BS-presse-gruender

Die beiden Brickspaces-Gründer Philip Schur und Giannis Paraskevopoulos (von links)

Vor zwei Jahren suchten Philip Schur und Giannis Paraskevopoulos nach einem Pop-up-Restaurant, um sich als Köche auszuprobieren. Zwar fanden die beiden Freunde kein Lokal. Aber sie stießen bei ihrer Suche auf Marktplätze, die in den USA und Großbritannien solche temporären Ausstellungsflächen vermittelten.

Schur und Paraskevopoulos gründeten daraufhin ein Unternehmen, um das „Airbnb für Retail“-Konzept in Deutschland zu starten. Erst nennen sie sich Rocket Spaces, 2015 folgt die Umbenennung zu Brickspaces.

Die Konkurrenz für die beiden ist groß: Etwa der US-amerikanische Marktplatz Storefront und der französische Wettbewerber Oui Open, die sich im September dieses Jahres zusammenschlossen und nun laut TechCrunch 10.000 Flächen anbieten. Und auch in Deutschland gibt es Wettbewerber wie etwa Go—PopUp aus Berlin.

Anzeige

Im August 2016 gewann Brickspaces das Einzelhandel-Special des Startup-Wettbewerbs Rheinland Pitch und zog von Essen nach Düsseldorf. Im Interview erzählt Schur, wie es dazu kam und was er von der Startup-Szene in Essen hält.

Philip, der stationäre Einzelhandel hat es gegenüber dem Onlinehandel nicht leicht. Warum glaubt Ihr dennoch an Pop-up-Läden?

Der stationäre Handel wird nicht aussterben, er ist derzeit einfach nur langweilig. Klar hört man oft von Leerständen. Aber wir glauben, dass wir uns nur in einer Übergangsphase befinden. Der Onlinehandel kann nicht ohne den Offlinehandel – und umgekehrt ist es genauso. Es wird immer mehr Mischformen wie etwa Showrooms geben. Amazon macht zum Beispiel in den USA gerade Pop-up-Stores auf. Sie sollen als Marketinginstrument und Schnittstelle zu den Kunden dienen. Unsere Kunden sind zum Großteil junge Unternehmen, die nach ausgefallenem Marketing-Konzepten wie einem Pop-up-Store suchen.

Mit der Vermittlung der Flächen seid Ihr vor zwei Jahren in Essen im Ruhrgebiet gestartet. Wieso dort?

Ich komme aus Essen, Giannis aus Bottrop. In Essen zu gründen war also bequem. Wir dachten, es geht sicher auch, ohne in Berlin zu sein.

Nun seid Ihr mit Eurem Unternehmen nach Düsseldorf gezogen. Warum?

Das hat mehrere Ursachen. Es ist aber schon so, dass es in Essen keine wirkliche Startup-Szene gibt. Dort leben nur wenige Menschen, die unter dem Begriff Startup dasselbe wie wir verstehen. Bei einem Gründertreffen hast du halt auch den Friseur oder die Dönerbude von nebenan mit dabei. Es fehlt also zum einen der richtige Austausch und zum anderen an Investoren. Die großen Unternehmen in Essen und Umgebung engagieren sich nicht in der Startup-Szene, was sehr traurig ist. In Essen hatten wir außerdem keine direkte Kundschaft, also keine Vermieter. Wir haben nur aus Bequemlichkeit dort gestartet.

Anzeige

Wirkte sich der Standort auch negativ auf die Personalsuche aus?

Es ist super schwierig, Leute aus dem Ruhrgebiet dazu zu bekommen, in einem Startup zu arbeiten. Die meisten Menschen dort haben ein ausgeprägtes Sicherheitsdenken und wollen lieber in einen großen Konzern. Von 200 Bewerbern für eine Stelle bei uns waren vielleicht drei von der Uni Essen. Die meisten Bewerber kamen aus der Ecke Düsseldorf.

Woran liegt es, dass deiner Meinung nach kein Startup-Spirit aufkommt?

Ich glaube, es ist die Ruhrpott-Mentalität. Die Menschen dort sind zwar Macher, aber oft seit Jahrzehnten in abhängiger Beschäftigung. Diese Denke ist wahrscheinlich etwas, was man von den Eltern mitbekommt. Nur wie kommt man dann das erste Mal mit dem Thema Gründung in Berührung? Wenn du wie wir ein berufsbegleitendes Studium machst, wird auch nicht darauf eingegangen, sich selbstständig zu machen.

Wieso habt Ihr Euch dennoch entschlossen zu gründen? Gibt es Unternehmer in Eurer Familie?

Giannis kommt aus einer Unternehmer-Familie, seine Eltern sind selbstständig. Bei mir war noch nie jemand in der Familie selbstständig. Aber ich kann mich schlecht unterordnen und will immer neues ausprobieren. Das hat wohl zum Unternehmertum geführt.

Wollt Ihr irgendwann mal nach Berlin?

Daran denkt wohl jeder Gründer. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass wir es machen werden. Aber jetzt gerade war Düsseldorf der schlüssige nächste Schritt. Hier findet man genauso gut Vermieter und Mieter wie in Berlin. Dort trittst du zudem in Konkurrenz mit vielen Startups. In Düsseldorf lebt die Startup-Szene gerade auf. Ein Unternehmen in Berlin zu gründen, ist nichts besonders. Ich habe das Gefühl, manche Berliner haben schon einen schlechten Tag, wenn sie nicht morgens vor dem Aufstehen das erste Startup gegründet haben.

Danke für das Gespräch, Philip.

Bild: Brickspaces