Mietwohnung vorübergehend teilgewerblich als Büro zu nutzen. Da keine Belästigung der Mitbewohner zu erwarten ist und die Abnutzung der Mietsache ebenfalls nicht vergrößert wird, läuft man kaum Gefahr, mit dem Vermieter Stress zu bekommen. Das sieht der BGH mittlerweile auch so – mehr dazu auf Förderland.
  • Entschliesst man sich, in eine andere Stadt zu ziehen, sollte die neue Wohnung günstig gelegen sein. Ein Beispiel: Wer in Berlin in Mitte oder Friedrichshain wohnt, hat quasi alle Events vor der eigenen Haustür. Dies erspart nicht nur ein Auto – es gibt hier so oder so kaum Parkplätze – sondern minimiert auch den Zeitaufwand für die Wegstrecken.
  • Wenn es denn nun unbedingt ein Büro sein muss: Niemals einen langfristigen Mietvertrag abschliessen, schon gar nicht für ein auf Zuwachs angemietetes Büro. Stattdessen sollte man immer diejenige Mietvertragsvariante wählen, welche die schnellste Beendigung des Mietverhältnisses ermöglicht – auch wenn diese einen Zuschlag auf den Mietzins erfordert. Hierfür gibt es zwei Gründe:
  1. Der Büro-Zyklus eines erfolgreichen Start-Ups ist wie häufig folgt: Anfänglich etwas zu groß, dann wird es ziemlich eng und schließlich muss man umziehen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass dies im 12 Monatsrhythmus stattfindet. Ein gewerblicher 5-Jahres-Mietvertrag – der Traum aller Makler – macht dies unmöglich.
  2. Wenn sich herausstellt, dass das Start-Up nicht funktioniert, möchte man diesen Mühlstein so schnell wie möglich vom Hals haben, was ein derartiger Mietvertrag verhindert. Sie sind daher nicht einer der wichtigsten Insolvenzgründe.
  • Sofern nicht zwingend aufgrund von Branche und/oder Geschäftsmodell erforderlich, sollte man kein Geld auf Einbauten – zum Beispiel Netzwerke vergraben – oder aufwendige Renovierungen verwenden. Mit einer 12-Monate-dann-sind-wir-hier-wieder-raus-Perspektive lohnt dies alles nicht. Die Wände neu zu weißen, muß ausreichen und ein eigenes WLAN macht den Elektrosmog auch nicht fetter.
  • Es gibt viele Quellen für gebrauchte Büromöbel und oftmals gibt es diese umsonst, wenn man sich zur Abholung bereiterklärt. Der visuelle Eindruck des Ensembles ist – mit Ausnahme von beispielsweise Verkaufsräumen – von untergeordneter Bedeutung, so lange die Ausstattung funktional ist.
  • Gute Bürostühle sind ungemein wichtig: Weniger Rückenschmerzen bedeuten eine höhere Produktivität.
  • Wer heutzutage unbedingt noch Excel lizensieren möchte, hat die Zeichen der Zeit noch nicht verinnerlicht: Open Source Software in guter Qualität gibt es praktisch für alle Anwendungsbereiche und vieles lässt sich über kostenlose Webservices wie Google Docs erledigen.
  • Wer dennoch auf Microsoft-Produkte angewiesen ist, sollte ein Blick auf das Microsoft Partner Programm werfen. Im Rahmen dessen gibt es für wenig Geld das Microsoft Action Pack-Abonnement mit allem, was der Herz des Microsoft-Jüngers begehrt, in der Regel für zehn bis 15 Arbeitsplätze. Das Office für MacOSX ist allerdings davon ausgenommen.
  • Visitenkarten mögen in Zeiten von Poken und Co. manchem seltsam vorkommen, sind dennoch unverzichtbar. Wenn man sich auf die wichtigen Informationen wie URL, E-Mailadresse, Twittername und Mobilnummer beschränkt, kann man sie gleich im 1.000er Pack in guter Qualität (4c-Offsetdruck) für knapp 30 Euro online beziehen. Dann gibt es auch keine Ausrede mehr, warum jemand aus dem Team diese nicht en masse unter’s Volk streut.
  • Braucht man heute noch ein Festnetztelefon und ein Fax? Dies hängt sehr von der Zielgruppe des eigenen Angebotes ab. Wenn diese bereits an E-Mail oder Social Meida gewöhnt ist, reicht ein ISDN-Anschluß mit einer kleinen Telefonanlage meist völlig aus. Abraten möchte ich von der Anmietung von Telefonanlagen über die Telcos – deren Mietverträge haben Laufzeiten von gern fünf oder mehr Jahren.
  • Welche Berater braucht ein Start-Up? Auch dies hängt wiederum von Branche und Geschäftsmodell ab:

Steuer- und Rechtsaspekte

aktenEin Steuerberater ist dringend empfohlen: Zum einen wegen des resultierenden Status des Start-Ups beim zuständigen Finanzamt.  Andererseits zwingt ein Steuerberater auch, sich regelmäßig mit der wenig geliebten administrativen Seite des Geschäftes auseinander zu setzen.

Werden die Belege gut vorsortiert, fehlen keine Belege und kann jemand die Kasse ordentlich führen, ist die laufende Buchhaltung inklusive der Umsatzsteuervoranmeldung monatlich für wenig Geld zu haben. Das ist nicht nur entspannend – man wird von der Pleite nicht mehr überrascht, wirft man ab und zu einen Blick in die BWA – sondern macht auch auf Banken und potentielle Investoren einen guten Eindruck.

Einen Anwalt sollte man unbedingt in Sachen Gesellschaftsrecht, AGB und Onlinerecht zu Rate ziehen.

Die Idee, einfach von Wettbewerbern zu kopieren, ist nicht neu: AGBs und Co. sind offen verfügbar und man kann im Registergericht praktisch jede Akte einsehen und Satzungen ausdrucken oder kopieren. Es ist besser als nichts zu haben, aber oftmals problematisch wegen unterschiedlicher Geschäftsmodelle, Urheberrechtsfragen und möglicherweise enthaltener Fehler.

Wenn sich jemand im Team mit Recht etwas auskennt, könnte man wichtige Dokumente selbst zusammenstellen und selbige dann einem Rechtsanwalt zur Prüfung vorlegen. Was Notare anbelangt, so bin ich überzeugter Anhänger des Hamburger Modells: Ein Notar kann nicht gleichzeitig als Anwalt praktizieren. Dies führt zu einer deutlich größeren Professionalität und geringer Fehlerquote.

Wenn es um Markenrecht geht, ist die Einschaltung eines (Patent-)Anwaltes dringend empfohlen – diese Materie ist bei Fehlern zu kostspielig, als dass man sich hier Improvisieren erlauben könnte. Was auch mit der Natur des Rechtsgebietes zusammenhängt: Eine Marke, die nicht verteidigt wird, verliert langsam aber sicher ihren Schutzcharakter und könnte in Folge auf Antrag gelöscht werden.

Deshalb ist im Konfliktfall die Konfrontation der Parteien in der Regel unausweichlich. Bereits die „gütlichen“, außergerichtlichen Auseinandersetzungen können einem die Tränen in die Augen treiben, die Kosten der eigenen Rechtsverteidigung werden gern schnell vierstellig.

Bevor man also sich also für die so coole neue Firma begeistert und im Überschwang der Emotionen 20 und mehr Top-Level-Domains registriert, werfe man doch einen Blick ins DPMAregister des Deutschen Patent- und Markenamtes. Auch sehr hilfreich ist Unternehmensregister.de, die zentrale Plattform für die Speicherung von Unternehmensdaten des Bundesministeriums der Justiz. Google, Telefonbücher und gelbe Seiten sind bei der Suche nach einer Firma ebenfalls nützlich.

Dienstleistungen outsourcen

weckerSollte man – um die Liquidität zu schonen – Geschäftsanteile zur Vergütung an Berater abgeben? Meiner Meinung nach nicht: Die Anteile an dem Start-Up sind in der Regel das Einzige, was später einmal von Wert sein könnte. Sofern die Gelder zur Verfügung stehen, sollte man die Dienstleistung bezahlen.

  • Hosting: Ohne Frage ein Fall für’s Outsourcen. Es gibt – von wenigen Ausnahmen abgesehen ­– heutzutage kaum noch einen Grund, eine Website oder andere Applikationen auf eigener Hardware laufen zu lassen; Getränke können günstiger als im eigenen Serverraum gekühlt werden. Und wer Sicherheitsbedenken hat, der möge über VPNs nachdenken.
  • Ob Cloud-Computing der Weisheit letzter Schluss ist, muss jeder für sich einmal durchrechnen. Solange es dezidierte Server mit Quad-Core-CPUs, 8 GB Hauptspeicher sowie Storage und Traffic bis zum Abwinken für weniger als 60 Euro netto im Monat gibt, sind amazon S3 & Co. für lange Zeit unattraktiv.

Das Einstellen weiteren Personals

handshakeZwar fängt Bootstrapping meist bei einem selbst an und dennoch stellt sich irgendwann die Frage nach dem Zuwachs. Sollte man für ein gebootstrapptes Start-Up Personal einstellen? Hierzu gibt es verschiedene Aspekte, die es zu berücksichtigen gilt, denn nicht nur das Ob spielt eine Rolle, sondern auch das Wie:

  1. Meiner Meinung sollte das Einstellen von Mitarbeitern allenfalls ganz zum Schluss, erfolgen, wenn es anders wirklich nicht mehr machbar ist oder Qualifikationen benötigt werden, die nicht im Team vorhanden sind.
  2. Wenn möglich, versuche man A-Leute einzustellen, also zum Beispiel andere, die bereits unternehmerisch tätig waren und mit der Atmosphäre und den Anforderungen, die in einem Start-Up mit engem Budget an sie gestellt werden, gut zurecht kommen.
  3. Es gibt hierzu noch einen anderen Aspekt: A-Leute interessieren andere A-Leute für das Start-Up, während B-Leute allenfalls C-Leute empfehlen – aus Angst vor dem eigenen Bedeutungsverlust.
  4. Das Arbeitsamt kann eine interessante Variante sein, wenn das neue Teammitglied zusätzlich noch förderfähig ist. Das funktioniert aber ausschließlich in dieser Reihenfolge: Ich möchte dringend davon abraten, jemanden nur deswegen einzustellen, weil diese Person förderfähig ist. Das geht immer schief und erinnert mich stets an die Voraussetzungen für das Steuersparmodell: Die Investition selbst muss sich rechnen. Wenn es dann noch eine Steuerersparnis gibt – um so besser. Wenn nicht: Finger weg.
  5. Praktikanten? Muss man im Einzelfall abwägen: Wie viel Einarbeitung und Kontrolle ist erforderlich, was soll dabei für beide Seiten herauskommen etc. Ein guter Übersichtsartikel zu Praktikant und Co. ist hierzu bereits auf Gründerszene erschienen.

Überflüssige Ausgaben

bootstrapping-kostenAuf der Liste der überflüssigen Aufwendungen stehen meiner Meinung nach: Lustreisen, getarnt als zwingend erforderliche Geschäftsreise, Konferenzen, die man nicht kostenlos oder gesponsort besuchen kann, Parties – gleich zu welchem Zweck – sowie Geschäfts-essen, die über eine Einladung an die nächste Dönerbude hinausgehen.

Last, but not least: Das Cash-Management. Je weniger Liquidität vorhanden ist, desto genauer muss der Zahlungsverkehr gesteuert und überwacht werden. Hierzu gehören unter anderem:

  1. Sofern irgendwie möglich, sollten keine Lastschriftgenehmigungen gewährt werden, insbesondere nicht für das Finanzamt oder die Telekom.
  2. Skonto bei Lieferanten sollte genutzt werden; dies nicht zu tun ist die teuerste Form der Zwischenfinanzierung.
  3. Zahlungsfristen bei öffentlichen Institutionen unbedingt einhalten (Finanzamt, Krankenkassen etc.), damit keine Säumniszuschläge fällig werden.
  4. Immer daran denken: Das Finanzamt kann zum Beispiel selbst vollstrecken – die brauchen weder Mahnbescheid noch Gerichtsvollzieher…
  5. Wichtige Geschäftspartner (etwa Steuerberater, Anwälte, Notar oder bestimmte Dienstleister) stets pünktlich zahlen, denn man weiß nie, wann man später einmal auf deren Wohlwollen angewiesen ist (Stichwort Insolvenz).
  6. Eigene Forderungen aus Lieferung und Leistung bei säumigen Kunden rechtzeitig anmahnen und eintreiben. Deren Zahlungsbereitschaft ist in gewissem Umfang auch Erziehungssache. Hierzu bedarf es Disziplin auf Seiten des Start-Ups: Die eigenen Zahlungsbedingungen müssen auch konsequent umgesetzt werden – und dies hört bei Mahnbescheid und Lieferstopp nicht auf.
  7. Ggf. sollte man auch über eine Forderungsausfallversicherung nachdenken. Dies ist aber branchen- und konditionsabhängig und mag sich in vielen Fällen nicht rechnen.

Der nächste Teil der Bootstrapping-Reihe befaßt sich dann mit den weichen Faktoren des „Geld sparen und Geld nicht ausgeben sind zweierlei“.

Über den Autor:

Stefan Wolpers, bloggt und twittert für susuh.de, einem Marktplatz für Dienstleistungen. Daneben macht er unter stefans-eisrezepte.de Eiscreme selbst und veröffentlicht die Rezepte für andere Nutzer.

Stefan ist Initiator des @Twittwochs – einem Tweetup für Menschen, die sich beruflich mit Social Media im Allgemeinen und Twitter bzw. Microblogging im Besonderen beschäftigen. Mittlerweile ist der Twittwoch bereits in Köln, Hamburg, München und Berlin etabliert.

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19 Kommentare »

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  • Joel Kaczmarek

    Find ich einen absoluten top Artikel, Stefan. Sehr cool geworden und praktisch ein Muss für jedes StartUp ;-).

  • Moritz

    toller Beitrag, wie schon Teil 1. einziger kleiner nachtrag: irgendeine empfehlung iS visitenkarten? war bei einer entsprechenden google-suche vor ein paar monaten mal schlicht erschlagen…

  • Michael Burgstahler

    Auf alle Fälle: Sehr guter Artikel, praxinahe Tips – auch wenn meine Startup-Zeit schon über 10 Jahre zurück liegt ;-)

    Aber eines geht gar nicht: 1000 Visitenkarten für 30 Euro!

    Wer’s wirklich wissen will, geht zu Vistaprint und gönnt sich diese Lidl-Qualität. Im Ernst: Startups wollen hoch hinaus und leben gerade am Anfang zu einem guten Teil von der professionellen Eigen-Darstellung, auch bei Investoren. Da sind zusammengesparte Visitenkarten genauso fehl am Platze wie eine Schlußverkaufskrawatte von Kik.

    Ordentliche Geschäftspapiere gehören in der Startup-Zeit zur absoluten Basis-Ausstattung. Und da zählt Qualität, nicht Pfennigfuchserei. Professionelle Lösungen kosten wirklich nicht die Welt. Aber auf jeden Fall mehr als 30 Euro!

  • Moritz

    hi hi, genau das dachte ich ehrlich gesagt damals auch. irgendwie war die von mir erwünschte variante: schlicht, klassisch, hochwertig bzw. zumindest ansatzweise nach was aussehend über diese ganzen standard-module nicht machbar. dazu dann tausende von ach so wunderbar blinkenden websiten etc. – da lasse ich das lieber von der pr-freelancerin um die ecke erledigen und habe das thema dann vom fuß. “bootstrapped” aber natürlich ist das dann nicht mehr wirklich ;)

  • Gustav

    Tolle Serie, weiter so!

  • egghat

    Hosting oder Cloud Computing? Das würde ich anders sehen. Dass ich mit einem Server unlimited Traffic machen kann, steht ja nur auf dem Papier. Es ist ja schließlich nur eine Ethernetkabel dran, was die Bandbreite schon beschränkt. Und was ist z.B. mit Backups? Klar ist ein eigener Server, der vernünftig ausgelastet ist, billiger als Cloud Computing, aber eben auch nur dann.

    Der Vorteil bei Amazons EC2 oder Googles App Engine ist ja, das ich nur zahle, was ich auch brauche. Also eben auch sehr wenig, wenn ich nur sehr wenig Last mache (was eben nochmal billiger als 60 Euro sind). Der zweite große Vorteil ist, dass das Teil im Zweifelsfall leichter skaliert (solange meine Software drauf vorbereitet ist). Ich muss keinen zweiten Rechner kaufen/mieten und zahlen. Ich muss den nicht weiterbezahlen, wenn der Traffic wieder nach einem Spike zusammenbricht.

    Man gewinnt extrem viel Flexibilität. Und einen Architektur zu haben, die im Zweifelsfall nicht geheist wird, kann so viel Geld wert sein, dass ich da nicht sparen würde.

  • Stefan Wolpers

    @Moritz @Michael:

    Wir haben mit print24.de ganz gute Erfahrungen gemacht. Die Vorkasse nervt etwas, aber 1.000 Visitenkarten (4/0öfarbih) für 26,41 netto auf ordentlichem Papier ist schon okay. Die Vorlage sollte allerdings von einem Graphiker gemacht sein.

    Teuer werden stets nur Sonderarbeiten, print24.de lebt von Economies-of-Scale bei Standardsachen, wie Schmuckfarben (z.B. HKS) oder besondere Weiterverarbeitung. Und Stahlstich gibt es für den Preis auch nicht. ;)

  • Stefan Wolpers

    Ups: 4/0-farbig natürlich…

  • Stefan Wolpers

    @egghat

    “We cross that bridge when we come to it” – wie mein alter Chef aus Amiland immer zu sagen pflegte.

    Ich spreche Clound-Computing mitnichten die Existenzberechtigung ab. Es geht jedoch bei einer neuen Applikation meines Erachtens, bevor man sich systemarchitekturseitig darauf vorbereitet, daß nächste Twitter zu werden, erst einmal darum, die Applikation als solche beim Zielpublikum testet. Erst wenn die ankommt, dann kann man sich in einer neuen Version auch Gedanken um Skalierbarkeit und Lastspitzenabdeckung in der Cloud machen.

  • egghat

    Der Mehraufwand für eine Cloud-Anwendung ist aber IMHO so gering, dass man doof ist, es ist nicht so zu machen. Google App Engine kostet bis 500.000 PIs gar nischt. Das ist also noch billiger als einen Rechner zu mieten. Die Hosting Kosten sind in beiden Fällen sehr gering. Das ist eigentlich keine Diskussion wert. Wenn man über was diskutieren sollte, ist es der Mehraufwand für die Entwicklung. Der ist da, aber eben auch nicht so groß …

  • Michael Burgstahler

    @Stefan

    Mag sein, daß der eine oder andere schon mal ein Schnäppchen bei diesen Discount-Druckern gemacht hat. Das Problem bei diesen Anbietern ist aber so ähnlich wie eine verkorkste Körpersprache: Man sieht selbst nicht, wie unsicher/arrogant/verschlossen man rüberkommt, aber der Gesprächspartner nimmt das sehr wohl wahr – nur unterbewußt …

    Ich leite selbst eine Design-Agentur und habe schon tausende von Druckjobs bei allen möglichen Druckereien beauftragt. Außerdem kenne ich die internen Abläufe der Discount-Druckereien sehr gut. Die enormen Preissenkungen werden gar nicht primär aus den “Economies of Scale” gewonnen, sondern aus der “Reduction of Service and Quality”. In einer Druck-Kalkulation sind die Maschinen-Laufzeiten, sowie Papier und Farbe der geringste Anteil. Die meisten Kostenanteile fallen in anderen Bereichen an, wo die Discounter dann auch kräftig den Rotstift ansetzen.

    Leider zu Lasten des Bestellers:

    - Keine Beratung: Das macht wirklich viel aus! Offset- oder auch Digital-Druck produziert nicht einfach das, was man auf dem Entwurf sieht. Druckmaschinen und Papiere sind wichtige Variablen in der Endqualität.
    - Der Farbauftrag wird bei einem Massendruck überhaupt nicht auf den Kunden-Auftrag optimiert. Durch passende oder eben fehlende Farb-Einrichtung an der Druckmaschine kriegt man Schwankungen um die 10-15% pro Farbkanal hin. Das haut einem so manchen Grau- oder Pastell-Ton in eine völlig unerwünschte Richtung.
    - Farbschwankungen innerhalb der Gesamt-Auflage werden in Kauf genommen.
    - Über zu große Passer-Toleranzen will ich gar nicht reden …
    - Trocknungszeiten gibt es nicht: Da kann dann schon mal Farbe von der unterliegenden Visitenkarte auf die darüber abschmieren.
    - Fehldrucke (sog. Makulatur-Exemplare) werden nicht aussortiert
    - Fehlschnitte (z.B. zu knapp oder schief geschnitten) werden nicht aussortiert
    - Die Termine sind häufig eine Lachnummer: Statt drei Tagen sind es häufig drei Wochen.
    - Keine Reklamation möglich bei diesen Witzpreisen

    Und das sind nur ein paar Punkte aus der Praxis … nicht von _einem_ Discount-Drucker, sondern von zahlreichen.

    Der Besteller ist ja meistens Laie und weiß gar nicht, daß es bei einer ordentlichen Druckerei viel besser geworden wäre. Und bei 1000 Exemplaren prüft er auch nicht jedes einzelne Exemplar. Wenn er dann aber mal eine verschmierte, schief geschnittene Visitenkarte Viktor Venture-Capital übergibt … ja dann ist es zu spät.

  • Stefan Wolpers

    @Michael

    Die von Dir geschilderten Probleme sind mir bestens bekannt – ein guter Drucker hat bei mir einen vergleichbaren Status wie Zahnarzt oder Orthopäde, dies einmal vorausgeschickt.

    Dennoch lohnt es sich m.E., dies bei Standardsachen – also typische Formate ein- oder vierfarbig bedruckt – einmal auszuprobieren.

    Und ich früher an einer Druckerei beteiligt war, die hauptsächlich Akzidenzdrucksachen produziert hat, erlaube ich mir auch zu bemerken, dass die Qualität eines Anbieter, der 300-400% teurer als ein Discounter ist, deswegen nicht zwangsläufig besser ist.

  • Michael Burgstahler

    @Stefan

    Da sprichst Du ein paar gute, grundsätzliche Punkte an:

    Gute Drucker sollte man sich tatsächlich über viele Jahre halten und nicht gnadenlos ausquetschen – es zahlt sich unterm Strich aus, z.B. wenn man mal sebst Mist in der Datenlieferung gebaut hat und die Druckerei es noch abfängt, obwohl sie es nicht müßte.

    So ein kundenfreundliches Verhalten bekommt man bei Discountern nicht.

    Druckqualität läßt sich in der Tat nicht am Druckpreis messen. Aber eigentlich geht es auch nicht um den Preis von 1000 Visitenkarten für eine Person. Typischerwweise läßt ein Startup mehrere Visitenkarten für mehrere Personen drucken und wahrscheinlich auch noch Briefbögen. Bei so einem Gesamtpaket kann auch eine “normale” Druckerei einen recht akzeptablen Preis _pro 1000 VKs_ machen. Zwar teurer als beim Discounter, aber eben mit weniger Mängel-Risiko.

    Das mit dem “Ausprobieren” der Discounter bei Standard-4c-Drucksachen ist eine Grundsatz-Frage: Wieviel ist mir die Drucksache am Ende wert? Geht es um Billig- vs. Edel-Mineralwasser in der Kunden-Bewirtung (nicht geschäftskritisch) oder um den sprichwörtlichen “ersten Eindruck” bei Investoren (sehr geschäftskritisch)?

    Kann und will ich es mir bei einem Druckauftrag leisten, daß das Risiko von Qualitätseinbußen hoch ist, aber der Preis dafür niedrig? Bei ein paar Pizza- oder Disco-Flyern sicherlich ja. Bei Geschäftspapieren würden unsere Kunden durch die Bank dieses Risiko minimieren wollen.

    Web-Startups wählen sich ihre Hosting-/Cloud-Anbieter ja auch nach mehr Kriterien aus als nur den Preis. Weil sie eben wissen, daß Qualitätsprobleme bei solchen Lieferanten geschäftskritisch sind.

    Für das eigene Erscheinungsbild wird jedoch die “Kritikalität” meines Erachtens regelmäßig zu niedrig angesetzt. Weil man eben selten negatives Feedback von den Empfängern bekommt. Die verbuchen einen schlechten Eindruck unterbewußt oder behalten ihn für sich.

  • Jannis

    Wenn man MS-Produkte braucht, dann ist manchmal das BizSpark Programm von Microsoft noch interessanter als das ActionPack. Einfach mal bei http://www.microsoft.com/Bizspark/Default.aspx reinschauen

  • Stefan Wolpers

    @Michael:

    Was das Für-sich-behalten-eines-schlechten-Eindrucks-anbelangt anbelangt, stimme ich Dir zu, unsere (Geschäfts-)Kultur sieht das nicht vor.

    Im Umkehrschluß jedoch alles auf die „richtige“ Visitenkarte zu setzen, geht m.E. zu weit: Bevor ich einen VC zu Gesicht bekomme, habe ich so viele Hürden zu überwinden, dass die Visitenkarte im Vergleich zum potentiellen Investment und dessen ROI eher zur Petitesse gerät.

  • egghat

    Ganz nebenbei soll es auch VCs geben, die es durchaus schätzen, wenn potentielle Gründer ihr Geld nicht für teure Visitenkarten verballern. Zumindest in Finanzierungsrunde 1 könnte eine teure Visitenkarte durchaus auch zum Boomerang werden …

  • Michael Burgstahler

    @Stefan @egghat

    Die Kosten der Visitenkarte waren ursprünglich nur als Aufhänger gedacht, um über Sinn und Unsinn von Discount-Druckereien zu diskutieren. Natürlich ist die Visitenkarte a) nur ein kleiner Teil eines Startup-Erscheinungsbildes und b) sicher kein Allheilmittel.

    Es ist eben – neben der Startup-WebSite – das am häufigsten eingesetzte Element in der Geschäftskommunikation und bietet sich deshalb als zugespitztes Beispiel an.

    Um aber wieder zum Thema des Artikels zurückzukehren, ein bißchen was aus der Praxis: Wir haben als Agentur auch schon diverse Startups begleitet, von der Idee über Businessplan-Content/-Design bis zu den Investoren-Verhandlungen mit Slideshows.

    Und da konnten wir feststellen, daß ein “ordentliches”, gar nicht so teures Erscheinungsbild bei vielen Banken und Investoren durchaus ein Türöffner ist. Gerade weil man damit eine gewisse Ernsthaftigkeit und Professionalität demonstrieren kann – ja sogar Understatement.

    Gerade VCs oder andere Early-Investors werden immer noch mit einer Flut von Visitenkarten und Businessplänen überschwemmt, daß sie sich gerade mal 10-15 Minuten für eine erste Kandidaten-Sichtung nehmen können. Wer da zumindest optisch angenehm und solide auffällt, vergrößert nach unserer Erfahrung seiner Chancen auf einen ersten Gesprächstermin merklich.

    Aber wenn man nun schon diese Chance erkannt hat und wenigstens ein bißchen ins Erscheinungsbild investiert, sollte man das hoffentlich gute Entwurfsergebnis nicht in der Druckproduktion aus falsch verstandenem Sparwahn kaputt machen.

    Ich erlebe immer wieder Mitarbeiter (auch von großen Unternehmen), die sich bei der Visitenkarten-Übergabe (wieder nur als Beispiel) gleich wortreich dafür entschuldigen: “Die richtigen sind noch im Druck”, “Hatte gerade keine mehr”, “dürfen wir nur noch digital drucken”, “unser Tintenstrahler kann nur 150g-Papier”.

    Was bleibt denn da im Kopf des Empfängers hängen?

    Aus Sicht der Investoren zählt heutzutage bei Startups nicht mehr so stark die Geschäftsidee, sondern die professionelle “Execution”. Und da gilt es Gelder nach Kosten/Nutzen-Relation auszugeben und nicht nach Preisschild.

  • sebman

    Solche Diskussionen lieb ich ja!

    Vistitenkarten gibts auch kostenlos mit Werbung von nem ErotikVersand auf der Rückseite…

    Wem die 5 oder 10 cent pro Stück zu viel sind, disqualifiziert sich selbst.

  • Stefan Wolpers

    @Michael:

    Meiner Erfahrung nach beträgt die Aufmerksamkeitsspanne eines potentiellen Investors, den man kalt per Businessplan pitcht, max. 2 Minuten – mehr braucht es nicht, die Executive Summary zu überfliegen.

    Deshalb würde ich meine Energie (und mein Budget) auch stets an zwei Punkten investieren:

    - Einen guten Elevator-Pitch, wenn die Idee an sich interessant ist (remember, it’s not the Empire State Buildung)

    und

    - Persönliche Kontakte aufbauen. Zu den meisten Business Angels und VCs, die ich kenne, habe ich per Vorstellung durch Dritte Kontakt bekommen. Meine Visitenkarte war in diesem Fall nicht ausschlaggebend.

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