Die Eltern von Borahm Cho stammen aus Südkorea und kamen vor 40 Jahren nach Deutschland.

„Wir wollen allen Menschen den Zugang zu gutem Essen ermöglichen.“

Völlig planlos geht der gebürtige Hamburger Borahm Cho nach seinem Design-Studium 2011 nach New York. Dort lernt er den Restaurantbesitzer Chris Muscarella kennen. Gemeinsam entwickeln sie die Idee für Kitchensurfing (www.kitchensurfing.com). 2012 wird das Startup in Brooklyn gegründet. Auf der Seite können Freunde, Familien und Kollegen je nach Budget einen Koch für ein privates Essen buchen – inklusive Zutaten und Aufräum-Service. Kitchensurfing ist heute in vier amerikanischen Städten und in Berlin aktiv, beschäftigt 22 Mitarbeiter und hat bisher 3,7 Millionen US-Dollar eingesammelt, unter anderem von Union Square Ventures und Spark Capital. Vergangene Woche durfte sich Cho über eine besondere Auszeichnung freuen: Das US-Wirtschaftsmagazin Forbes setzte ihn als einen von nur vier Deutschen auf die Liste der 450 wichtigsten Nachwuchs-Entrepreneure – in der Kategorie Food.

Glückwünsch zur Forbes-Platzierung. Bist du stolz?

Ich fühle mich geehrt, auf der Liste zu sein. Aber ich glaube, es bedeutet anderen Leuten mehr als mir. Ich selbst mache mir nicht wirklich etwas daraus, weil sich seitdem nicht so viel geändert hat.

Hast du eine Idee, warum du auf der Liste gelandet bist?

Nicht wirklich. Forbes hat mich im letzten Jahr angeschrieben und wollte einige Daten von mir. Aber dann habe ich nichts mehr gehört, bis die Liste rauskam und ich von Freunden Emails mit Glückwünschen bekam. Aber klar war ich etwas überrascht, zumal die meisten Leute auf der Food-Liste wirklich direkt mit Essen zu tun haben, Köche beispielsweise.

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Du bist in Hamburg geboren und hast in Konstanz visuelle Kommunikation studiert. Wie kamst du nach New York?

Ich habe mit 16 angefangen, frei als Designer für Agenturen zu arbeiten und habe mich in der Zeit hauptsächlich auf Webdesign spezialisiert. Meinen ersten festen Job habe ich 2011 nach einem halben Jahr gekündigt und musste mir dann überlegen, wie es weiter geht. Ich mochte es schon immer, Leute beim Essen besser kennenzulernen. Und ich mochte das Prinzip von Couchsurfing. Also habe ich die Domain kitchensurfing.com gekauft. Der Verkäufer der Seite empfahl mir, nach New York zu gehen, wo ich meinen Mitgründer Chris kennengelernt habe. Chris besitzt zwei Restaurants und hat mir erzählt, dass Köche sehr schlecht bezahlt werden und viele Menschen, die gut kochen können, deswegen nicht in Restaurants arbeiten wollen. So kamen wir auf die Idee. 2012 haben wir die Seite gelaunt. Innerhalb von mehreren Wochen haben sich mehrere hundert Köche angemeldet.

Wie verdient ihr Geld?

Jeder Koch muss zehn Prozent seines Honorars an uns abgeben.

Kitchensurfing gab es zuerst in New York. Kurz danach folgte Berlin – noch vor Chicago, Los Angeles und Boston. Warum war Berlin euer erster Standort außerhalb Amerikas?

Ich habe etwa drei Jahre in Berlin gelebt und habe gemerkt, dass Berlin noch am Anfang steht – so wohl in der Startup-Szene als auch in der Food-Szene. Berlin liegt uns zudem einfach persönlich am Herzen und auch wenn die Stadt in der Food-Szene nicht so stark ist wie New York, so ist es doch eine gute Stadt, um Dinge auszuprobieren.

Wie viele Köche habt ihr mittlerweile weltweit?

Wir haben derzeit über 1000 Köche und noch einmal etwa 1000 weitere Köche auf der Anfrageliste, die wir noch nicht offiziell akzeptiert haben. Gerade jetzt, am Anfang, wollen wir sicher gehen, dass wir auch alle Köche testen.

Gibt es bei euch im Büro also jeden Tag eine Dinner-Party?

Nicht ganz, aber es gibt tatsächlich ein bis zwei Mal die Woche eine sogenannte Test-Kitchen bei uns, zu der wir drei bis sechs Köche einladen. Dort können sie ihr Lieblingsgericht kochen und sich persönlich vorstellen. Wir wollen natürlich auch, dass die Köche eine interessante Persönlichkeit haben – schließlich gehen sie zu unseren Kunden nach Hause.

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Wie viele Kunden habt ihr insgesamt?

Wir haben genug. Mehr kann ich nicht sagen.

Wie sind eure Pläne für 2014?

Ich persönlich würde Kitchensurfing am liebsten in Hamburg eröffnen, weil meine Mutter dort lebt. Aber momentan ist der amerikanische Markt interessanter für uns, weil wir hier besser vernetzt sind. Trotzdem hoffen wir, dass wir in diesem Jahr in einigen europäischen Städten eröffnen können, gerade in Paris und London.

Was sind deine persönlichen Ziele? Schließlich bist du jetzt der Mann von der Forbes-Liste.

Unsere Vision ist es, allen Menschen den Zugang zu gutem Essen zu ermöglichen. Kitchensurfing soll eine Plattform für diejenigen sein, die gutes Essen lieben und auch mehr über die Zubereitung und die Zutaten erfahren wollen. Wir nutzen also moderne Technologie, um die Leute wieder zusammenzubringen, denn Social Networks wie Facebook bringen zwar viele Menschen zusammen, schaffen aber gleichzeitig auch eine große Distanz. Wir wollen, dass die Leute wieder mit ihren Freunden zusammensitzen und eine tolle Zeit haben.
Bild: Kitchensurfing